Kleinere Mitteilungen,
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Hiernach könnte es scheinen, als ob der Warmsektor das einzig Kenn-
zeichnende für das Teiltief und das einzig Ausschlaggebende für seine WVer-
stärkung sei, So einfach liegen jedoch die Verhältnisse nicht, und um das zu
zeigen, muß kurz die Vorgeschichte des Teiltiefs betrachtet werden.
Diese Vorgeschichte ist wesentlich anders als die des früher besprochenen
Oktober-Sturmtiefs, welches schon als verhältnismäßig kräftige Zyklone (745 mm}
über Kanada nach Neufundland gewandert war, Das Teiltief vom 5. September
ist demgegenüber als schwache und so gut wie völlig unveränderte Zyklone —
mit einer geschlossenen Isobare von 760 mm — schon mehrere Tage vorhanden
gewesen; es ist dabei langsam aus dem Meeresraum Östlich Kap Hatteras nach
den Gewässern südlich Neufundland gezogen. Aus ihm hat sich lediglich am
%, September eine Störung losgelöst, die unter Vertiefung ostwärts gewandert
ist und jetzt — am 5. September — als Tief von 745 mm westlich Irland Megt.
An der Kaltfront dieses nordostatlantischen Tiefs, die am 5, September vom
Gebiet westlich Irland und Portugal bis nach dem Seegebiet südlich der Azoren
mit scharfen Windsprung ausgeprägt ist, befindet sich weiter westlich unser
Teiltief; in ihrer nördlichen Ausbuchtung liegt sein Warmsektor, Diese Front
ist aber in den ersten Septembertagen dem derzeit mit 760 mm südwestlich
Neuschottland bis südlich Neufundland gelegenen Tief genau so zugegangen und
hat seinen Warmsektor gebildet, ohne daß dies Tief irgendeine
Intensitätsänderung erfahren hätte, Auch eine Betrachtung der thermischen
Gegensätze beiderseits der Front — der Temperaturunterschied zwischen Ber-
muda. und. Neuschottland, bzw. über dieselbe Entfernung weiter Östlich, beträgt
immer etwa 10° — ergibt keinerlei. Anzeichen einer Änderung, auf die sich der
Vertiefungsbeginn zurückführen ließe,
Augenscheinlich reichen demnach die frontalen Temperaturgegensätze bei
dem 760 mm-Tief vom 1, bis 4, September zu seiner Verstärkung nicht aus, ob-
wohl ja zyklonale Luftbewegung vorhanden ist, die Front also nicht ungestört
liegen kann oder zu bleiben braucht (vorhandener „Impuls für Wellenbildung“).
Was also treibt das Tief zur Entwicklung? Zum Verständnis dessen müssen
wir den Blick über ein größeres Fold als das der Zyklone selbst richten, und
da erscheinen zwei Vorgänge von wesentlicher Bedeutung,
1. Die Kaltluft hinter dem am 5. September westlich Irland gelegenen Tief
gewann vom 3. bis 5. September immer weiter südwärts an Raum, Der südlichste
Punkt der Kaltfront-Ausbuchtung, nach den Schiffsmeldungen ziemlich genau
festzulegen, befand sich am
3. September auf 361° N-Br., 42° W-Lg.
4. September auf 344° N-Br, 37° W-Lg.,
5. September auf 32° N-Bru 32° W-Lg.
Anderseits. hat die Front, wo sie — als Warmfront — dem in Frage stehenden
yestatlantiscehen Tief zukommt, ihren nördlichsten Punkt am
3, September auf etwa 391° N-Br., 58° W-Le.,
Li, September auf etwa 40° N-Br., 57° W-Lg.,,
5. September auf etwa 44° N-Br., 46° W-Le.
Man sieht, daß eine Aufbiegung der Kalt-Warmfront vor dem west-
atlantischen Tief um 9 Breitengrade erfolgt ist. Während sie am 3. September
auf 16 Längengrade nur 3 Breitengrade umfaßte, geht sie am 5. auf 14 Längen-
grade über 12 Breitengrade. Diese Aufbiegung wird durch Vorgänge bewirkt,
die mit unserem 760 mm-Tief direkt kaum zu tun haben (exogene Vorgänge):
einerseits durch den verstärkten Druckanstieg hinter dem nordostatlantischen
Tief, der dem Roßbreitenhoch einen ausgeprägten „kalten Keil“ aufsetzt, ander-
seits durch ein „fremdes“ über Labrador hinwegziehendes Druckfallgebiet,
Welche Bedeutung dieser Frontdeformation zukommt, wird später gezeigt
werden. Zuvor muß das eben erwähnte Druckfallgebiet kurz betrachtet werden,
2, Das ostamerikanische Hoch, das in der Abbildung noch zu sehen ist, ist
ein quasistationäres, luftmassenumbildendes Hoch. Es wandelt Polarluft in
kontinentale Warmluft um, die an der südwestlichen Hudsonbay mit frischer
(arktischer) Polarluft zusammentrifft und zyklogenetisch wirksam wird (24stündige