Scherkag, R.: Die Zunahme der atmosphärischen Zirkulation Ir. den. Tetzten 25 Jahreis, 407
Sinne; Im Jahrzehnt 1911 bis 1920 waren die Winter vor allem im Gebiet um
Spitzbergen und in der Östgrönlandsee besonders kalt, und. erst ab 1920 hat die
Temperaturzunahme zusammen mit der Druckerniedrigung auch auf diese Zone
in. nächster Nähe des Pols übergegriffen,.
Erinnern wir uns jetzt noch einmal der früher!) gefundenen Ergebnisse und
vergleichen die Druckabweichungen für die Wintermonate Jantıar 1938 bis März
1938, wie sie in Tafel 12, Fig. 3 dieses Jahrgangs in dieser Zeitschrift dargestellt
ist, so sehen wir, daß sich die Anomaliegebiete in der ersten Hälfte dieses
Jahrzehnts noch weiter nordwärits verlagert haben: Das Gebiet größter
Druckzunahme liegt im Höhe der Britischen Inseln, und es kann wohl kein
Zweifel bestehen, daß die abnorme Trockenheif zu jener Zeit, wie sie sowohl
über Mitteleuropa als auch in den Vereinigten Staaten beobachtet wurde, mit
dieser erheblichen nördlichen. Verlagerung des subtropischen Hochdruckgürtels
zusammenhängt. Zur gleichen Zeit begann die megative Druckanomalie erst in
der Breite von Island und erreichte ihre größte Intensität wahrscheinlich erst
nördlich des 80. Breitenpgrades, Damit erfuhr die Westdrift gerade an der
polaren Eisgrenze ihre größte Verstärkung, und es ist nur natürlich, daß
damit der enorme Wärmeüberschuß in der Arktis ganz besonders gesteigert
wurde, ein Witterungstyp, der zu Anfang des Jahres 1984 seine schärfste Äus-
prägung erlangte in dem denkwürdigen Sturmreichtum über Nordeuropa, wo
eine Zyklone nach der anderen auf einer meist hoch nördlichen Zugbahn vom
europäischen zum sibirisechen. Eismeer wanderte,
Dieser Witterungstyp ist im letzten Winter urplötzlich erloschen, wie
wir bereits In dieser Zeitschrift gezeigt haben?*), Das gesamte Polargebiet wies
Drückerhöhung auf, die Zone der Roßbreiten hingegen Druckabnahme, und
zugleich. begann eine Abnahme der Temperatur in der arktischen Zone.
Ob diese Abschwächung der Zirkulation nun lediglich eine ganz vorüber-
gehende Erscheinung oder aber den Beginn einer nennen Epoche darstellt, Jäßt
sich natürlich jetzt xoch nicht entscheiden, es finden sich. aber viele Belege für
die Ansehauung, daß die Verlagerung der Aktionszentren dem entgegengesetzten
Rhythmus unterliegt, wie wir es bei den einzelnen Zyklonenfamilien beobachten:
Diese zeigen die Tendenz zu immer südlicherer Entwicklung an der hinter jedem
Gliede weiter äquatorwärts vordringenden Folarfront, die Zunahme der Zir-
kulation hat im Laufe der Jahrzehnte immer weiter nach Norden üÜbergegriffen
und schließlich gerade in den letzten Jahren die arktische Zone selbst erreicht
und die Temperatur- und Eisverhältnisse dort grundlegend verändert, Es er-
scheint danach äußerst wahrscheinlich, daß diese Entwicklung plötzlich unter-
brochen. wird ımd die Wirbeltätigkeit wieder in südlicheren Breiten beginnt.
Eine rechtzeitige Erkenntnis. dieses Zeitpunktes wäre bei der dureh die Witte-
rungsverhältnisse begünstigten zunehmenden Erschließung der Polarmeere für
den Weltrerkehr von größter Bedeutung,
Kleinere Mitteilungen.
1. Zur Hydrographie des nördlichen Barentsmeeres. Während der
Schwedisch-Norwegischen Spitzbergen-Expedition mit dem Dampfer
„Quest“ im Jahre 1931 wurden auf 103 Stationen. hydrographische Serien-
messungen vorgenommen: in den Gebieten nördlich. vom westlichen Spitzbergen
und dem Nordostlande, in der Hinlopenstraße und dem damit verbundenen klei-
neren Fjerd-Armen, im nördlichen Barentsmeere zwischen Spitzbergen and Franz-
Josefs-Land und in dem Cambridge-Kanal [Franz-Josefs-Land]. Auf einigen der
Stationen wurden vom verankerten Schiffe auch direkte Strommessungen gemacht,
bei günstigen Kisverhältnissen während 20 bis 32 Stunden, Die Ergebnisse der
Untersuchungen werden binnen kurzem im „Geofysiske Publikasjoner“ (Oslo)
erscheinen hier soll als. Beispiel eine bestimmte Frage kurz erörtert werden.
24, Wetterekizze Nr. 1. 8 315,