402 Annalen der Hydrographie and Maritimen Meteorologie, September 1936,
Wie verhält sich nun unsere Karte zu derjenigen von A, Wagner?%), die die
Luftdruckänderung im Zeitraum 1911 bis 1920 gegen die Periode 1886 bis 1895
darstellt ?
In großen Zügen. ähneln sich beide Karten sehr. Insbesondere hat auch
Wagner für die gesamte Zone zwischen 40° N-Breite und 30° S-Br. Druckzunahme
erhalten, abgesehen von den engbegrenzten Zonen, die auch unsere Karte, wenn
auch teilweise in etwas anderer Form, zeigt. Außerdem findet Wagner ebenfalls
in dem hohen südlichen Breiten und über dem größten Teil der nördlichen ge-
mäßigten Zone Druckabnahme, vor allem im Bereich des Island-Tiefs und über
dem Nordpazifik. Man kann daraus den Schluß ziehen, daß die subpolaren
Tiefädruckzonen der Erde jetzt schon seit einem Vierteljahrhundert
eine Vertärkung aufweisen, wenn man bedenkt, daß diese Vertiefung der
nordatlantischen Zyklone für die Wintermonate 1933 bis 1935 ebenfalls bereits
nachgewiesen worden ist!), Ebenso hat sich mindestens 25 Jahre lang die
Erhöhung des Luftdrucks in den Roßbreiten erhalten, doch ist diese
Druckzunahme vor allem über Asien bei Wagner lange nicht so gut ausgeprägt.
Und für die Nordpolargebiete selbst hat Wagner Druckanstieg gefunden,
söwohl über Kanada als auch über Nordsibirien, nur Grönland befindet sich
völlig in der Einflußsphäre der vertieften Island-Zyklone, und Wagner weist
ausdrücklich darauf hin?), „daß wir nicht von. einem erniedrigten. Polardruck
sprechen. können. „. . Brniedrigt erscheint neben dem isländischen. Tief mer eine
Rinne in. 50° bis 60° N-Br. Die Polarkappe selbst scheint erhöhten. Druck auf-
zuweisen, der über den beiden Kontinenten Asten und Nordamerika weiter nach
S reicht“.
Wenn wir uns erinnern‘), daß ja gerade das Jahrzehnt 1911 bis 1920 durch
außerordentlich strenge Winter in Spitzbergen ausgezeichnet war, so kommen
wir zu dem Ergebnis, daß die bereits im Jahrzehnt 1911 bis 1920 über den ge-
mäßigten Zonen eingetretene Zunahme der Zirkulation und die damit im erster
Linie verbundene Erhöhung der Wintertemperatur erst nach 1920 auf das
Polargebietselbstübergegriffen hat. Dies bestätigt der Temperaturvergleich
auch in den Einzelheiten,
9. Die Abweichung der Temperatur auf der Erde in den Jahrzehnten 1921 bis 1930
und 1911 bis 1920. [Fig. 10, Tafel 62].
Während bei Wagner?) gerade über der Ostgrönlandsee und dem sibirischen
Eismeer im Zeitraum 1911 bis 1920 Abkühlung eingetreten ist, fanden wir dort
das Maximum der Erwärmung. Im. übrigen weist die Temperaturänderung auf
der Erde (Fig. 10) aber fast die gleiche Verteilung wie im vorhergehenden
Jahrzehnt auf, Vor allem konstatieren wir eine Fortdauer der von Wagner
erwähnten Temperaturerniedrigung auf den Ozeanen!), während sich die Land-
gebiete, Nord- und Südamerika, ganz Afrika und der größte Teil Asiens erwärmt
haben. Lediglich die in den Roßbreiten der Nordhalbkugel angedeutete Zone
mit Temperaturerniedrigung über Asien und Mittelamerika ist in der Karte von
Wagner nicht vorhanden,
Besonders auffallend ist, daß selbst Einzelheiten in beiden Jahrzehnten gut
übereinstimmen, wie zZ. B. die vom Atlantischen Ozean nach Labrador reichende
Zunge mit Temperaturerniedrigung.
Wir können unseren Vergleich zwischen den beiden letzten Jahrzehnten
dahin zusammenfassen, daß die schon im Jahrzehnt 1911 bis 1920 zu verzeich-
nende Zunahme der atmosphärischen Zirkulation sich in den folgenden Jahren
aoch erheblich verstärkt und besonders auf die Polargebiete über-
zegriffen hat, wo nach 1920 zugleich eine erhebliche Temperaturzunahme
erfolgt ist. Es ist jetzt noch erforderlich, die Druck- und Temperaturänderung
auf der Erde durch Mittelbildung für die einzelnen Breitengrade etwas genauer
zu studieren,
3) Vel, in dem unter Fußnote 6 zitierten Arbeiten 5. 43 bzw, S. 485. — 14) Val, Ann. d. Hydr:
1936, Tafel 12, Fig. 3, — 5) aa, 0, Geogr, An. 8, 42, -— 1%) 4.8.0. 5, 52 bzw. 486, = 1) Bezüglich
Jder Erklärung dieser Erscheinung. dureh die Zunahme der Turbulenz im Meerwasser bei erhöhter
Zirkulation siehe die Arbeiten von Wagner.