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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1936.
1.. Die Zunahme der Lufttemperatur in der Arktis.
In einer vorhergehenden Mitteilung!) haben wir uns bereits mit der auf-
fallenden Temperaturerhöhung in der Arktis, insbesondere in der Ostgrönlandsee,
während der letzten 15 Jahre befaßt und nachgewiesen, daß diese Erwärmung
mit einem erheblichen Zurückweichen der Eisgrenze verbunden ist, a
Zur gleichen Zeit ist ein Aufsatz von J. Schokalsky®) erschienen, der
unsere Schlußfolgerungen in vollem Maße bestätigt und in vieler Beziehung noch
erweitert. Aus dieser Untersuchung Schokalskys seien die wichtigsten Punkte
im folgenden zusammengestellt,
Durch die intensive ozeanographische Erforschung der Barentssee, wohln das Moskauer Üzeanogra-
phische Institut in den letzten 12 Jahren allein mehr als 100 Expeditionen entsandt hat, von denen
jede etwa. zwei Monate dauerte und. die in den letzten Jahren auch auf die Ostgrönlandsee. ausgedehnt
wurden, ist eine erhebliche Erhöhung der Wassertemperatur und Zunahme des Salzgehalts einwandfrei
hachgewiesen. worden. Während Nansen auf der Fram- Expedition (1893 bie 1896) im Polarmeer
eine Deckschicht von 200 bis 250 m Tiefe mit einer Temperatür von — 10 bis — 19° feststellte.
yurden von der Ziding im Jahre 1927 zwischen Franz-Josephs-Land und Nowaja Semlja in 100 m
Tiefe +4- 1.1° gemessen, und Krassin bestätigte diese Beobachtung im folgenden Jahre, ebenso Srerdrup
auf der Ta Im Jahre 1929 fanden die dem Moskauer Geographischen Institut ge-
körenden Schiffe Sedoff und Persee an der gleichen Stelle, die Makazorff für seine Beobachtungen
im Jahre 1901 wählte, die Null-Grad-Isothermein einer Tiefe von 125 statt 200 m. 1931 fand
lie Persce diese Isotherme in der gleichen Gegend sogar schon in 73 m Tiefe und die Lomohosoff
etwas weiter‘ Östlich Rn schon zwischen 25 und 40m Tiefe, Darünter stieg die Temperatur anf
416° an, Ahnliche Verhältnisse wurden 1932 zwischen. Franz-Josephe-Land und Novaja Semlja
angetroffen und 1934 bestätigt, schließlich erwähnt Schokalsky als besondere auffallende Abweichung
die Beobachtung einer Luftiemperatur ron 4 12° and einer Wasseritemperatur von + 5,5° durch die
Persee im September 1934 nördlich von Spitzbergen und schreibt): „Der Zweig des Nordatlar-
schen. Stromes, der in den Arktischen Ozean am Rand des Kontinentalscheifs bei Spilz-
bergen eintritt, hat an Mächtigkeit so wesentlich zugenommen, daß die Deckschicht. kalten.
We die zu Nansens Zeit 200 m diek war, jetzt auf weniger als 100 m reduziert
worden. ist.“
Weiter hebt Schokalsky hervor, daß die Erwärmung des Polargebiets im Jahre 1921
begonnen und die Marior-Expedition sie in der Baffins Bay ebenso festgestellt habe und schließt 4):
„Wir entdeckten, daß das Nördliche Kismeer zur Zeit einer Periode steigender Temperatur
unterliegt.“
Wir wollen anschließend nachweisen, daß diese seit 1921 eingetretene Tem-
peraturerhöhung den größten Teil der Nordhemisphäre umfaßt.
2, Die Änderung der Lufttemperatur auf der Nordhalbkugel im Jahrzehnt
1921 bis 1930.
In Fig. 1 (Tafel 58) ist die Differenz zwischen dem langjährigen Jahres-
mittel der Lufttemperatur bis 1920 und demjenigen im Jahrzehnt 1921 bis 1980
für den größten Teil der Nordhemisphäre dargestellt.
_ Das Beobschtungsmaterial gründet sich auf die Angaben in den World Weather Records®),
worin im ersten Band die Aufzeichnungen von. Druck, Temperatur und Feuchtigkeit bis zum Jahre 1920
zusammengestellt. und. gemittelt und der zweite Band die Ergebnisse des Jahrzehnts 1921 bis 1930
enthält. Die Mittelwerte der Periode bis 1920 beziehen sich natürlich auf verschiedene Epochen.
Eine Reduktion auf gleiche Perioden. vorzümehmen, wäre eine Institutsarbeit, die von einem einzelnen
geben dem täglichen Wetterdienst nur unter größten Schwierigkeiten durchführbar wäre, Unsere
Untersuchung ergibt aber zum Glück, daß e& sich nicht als notwendig erweist, die müherolle Reduktion
auf sich zu nehmen, sondern daß die Mittelwerte für den Zeitraum 1921 bis 1930 direkt mit den-
jenigen für die vorhergehenden Jahre verglichen werden können, und daß man die Isolinien ohne große
Schwierigkeiten zu zeichnen vermag. Um eine leichte Kontrolle zu ermöglichen, enthalten unsere
Abbildungen alle verwendeten Einzelwerte, nur wenige Stationen zeigten so offenbare Inhomogenitäten
und fielen aus dem Rabmen so. weit. heraus, daß sie nicht. berücksichtigt wurden, hei dem Luftdruck
Insgesamt 21 Stationen, darımter fast alle In Alaska, wo vor 1920 mr sehr lückenhafte Beobachtungen
ausgeführt wurden und die Reihen zum Teil nur wenige Jahre umfassen. In den Temperaturkarten
sind aber auch «iese Stationen eingezeichnet und wenn möglich berücksichtigt worden. Eingehende
Aufführung aller Stationen würde den Rahmen dieser Untersuchung zu weit Überschreiten und
erecheint bei der eindeutigen Ergebnissen nicht erforderlich, zumal ale Mittelwerte in den. „World
Weather Records“ sofort eingesehen werden können,
Man ersieht aus Fig. 1 auf den ersten Blick, daß das Jahrzehnt 1921
bis 1930 auf dem größten Teil der nördlichen Halbkugel wesentlich zu
‘RR. Scherhag, Eine bemerkenswerte Klimaänderung über Nordeuropa, Ann. d, Hydı, 1936,
8. 986. — 2.3, Schokalsky, Recent Russian Researches in the Aretie Sen and in the Mountains of
Central Asia, The Scottish Geographical Magazine, 52, Nr. 2 (März 1936). — $ aaO. 8 76 —
Haa 0. 8.79 — $) Smithsonian Miscellaneous Collections Vol. 79 und 90.