Jensen, Chr.: Probleme der atmosphärischen. Polarisationsforschung, 865
Substanzen neutrale Punkte hervorzurufen vermag, und weiter darauf, daß, wie
eine Berechnung von Maxwell-Garnett auf Grund der Theorie von L, Lorenz
für sehr kleine Teilchen. zeige, der Begriff der sekundären Diffusion nur dort
berechtigt sei, wo die Partikeln sehr nahe beieinander liegen, Mit Recht weist
F. M, Exner darauf hin, daß die Schirmannsche Theorie für die Atmospäre nicht
Aurchführbar sei, solange man nicht wisse, ob überhaupt die geeigneten trübenden
Teilchen in der Atmosphäre vorhanden sind, Vor allem ist aber auch zu
bedenken, daß die Verhältnisse in der weit ausgedehnten Atmosphäre wesentlich
andere sind wie im Experimentierraum, — Einige Jahre später (Zs. f. Geophys,
1924/25) machte Milch darauf aufmerksam, daß die Verschiebung des Maximums
der Lichtintensität die nach der Rayleighschen Theorie durch die primäre
Diffusion des O-Lichtes an den. Luftmolekeln. vom gelben nach dem blauen Teil
des Spektrums erfolgt, bei sekundärer Diffusion noch weiter gehen müsse, so
daß das sekundär diffundierte Licht als sichtbares nicht oder jedenfalls kaum
in Frage kommen könne. Das wohl nicht als zufällig abzutuende Ergebnis
Milchs, daß eine enge, eindeutige Beziehung zwischen dem unter alleiniger Berück-
sichtigung der primären Diffusion abgeleiteten „Depolarisationsfaktor“ (D) und dem
Linkeschen Trübungsfaktor (T)} besteht, scheint weder für noch gegen die Bedeutung
der sekundären Diffusion zu sprechen. Dabei sei nur darauf hingewiesen, daß
in dem für D abgeleiteten Ausdruck das T steckt, — Nicht am wenigsten erhellt
offenbar die große Bedeutung der sekundären bzw. mehrfachen Diffusion aus
dem Gros der Dornoschen Untersuchungen; dies fällt um so mehr ins Gewicht,
als Dorno systematisch die beiden. ] zueinander stehenden Hauptschwingungss
komponenten verfolgte. — Weiter sei an die Unstimmigkeiten zwischen. den eine
verhältnismäßig geringe Durchsichtigkeit ergebenden Wildschen, mit Ausschluß
zeitlichen Lichtes (Luft in langen Rohren} durchgeführten und den in freier
Luft ausgeführten, eine wesentlich größere Transparenz ergebenden Schlagint-
weitschen und Oddoneschen Messungen erinnert, welche die Annahme einer
durchaus nicht zu unterschätzenden mehrfachen Lichtdiffusion an den Molekeln
selbst notwendig machen, wenn man nicht gewaltige Mengen zwischen dem Auge
und dem anvisierten Objekt lieyenden liehtreflektierenden. Staubes annehmen
will. — Wir wollen die Richtigkeit unserer Auffassung‘ weiter zu erweisen suchen
an Hand der Erklärungsversuche einer Reihe von Polarisationserscheinungen :
Verfasser fand für normale Zeiten das auch von anderer Seite bestätigte
Ergebnis einer Zunahme des A-Abstandes mit Verringerung des 2, in dem beob-
achtet wird. Sieht man von der sicherlich nicht außer acht zu lassenden Ex-
Hnktion ab, so ersicht man ohne weiteres, daß dasselbe in zutem Einklang mit
der Soret-Hurionschen. Theorie steht, wonach. die negative Komponente wesentlich
rom sekundär diffundierten. Himmelslicht herrührt, die ja der blauen Himmels-
farbe entsprechend. erheblich. größere Intensitäten für die kurzen wie für die
langen Wellenlängen aufweist, und da die Abstände mit der Intensitätszunahme
wachsen müssen. Eine restlose Erklärung der entsprechenden Verhältnisse mit
Berücksichtigung der Extinktion steht noch aus, Jensen fand — indirekt
durch Fr. Busch bestätigt — z. Z. starker allgemeiner Trübung eine Umkehr
der vorhin genannten Beziehung, Es lag nahe, sie in Zusammenhang zu bringen
mit dem von Dorno für die nämliche Zeit gewonnenen Ergebnis, wonach sowohl
beim Sonnen- wie auch beim Himmelslicht die grünen. Strahlen durch die Störung
mehr an Intensität einbüßten wie die roten, so gedacht, daß dieser Unterschied
gegenüber dem normalen Verhalten am größten für das Himmelslicht war. —
Die darin. bestehende scheinbare Unstimmigkeit, daß A. Wegener im Frühjahr
1913 in Grönland zwischen den visuell beobachteten und den photographisch
Äxierten A-Abständen einen. Unterschied. im Sinne des von Jensen für normale
Zeiten gefundenen. Verhaltens fand, obgleich die Kurven an sich sowie die
Dämmerungsphänomene noch. für das Vorhandensein einer stärkeren Trübung zu
sprechen. schienen, bedarf der Aufklärung; ebenso müssen die Beziehungen zu
den. Jahreszeiten. noch. weitgehendst verfolgt werden.
Auch die F-Größe zeigt eine Abhängigkeit vom Spektralbezirk, in dem
vyemessen. wird. Sieht man von verschiedenen noch aufzuklärenden Unstimmieg-