364 Änuvalen: der Hydrographie und. Maritioien. Meteorologie, August 1936,
Ist also eine Wellenlänge doppelt so klein wie die andere, so wird sie im idealen
trüben Medium 2-2-2-2, d.h. 16mal so stark zerstreut, Man erkennt hieraus
das Übergewicht der kurzen. A (Blau) im Himmynelslicht und findet hier den
Schlüssel zum Verständnis der innigen Verknüpfung der Phänomene der blauen
Himmelsfarbe mit der Polarisationsgröße. Bei unreinem Himmel legen. die Verhältnisse
wegen Vorhandenseins größerer Partikelchen anders, indem. einmal die
Farbe mehr und mehr zum Weiß rückt und zum andern das P. sich verringert,
Lineare Polarisation herrscht allerdings auch bei reinstem Himmel selbst nicht im
Punkt maximaler Polarisation und kann nicht herrschen, weil man es hier nicht,
wie bei den. Tyndallschen Experimenten — von denen die Rayleighschen Berechnungen
ihren Ausgang nahmen —, mit einer einzigen Lichtquelle, sondern —
ganz abgesehen vom Reflex: des Erdbodens — außer der Sonne mit der Beleuchtung
des beobachteten Punktes durch den ganzen übrigen Himmel zu tun hat,
Unter gewissen yereinfachenden. Annahmen, über die Gestalt der Atmosphäre
und die räumliche Verteilung der sie zusammensetfzenden Gasmolekeln zeigte Soret,
daß durch die durch die Zustrahlung des Himmels bedingte sekundäre Diffusion,
vor allem die negative Polarisation in der Nähe der Sonne und Gegensonne
und durch. diese — wegen der an einer Stelle notwendigen Kompensation: —— die
Existenz der neutralen. Punkte zu erklären. ist. Sorets Theorie wurde durch
Hurion wieder aufgenommen und weitergeführt durch Aufstellung von Gleichungen
für beliebig gerichtete Strahlen, so daß er nicht nur einen Schluß auf
lie Existenz, sondern. auch auf die Lage der neutralen Punkte um Sonnenaufbzw.
-untergang ziehen konnte, Die sich bei seiner Rechnung ergebenden Interpolationsformeln
zeigten bei experimenteller Nachprüfung an. künstlichen trüben
Medien. eine ausgezeichnete Übereinstimmung mit den Beobachtungen, Auf der
Grundlage des Rayleighschen Diffusionsgeseftzes haufe dann im Jahre 1915 Allzrimm
die Soret-Hurionsche Theorie weiter aus, indem er Formeln zur Berechnung
des Polarisationszustandes für beliebige Richtungen und beliebigen Sonnenstand
aufstellte, allerdings mit der Einschränkung, daß die berechneten Werte zunächst
nur den durch C)und Himmel in den untersten Luftschichten hervorgerufenen
Polarisationszustand ausdrücken, leider auch mit Vernachlässigung mehrfacher
Diffusion und der Extinktion. Obwohl mwun nach den Ergebnissen Dornos anzunehmen
ist, daß genannte Einschränkungen die Resultate ungünstig beeinflussen
müssen, gelangte Ahlgrimm doch zu Ergebnissen, die großenteils eine erstaunlich
gute qualitative Übereinstimmung mit den Beobachtungen zeigen, So fand er ebenso
wie Jensen für den Zenitpunkt bis zu 0° C©-Höhe eine nahezu lineare Abhängigkeit
des P von der ©-Höhe und so ergab die natürlich für eine vollkommen ebene
Wasserfläche geltende Rechnung nicht nur die Richtigkeit der auf die Reflexion
des Himmelslichtes am Wasser zurückzuführende, von Jensen gefundene Verbindungslinie
von Umkehrzonen (Unterbrechungsstellen zwischen dunklen und
hellen Mittelstreifen der Fransen des Savartschen Polariskops 5), sondern außerdem
eine neue, aus leicht ersichtlichen Gründen bis dahin noch nicht beobachtete
Kurve, deren tatsächliche Existenz Später von Ahllgrimm festgestellt werden
konnte, Auch der von ihm errechnete Verlauf der Isopolaren (Linien gleichen. Ps)
und die aus der Theorie berechnete Lage der P-Ehbene der verschiedenen. Himmelspunkte
ist nach Dornos Prüfung qualitativ in guter Übereinstimmung mit den
Davoser Messungen, Anderseits. wies Dorno allerdings auf. gewisse Unstimmigkeiten
hin, die trotz scheinbar Irappierender Übereinstimmung zwischen der
ron Ahlgrimm berechneten und von R. Mentzel in Bremen beobachteten „Buchschen
Lemniskate“ (d.h, der zwischen dem A- und Ba-Punkt Hnks und rechts
vom (C)-Vertikal liegenden Kurve, deren P-Ebene um 45 bzw. 135° gegen den
Vertikal geneigt ist} vorhanden sind und nach ihm %, T, ihren. Grund in der
Nichtberücksichtigung der für die Lichtverteilung wesentlichen Schichtung der
Atmosphäre haben, — M, Schirmann (Met, Zs. 1920) versuchte, auf Grund ihrer
theoretischen Untersuchungen. und. früherer experimenteller Arbeiten über trübe
Medien die Unrichtigkeit der Soref-Hurionschen Theorie zu erweisen, indem sie
darauf hinwies, daß nach ihren Ergebnissen primäre Diffusion allein bei gewissen
8. I. Plaßmann, d. Za. 1912. 4784,41