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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 51 (1923)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1923 
Tiefseelotungen mittelst Echolot. 
Von Dr. Gerhard Schott - Hamburg, Seewarte. 
Vor einigen Monaten erregte die graphische Darstellung von nahezu 200 
Tiefseelotungen, ausgeführt an Bord des U. S. S. „Stewart“ mittelst Echolotes quer 
über den Nordatlantischen Ozean zwischen Newport R. I. und Gibraltar in allen 
Fachkreisen berechtigtes Aufsehen. Die Darstellung befindet sich auf der Rück- 
seite der vom Hydrographic Office in Washington herausgegebenen Pilot Chart 
of the Central American waters, Januar 1923 (Nr. 3500) und muß als das äußere 
Zeichen für eine geradezu umwälzende Tat in der ozeanischen Tiefenmessung 
gewertet werden. Was nach den ersten Veröffentlichungen und praktischen Er- 
probungen des Echolot-Prinzipes für navigatorische Zwecke!) nahelag zu wünschen 
und vorauszusagen?), nämlich seine Anwendung auf alle Tiefen, also auch auf 
solche von mehreren 1000 m, war hier durch das amerikanische Schiff „Stewart“ 
offenbar geschafft, 
Da seit dem Februar d. J. noch einiges weitere Material in dieser Richtung 
verfügbar geworden ist, dürfte es an der Zeit sein, kurz über die augenblick- 
liche Sachlage zu berichten, wobei wir ausdrücklich von allen im Interesse der 
Navigation ausgeführten Echolotmessungen auf „Gründen“ und sonstigen flachen 
Gewässern absehen und nur das Problem der ozeanischen Tiefseelotung in das 
Auge fassen, das ja auch, ganz abgesehen von sehr wichtigen wissenschaftlichen 
Gesichtspunkten, praktische Bedeutung genug besitzt, z. B. für Kabelleger. 
Der „Stewart“ hat vom 20, bis 29. Juni 1922 den Ozean von Nantucket 
nach Gibraltar durchquert und dabei im ganzen rund 900 Lotungen ausgeführt 
zwischen Tiefen von 15 m und 6000 m, eigentliche Tiefseelotungen darunter etwa 
200; auf den Tag kommen ungefähr 100 Echolotungen, im Zeitabstand durch- 
schnittlich von 1 Stunde. (Extrem: jede Minute.) Das Schiff fuhr mit 15 Sm 
Geschwindigkeit, ausnahmsweise auch bis 23 Sm, als es nur Tiefen von 1600 m 
bis 150 m unter sich hatte, wobei anstandslos jede Minute gelotet wurde®), 
„Stewart“ hat dann am 3. Juli 1922 seine Reise ostwärts fortgesetzt über 
Algier und Malta nach Port Said; die hierbei gewonnenen weiteren Ergebnisse 
der in Abständen von nur 15 Zeitminuten ausgeführten Echolotungen sind auf 
drei großen Blättern‘) verzeichnet, die der Seewarte durch das Entgegenkommen 
des amerikanischen Hydrographischen Amtes ebenfalls übersandt wurden, wofür 
auch an dieser Stelle gedankt sein möge. Die Darstellung ist dieselbe wie für 
die atlantische Strecke: am Unterrand der Karte ist ein Bodenprofil mit den 
Lotzahlen in Faden entworfen; die. in der Karte selbst eingetragene Kurslinie 
gestattet, mit ausreichender Genauigkeit die Position der Lotung festzulegen. 
. Schon der erste Blick lehrt, daß die Echolot-Methode „marschiert“. Alle 
wesentlichen, durch die bisherigen Drahtlotungen bekannten Eigenschaften der 
atlantischen und mittelmeerischen Bodengestaltung kommen gut heraus; vom 
amerikanischen Schelf geht es steil hinab in die westatlantische Mulde mit 
Tiefen von 4000 bis 5000 m, zwischen 58° W und 48° W halten sich die Tiefen- 
zahlen (auf rund 839° 30’ bis 39° 45’ N-Br.) in überraschender Gleichförmigkeit 
500 Sm weit zwischen 5000 und 5200 m, das unruhige Gebiet der Azoren und 
die nadelförmig aufsteigenden Erhebungen der Josephinen-Bank und Gettysburg- 
Bank in der ostatlantischen Mulde zeigen sich. Im Mittelmeer findet sich von 
1) A. Behm, Das Echolot, Ann. d. Hydr., 1921, S.241ff. Derselbe, Über die Weiter- 
entwicklung des Behm-Lotes und das Prinzip des Kurzzeitmessers; ebenda, 1922 S. 289ff, E. Schreiber, 
Über einige Versuchsergebnisse mit dem Anschütz-Echolot, ebenda, 1922 8. 46ff. 
2) W. Brennecke, Ausblicke auf die Verwendung des Echolotes, Ann. d. Hydr. 1921. S, 363. 
Derselbe in Naturwissenschaften, 1923, Heft Nr. 9, S. 149ff. H. Maurer, Das Echolot. Marine- 
rundschau 1922, S, 348 ff. 
3) Der Begleittext auf der „Pilot Chart“ ist äußerst knapp. Einige weitere Angaben siehe in 
„The Hydrographic Review“, Vol. I, Nr. 1. Monaco 1923, $. 71. Auch erhielt die Deutsche See- 
warte vom Hydrographischen Amt in Washington noch briefliche, dankenswerte Aufschlüsse, 
4) Graphic representation of soundings taken by U. S. 8. „Stewart“ with sonic depth finder, 
Juli 1922. Mediterranean sea. Sheet 1—3.
	        
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