accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 64, 1936

318 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1936, 
daß innerhalb des Niederschlagsgebiets. der Vb-Depressionen. die Warmluft vor- 
handen und an der Niederschlagsbildung wesentlich beteiligt ist, Besonders 
eindrucksvoll ist in. diesem Beispiel auch die scharfe Ausprägung der Grenz. 
fläche, indem die äquipotentielle Temperatur von 1700 bis 2100 m sprunghaft 
um 12° zunimmt und die spezifische Feuchte gleichzeitig von 2.4 auf 4.1 g pro kg 
wächst, Um so erstaunlicher ist aber die Tatsache, daß die geschlossene 
niederschlagerzeugende Wolkenschicht ausgerechnet unterhalb der 
Grenzfläche, also innerhalb der Kaltluft, beginnt und die Grenzfläche 
Selber vollkommen durchsetzt.” Ich glaube nicht, daß es angängig ist, die inner- 
halb der Kaltluft vorhandene geschlossene Wolkenschicht einfach als Folge der 
aus der Warmluft herabfallenden Kondensastionsprodukte zu deuten, denn es 
wird damit doch nicht erklärt, warum auch die Kaltluftwolke schon völlig ge- 
schlossen. ist, Hier können wohl allein die persönlichen Erlebnisse der Wetter- 
flieger nähere Auskunft geben, und wenn z. B. im Klartext zum Berliner Aufstieg 
vom 18, April 1936, 17 Uhr1), der im kalten Sektor des gleichen Tiefs stattfand 
und bei dem der Verlauf der äquipotentiellen. Temperatur ganz ähnlich dem 
hier reproduzierten Kölner Aufstieg war, ausdrücklich: erwähnt wird, daß bis 
1700 m Höhe, das ist die Obergrenze der Kaltluft — starker Schneefall, 
darüber — also gerade innerhalb der Warmluft —, nur leichter Schneefall 
beobachtet wurde, so spricht dies sehr dafür, daß auch die Kaltluft an der 
Niederschlagsbildung sicher einen sehr großen Anteil hat, Und es ist 
wohl auch kein Zufall, daß gerade Raethjen?) auf Grund seiner langjährigen 
persönlichen Erlebnisse bei den Wetterflügen zur Aufstellung einer Aufgleit- 
theorie kam, die gerade der an der Frontfläche entstehenden Mischluft eine 
wesentliche Bedeutung bei der Niederschlagsbildung beimiBt. 
Dies steht auf jeden Fall fest: Es besteht eine ganz ausgesprochene 
Vorliebe zur Bildung geschlossener Wolkenmassen gerade im Über- 
gangsgebiet zwischen Kalt- und Warmluft, Dafür bildet der in unserer 
Figur an zweiter Stelle abgebildete Aufstieg von Hamburg am 18. April 1936, — 
der ebenfalls innerhalb des gleichen Starkregengebiets wie der Kölner Wetterflug 
stattfand, ein beredtes Beispiel: Etwas unterhalb der Übergangszone beginnt 
die geschlossene. Wolkenmasse und reicht durch die gesamte „Mischluft- 
schicht“ hindurch, 
Wir sehen: Auch v, Elsner hat Recht, wenn er der Konvergenz 
innerhalb der Kaltluft eine wesentliche Rolle bei der Niederschlags- 
bildung der Vb-Depressionen zuschreibt, und es ist zu beachten, daß bei 
dem westdentschen Unwetter vom 17, April jene von v. Elsner geforderte starke 
Zusammendrängung der Isobaren innerhalb des Niederschlagsgebiets be- 
sonders deutlich ausgeprägt war. 
Es scheint mir, daß diese Zusammendrängung der Isobaren aber kein 
primärer Effekt sein kann, sondern nur die Folge eines hochsaugenden 
Prozesses innerhalb des Niederschlagsgebiets, der durch. die an der Frontal- 
zone entstehende Dirergenz der Höhenströmung veranlaßt wird und dann 
Kalt- und Warmluft gemeinsam zum Aufsteigen zwingt. Gerade an der 
Luftmassengrenze muß diese Höhendivergenz ihre stärkste Ausprägung erhalten, 
und es ist dann verständlich, daB die Wolkenbildung gerade unterhalb der 
Warmluft, innerhalb der Übergangslußt, am stärksten ist. 
Daß eine solche Grenzfläche aber keine notwendige Bedingung für die 
Entstehung mächtiger geschlossener Wolkenmassen darstellt, geht aus dem in 
der Figur an unterster Stelle abgebildeten Verlauf der äquipotentiellen Tem- 
peratur am 20. April nachmittags über Norderney hervor. In diesem Fall nahte 
von England her ein. Teiltief, und der begleitende Vorstoß wärmerer Luft ver- 
wandelte innerhalb von wenigen Stunden das vorangegangene Schauerwetter 
an der Deutschen Bucht in Landregen, Norderney wurde von diesem Regen- 
gebiet gerade noch gestreift, die Niederschlagsmenge war dort nur ganz gering, 
7 Vgl. die Angaben im „Täglichen Wetterbericht des Deutschen Reichsweiterdienstes“, heraus- 
ARD d, D. Seewarte, vom 19, April, 1. Seite der Beilage, — 2) P, Racthjen, Die Aufgleitfront, 
r Gleichgewicht und. ihre Umlagerung. Meteorol. Zeitschr. 1934, 8. 21%.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.