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Full text: 64, 1936

Forstinger, Rz Die Eisverhältnisse der Südpolargebiete, 
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packungen vor, wie sie als Packeis aus der Arktis bekannt sind, wo ja das Eis 
zwischen Landmassen eingeschlossen ist. 
Infolge der Bauart des Südpolargebietes ist kein Teil durch besonders 
weites Vordringen und durch große Anhäufung von Treibeis ausgezeichnet, wie 
auf der Nordhalbkugel, z. B. Neufundland, Eine Ausnahme bildet höchstens der 
Dirk Gerritsz-Archipel, wo das Eis auf der atlantischen Seite stärker vorzustoßen 
pflegt als auf der pazifischen, Da die Wasser- und Luftbewegungen nicht in 
meridionaler Richtung, sondern. in breitenparalleler, ihren Verlauf nehmen, so 
werden die Eismassen ringsherum kreisförmig ausgesandt, ohne aber auch über 
eine gewisse gleichmäßige Grenze hinauszutreiben, 
a) Eisberge, 
Die Eisberge haben alle Eigenschaften des Inlandeises und des Schelfeises, 
da sie ja von beiden herkommen. In gleichmäßiger Bewegung wird das Eis 
dem Meere zugeführt, wo die einzelnen Stücke abbrechen. Infolge der einförmigen 
Landformen haben die Eisberge eine regelmäßige Gestalt, die Tafel. oder Kasten- 
form, wodurch sie sich scharf von den Gebilden im nördlichen. Eismeer unter- 
scheiden. Eine besondere Art bilden die Blaueisberge, die jedoch; genau wie 
das Mürbeis und der durch beide gebildete Mischtypus, zum Schelfeis zählen. 
Sie werden durch Untiefen an einem Platz festgehalten und von den Winden in 
jahrelanger Umbildung geglättet und abgeschliffen. Hierdurch werden auch die 
freigelegten. unteren, ursprünglich lockeren Eislagen verfestigt, die dann blau 
erscheinen, 
Die Länge der Eisberge ist bis 1 km und mehr. Jedoch werden auch 
häufig solche von 10 oder 15 km Länge angetroffen. Die Höhe der Berge ist 
gering, denn als Mittelwert gelten 35 m. Doch da sich das Fünf- bis Sechsfache 
noch unter der Wasseroberfläche befindet, so sind es ganz bedeutende Dimen- 
sionen, die solch ein Eisberg hat, Der größte Eisberg in der Nähe der Gauß- 
Station, ein Blaueisberg, war 25 km lang und maß 500 qkm. Aber auch unter 
44° S-Br. wurde noch ein 111 km langer und 500 qkm großer Eisberg angetroffen, 
was aber eine Ausnahme ist, Eisberge von 500 qm dagegen sind am Kap Horn, 
wo sie vom Juni ab erscheinen und wohin sie der kalte Falklandstrom führt, 
keine Seltenheit. Östlich von den Falkland-Inseln wurden noch Berge von 
200 akm gesichtet. | 
Bis ein neuer Eisberg von derselben Stelle abbricht, vergeht in der Ant- 
arktis eine weit größere Zeitspanne als in Grönland, wo z, B, der Große Karajak 
nur 12 bis 14 Tage braucht, um den nächsten Berg zu entsenden, was an der 
größeren Geschwindigkeit der Eismassen und an dem geringeren Ausmaß der 
Eisberge liegt, Dagegen ist die Lebensdauer der antarktischen Eisberge größer 
als die der grönländischen, die nicht alt werden, während bei den Eisbergen 
der Antarktis mehrere Jahre nicht selten sind. 
b) Meereis, 
Das Meereis entsteht durch direktes Gefrieren des Seewassers bei —1.9° C. 
Unter allmählicher Ausscheidung des Salzes verdichtet sich das Wasser in kleine 
Kristallplättehen, die dann das Scholleneis von 1 bis 1,5 m. bilden. Das weitere 
Wachsen der Schollen erfolgt durch den sich anhäufenden Schnee, wodurch sie 
eine Dicke bis 20 m erreichen können. Der Durchschnitt jedoch ist 6.m. Das 
Gewicht des Schnees drückt die Scholle immer tiefer ins Wasser, so daß sie 
unten abgeschmolzen wird. Die Dicke ist je nach dem Alter der Felder, denen 
sie entstammen, verschieden. Wenn die Schollenr von jung aufgebrochenen 
Feldern stammen, sind sie eckig, runden sich aber immer mehr ab, je länger sie 
sich im Wasser bewegen. 
Der Meereisgürtel. ist am breitesten und lockersten vor den nordsüdlich 
gerichteten Küsten des Roß- und des Weddell-Meeres, am schmalsten und diechtesten 
vor den übrigen, ostwestlich verlaufenden Küsten des antarktischen Kontinents. 
Die Schollen reiben. sich während des Abtreibens nach Norden aneinander und 
durch Drehungen nehmen sie größtenteils eine rundliche Form an. Zugleich 
werden sie an den Rändern aufgewulstet, wodurch die für das Südpolarmeer
	        
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