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Full text: 64, 1936

300 Annalen der Hydrographie ud Maritinen Meteorologie, Juli 1936, 
stück. zu. der auf der anderen Seite des Kontinent befindlichen. Hier wie dort 
schneidet eine übereiste Meeresbucht tief ins Land hinein, so daß durch die 
Entdeckung der Weddell-Barriere ein wesentlicher Stützpunkt für die Markham- 
Nordenskiöldsche Sundtheorie geschaffen wurde. Es wurde die Ansicht, die 
sich nach Byrds letzten Forschungen auch bestätigt hat, vertreten, daß der 
Meeresarm, der sich unter der Großen Eismauer bis zum 85° S-Br. in die Ant- 
äarktis einbohrt, ax den Abhängen des Südpolplateaus, die ihn nach Osten ab- 
drängen, vorbeiführt, unter der Filchner-Barriere entlangströmt. und im Weddell- 
Meere mündet. 
b) Volleis, 
Das Völleis besteht in seiner Hauptmasse aus gestrandeten oder schwimmenden 
Blaueisbergen, die durch Schne@ miteinander verkittet sind, Daß es sich nicht 
um. eine einheitliche Masse handelt, zeigen die Gräben, an denen Teile der Ober- 
fMäche zur Tiefe gesunken sind, Während die Spalten des Inlandeises Aus- 
‚ösungen öOberflächlicher Spannungen sind, wo zusammengehörige Teile ausein- 
anderklaffen, sind die Gräben des Volleises vertikale Verwerfungen, Diese Täler 
zeigen, daß die aneinandergefügten Stücke des Volleises Blaueisberge waren, 
denn die Schnitte weisen typische Formen dieser Eisart auf. Das Volleis senkt 
sich allmählich zum Meereis hinab und geht fast unmerklich in dieses über. 
Da sich beide Eisarten bei Ebbe und. Flut gleichmäßig nebeneinander auf und 
ab bewegen, so liegt hierin der Beweis, daß auch das Volleis schwimmt, Sein 
Außenrand im Meer ist eine 20 bis 80 m hohe Steilmauer mit vorspringenden 
Ecken und dazwischenliegenden Buchten, 
Das Volleis, das nördlich. vom Gaußberg auch Westeis genannt wird, wurde 
1902 von der deutschen Südpolarexpedition unter Erich von Drygalski in der 
Ost-Antarktis entdeckt. Seine Oberfläche im Norden des Gaußberges ist von 
der im Süden verschieden, Während Drygalski in dem nördlichen Teile des 
Volleises eine dicht gedrängte und dann völlig zermürbte Gruppe von Blaueis- 
bergen erblickt, schildert Philippi seinen südlichen Teil als eine Scharung glatter 
Blaueisrücken, Im Norden. bestehen die dicht gedrängten Blaueisberge nur noch 
der Form nach, und die Oberfläche ist fußtief zersetzt. Das Volleis im Süden 
dagegen hat runde Kuppen, Senken und Steilmauern, also den gleichen Charakter 
wie das Blaueis, Das Volleis ist somit eine im Entstehen oder auf dem Wege 
der Auflösung begriffene Schelfeismasse. 
Es ist möglich, daß das Volleis ein Inlandeisrest ist, der früher am Boden 
strömte und erst, als nach der Eiszeit die Mächtigkeit abnahm, allmählich den 
Boden verlor und zu schwimmen begann. Bei schwindender Mächtigkeit zer- 
brach dieser Rest in Eisberge, doch löste er sich nicht auf, weil die Berge durch 
Untiefen zusammengehalten werden, Da das Volleis aber vom aufliegenden 
Inlandeis abgelöst ist und schwimmt, ist es eine fiote, nicht mehr strömende 
Masse, die höchstens vom. nachdringenden Inlandeis geschoben wird, 
IV. Das Treibeis, 
Das Treibeis ist ein wechselndes Gemenge von Schollen und Bergen, deren 
Verbreitungsgebiete die subantarktischen Meere sind. Anfangs ist dieses Gemenge 
nur von Waken und Rinnen durchzogen, um sich weiter nördlich immer mehr 
aufzulösen. Man. trifft überall Berge und Schollen, doch nimmt die Zahl der 
ersteren nach Norden zu relativ ab, außer es erscheinen einmal gerade Schwärme 
ron. Eisbergen, Der äußere Gang des geschlossenen Treibeises liegt etwa um 
den. 65° S-Br. Die Ausdehnung nach Norden hängt für die Schollen wesentlich 
von den Winden ab, während die Eisberge von den Meeresströmungen mit- 
geführt werden, 
Das Treibeis kann sich nach allen Richtungen hin verbreiten, was daran 
legt, daß die Antarktis einen Landkern hat, der nach allen Seiten Eisberge 
abstößt, die sich den im Meere gebildeten Schollen beimengen, Hierdurch ist 
Jas antarktische von dem arktischen Treibeis verschieden, bei dem die Berge 
aur regional auftreten, Dadurch, daß das antarktische Treibeis überallhin ent- 
weichen kann, kommen im hohen Süden nur selten Eispressungen und Schollen-
	        
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