Forstinger, Rı: Die Eisverhältnisse der Südpolargebiete. 297
Eis der Südpolargebiete nach seinen verschiedenen Eigenschaften, so ergibt
sich nach Drygalski folgende Übersicht (s. Tabelle 8).
Aus dieser Übersicht ergibt sich deutlich ein Zusammenhang aller ant-
arktischen Eisbildungen, Besonders das Schelfeis tritt als Übergangsform hervor,
indem es sich teils dem Inlandeis und teils dem Treibeis angliedert, ohne jedoch
yanz zu der einen oder anderen Art
zu gehören. Alle drei Arten bestehen
aus Schnee-Eis, das Inlandeis vollständig
und. das Schelfeis überwiegend. Auch
das Treibeis besteht zum größten Teil
aus Schnee-Eis, was bei den Eisbergen
ja natürlich ist, und bei den Schollen
von der wachsenden Schneebelastung
herrührt, .
Die beiden Polargebiete sind jedoch
in der Entwicklung der Polarnatur durch
die Herrschaft des Eises verschieden,
da in der Arktis das Meer und in der
Antarktis das Land überwiegt, Das
Wasser kann die Sommerwärme länger
festhalten als das Land, wodurch die Er-
zaltung der Luft herabgemindert wird.
Auch dringen in das Nordpolargebiet warme Meeresströmungen ein, die ebenfalls
mildernd wirken. Grönland, Spitzbergen und andere arktische Länder tragen
Ireilich zur Steigerung der Vereisung des hohen Nordens bei, treten aber ihren
geringen Umfanges wegen hinter den mildernden Einflüssen des Meeres zurück.
Die Folge ist eine geringere Masse und ein größeres Schwanken der arktischen
Eisbestände gegenüber den antarktischen, Daher hat auch nur das Südpolar-
gebiet die volle Eisherrschaft und Polarnatur, denn sein Kernbereich steht unter
der Herrschaft des Eises, während die Arktis im Zeichen des Kampfes zwischen
Eis und Meer steht,
Will man. die drei angeführten äntarktischen Eisarten noch untereinander
zerlegen, so ergeben sich in der Hauptsache je zwei weitere Formen. Es sind
dies beim Inlandeis die Schneewehen und das Gletschereis, beim Schelfeis die
Eismauern und das Volleis und beim Treibeis die Eisberge und das Meereis,
glaziale Bestandteile der Antarktis und der subantarktischen Meere, die im
folgenden einzeln behandelt werden,
N. Das Inlandeis.
Das Inlandeis ist Schnee-Eis, da es durch die festen Niederschläge entsteht,
die häufig niedergehen und durch die es auch seine Schichtung erhält. Der
Schnee, der. hier fällt, ist trockener Pulverschnee, und nur selten einmal taut es
an der Öberfläche.
Durch. das Strömen. des Inlandeises, das sehr langsam vor sich geht, ent-
stehen Spalten, Bänderungen und Moränen. Diese langsame Bewegung veranlaßt
jedoch, daß die Spalten. breit und die Bänderungen dicht werden, während die
Moränen klein bleiben. Die Bewegung des Inlandeises ist von den Formen des
Untergrundes abhängig. Nach den Spalten zu schließen, ist die Bewegung an
den Seiten von Hügeln langsamer als in. den dazwischenliegenden Mulden. Das
Inlandeis gleicht nicht einem Strom wie der Gletscher, sondern eher einem Meer,
in dem sich durch die wechselnde Dicke des Eises Bewegungen bilden: im Meer
durch die Winde und im Inlandeis durch die Verteilung des Schnees,
Die Ernährung des Inlandeises ist keine gleichmäßige. Die End- und Rand-
gebiete erhalten durch die zyklonalen Winde, die vom Meere herkommen, mehr
Niederschläge als die hohen Berge der inneren Teile, Die Ernährung durch
Schnee erfolgt bis zum Meeresspiegel herab, sowohl bei den größten Höhen des
Inlandeises, wie in seinen Randgebieten, Von allen Hochflächen und Randzonen
ist festgestellt worden, daß sie weithin unter Schnee liegen, Jedoch werden die
Ann. d, Hydı, usw. 1936, Heft VI 3