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Full text: 64, 1936

Forstinger, Rı: Die Eisverhältnisse der Südpolargebiete. 297 
Eis der Südpolargebiete nach seinen verschiedenen Eigenschaften, so ergibt 
sich nach Drygalski folgende Übersicht (s. Tabelle 8). 
Aus dieser Übersicht ergibt sich deutlich ein Zusammenhang aller ant- 
arktischen Eisbildungen, Besonders das Schelfeis tritt als Übergangsform hervor, 
indem es sich teils dem Inlandeis und teils dem Treibeis angliedert, ohne jedoch 
yanz zu der einen oder anderen Art 
zu gehören. Alle drei Arten bestehen 
aus Schnee-Eis, das Inlandeis vollständig 
und. das Schelfeis überwiegend. Auch 
das Treibeis besteht zum größten Teil 
aus Schnee-Eis, was bei den Eisbergen 
ja natürlich ist, und bei den Schollen 
von der wachsenden Schneebelastung 
herrührt, . 
Die beiden Polargebiete sind jedoch 
in der Entwicklung der Polarnatur durch 
die Herrschaft des Eises verschieden, 
da in der Arktis das Meer und in der 
Antarktis das Land überwiegt, Das 
Wasser kann die Sommerwärme länger 
festhalten als das Land, wodurch die Er- 
zaltung der Luft herabgemindert wird. 
Auch dringen in das Nordpolargebiet warme Meeresströmungen ein, die ebenfalls 
mildernd wirken. Grönland, Spitzbergen und andere arktische Länder tragen 
Ireilich zur Steigerung der Vereisung des hohen Nordens bei, treten aber ihren 
geringen Umfanges wegen hinter den mildernden Einflüssen des Meeres zurück. 
Die Folge ist eine geringere Masse und ein größeres Schwanken der arktischen 
Eisbestände gegenüber den antarktischen, Daher hat auch nur das Südpolar- 
gebiet die volle Eisherrschaft und Polarnatur, denn sein Kernbereich steht unter 
der Herrschaft des Eises, während die Arktis im Zeichen des Kampfes zwischen 
Eis und Meer steht, 
Will man. die drei angeführten äntarktischen Eisarten noch untereinander 
zerlegen, so ergeben sich in der Hauptsache je zwei weitere Formen. Es sind 
dies beim Inlandeis die Schneewehen und das Gletschereis, beim Schelfeis die 
Eismauern und das Volleis und beim Treibeis die Eisberge und das Meereis, 
glaziale Bestandteile der Antarktis und der subantarktischen Meere, die im 
folgenden einzeln behandelt werden, 
N. Das Inlandeis. 
Das Inlandeis ist Schnee-Eis, da es durch die festen Niederschläge entsteht, 
die häufig niedergehen und durch die es auch seine Schichtung erhält. Der 
Schnee, der. hier fällt, ist trockener Pulverschnee, und nur selten einmal taut es 
an der Öberfläche. 
Durch. das Strömen. des Inlandeises, das sehr langsam vor sich geht, ent- 
stehen Spalten, Bänderungen und Moränen. Diese langsame Bewegung veranlaßt 
jedoch, daß die Spalten. breit und die Bänderungen dicht werden, während die 
Moränen klein bleiben. Die Bewegung des Inlandeises ist von den Formen des 
Untergrundes abhängig. Nach den Spalten zu schließen, ist die Bewegung an 
den Seiten von Hügeln langsamer als in. den dazwischenliegenden Mulden. Das 
Inlandeis gleicht nicht einem Strom wie der Gletscher, sondern eher einem Meer, 
in dem sich durch die wechselnde Dicke des Eises Bewegungen bilden: im Meer 
durch die Winde und im Inlandeis durch die Verteilung des Schnees, 
Die Ernährung des Inlandeises ist keine gleichmäßige. Die End- und Rand- 
gebiete erhalten durch die zyklonalen Winde, die vom Meere herkommen, mehr 
Niederschläge als die hohen Berge der inneren Teile, Die Ernährung durch 
Schnee erfolgt bis zum Meeresspiegel herab, sowohl bei den größten Höhen des 
Inlandeises, wie in seinen Randgebieten, Von allen Hochflächen und Randzonen 
ist festgestellt worden, daß sie weithin unter Schnee liegen, Jedoch werden die 
Ann. d, Hydı, usw. 1936, Heft VI 3
	        
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