596 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1936.
Ihm gelang es auch, den direkten Beweis zu führen, daß trotz klarer Tage und
antizyklonaler Luftstagnation die Luftwärme sich im Winter in dem Maße hebt,
ale sich der Schneefall mindert, Daher ist der Haupteinfluß, den die Schnee-
und Eismassen der Polargebiete ausüben, die Verminderung der Sommerwärme.
Die nur unter schrägem Winkel auf die Schnee- oder Eisfläche auffallenden
Sonnenstrahlen. kommen mit ihrem Wärmevorrat weder dem Boden noch der
Luft zugute, denn sie müssen die mechanische Arbeit des Schmelzens leisten,
Schon die bloße Verdunstung an einer solchen Oberfläche erfordert einen nicht
unerheblichen Wärmeverbrauch, Außerdem kühlt sie sich auch zur Nachtzeit
noch ab, wodurch die benachbarten Luftschichten eine Herabminderung ihrer
Temperatur erfahren. Durch diese Vorkommnisse wird der Sommer in den hohen
Breiten so kalt, kälter, als es durch das solare und selbst durch das köntinentale
Klima an sich geboten wäre.
Die Schneegrenze, die ja in erster Linie von den Niederschlägen im Winter
und von der Wärme im Sommer abhängig ist, reicht in der Antarktis bis zum
Meeresspiegel herab, während sie auf den subantarktischen Inseln höher liegt:
z.B. auf Süd-Georgien. bei etwa 550 m. Die Grenze des ewigen Schnees befindet
sich da, wo in normaler Lage die Schneedecke im Sommer gerade nicht mehr
zum Abschmelzen gebracht werden kann.
Obwohl die Polargebiete gewitterarm sind, erfolgt doch mehr Niederschlag
in fester Form als die Sonne durch Abschmelzung beseitigen kann. In Gegenden,
wo der Winterschneefall geringer ist, wird der Schnee durch die warme Sommer-
Juft bald weggetaut, und eine zwar kurzlebige, aber individuenreiche Vegetation
kann sich entwickeln, Dagegen. triftt man. an den Küsten der Antarktis und
Grönlands, wo die verschlechternde Einwirkung schmelzender Schnee- und Eis-
massen sehr deutlich bervortritt, nur die klimatisch dauerhaften Krypiogamen,
Der Einfluß des Schnees von dem des Eises ist jedoch verschieden. KErsterer
ist seiner vielen lufterfüllten Zwischenräume halber ein noch schlechterer Wärme-
Jeiter als das festgefrorene Wasser, Diese Eigenschaft bildet für den von ihm
bedeckten Boden einen guten Schutz, der um so erfolgreicher ist, je mehr die
Lufttemperatur unter den erkältenden Einflüssen der Schneedecke zu leiden hat,
Außerdem hat sie eine rauhe, verschieden gestaltete Oberfläche, was der nächt-
lichen Ausstrahlung zustatten kommt.
Die Wirksamkeit der glazialen Bedeckung, die je nach der Lage der Schnee-
grenze verschieden ist, dient dem polaren Klima zum Umgestalten des Land-
schaftsbildes. Wir wissen durch die Fossilien, daß in mesozoischer Zeit, wahr-
scheinlich im frühen Tertiär, in der Antarktis ein anderes Klima und eine durch
dieses bedingte Vegetation geherrscht haben. Durch Hebung des Erdteils und
durch Polverschiebungen trat dann eine derartige Klimaveränderung ein, so daß
es sich heute bei der Antarktis um einen eisbedeckten Kontinent handelt,
X. Die antarktischen. Kisarten.
Das Eis der Südpolargebiete besteht aus drei Arten, dem Inlandeis und dem
Sechelfeis der Antarktis und dem Treibeis der subantarktischen Meere, Das
Inlandeis bedeckt das Land und liegt auf festem Gestein, das Schelfeis dagegen
schwimmt zum größten Teil und gehört zum flachen. Meer, während das Treibeis
ganz schwimmt und der Tiefsee angehört, Das Inlandeis hat eine strömende
Bewegung, die auf inneren Vorgängen beruht und in Verschiebung seiner Teile
gegeneinander und. gegen den Boden besteht, das Schelfeis wird durch äußere
Kräfte, wie Gezeiten und Winde, geschoben, und das Treibeis wird durch alle
Bewegungen des Meeres hin und her getrieben.
Die Entstehung dieser drei Eisarten und ihre Verbreitung ist im wesentlichen
von. dem antarktischen Kontinent abhängig, Nur ein köontinentales Land im
Polargebiet kann ein so gewaltiges Inlandeis bilden, wie es die Antarktis trägt,
Anderseits kann aber auch nur ein solches Inlandeis das polare Klima noch weiter
yerhärten, so daß es überall Schelfeismassen in die Flachsee vorschiebt, und
nur durch das Inlandeis und das Schelfeis zusammen können derartig breite
Treibeiszonen erzeugt werden wie im hohen Süden. Ordnet man das gesamte