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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 64 (1936)

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Annalen der Hydrographie und. Maritimen Meteorologie, Juli 1936, 
dunstungshöhe auf den Weltmeeren der Betrag von 93 em pro Jahr, Professor 
Wüst nimmt jedoch einen Fehler von 10 bis 15%, als möglich an; unsere obige 
Berechnung dürfte mit einer ähnlichen Unsicherheit behaftet sein, Die beiden 
unabhängig voneinander gefundenen Schlußwerte weichen um etwa 13%, von- 
einander ab; man wird demgemäß mit einer mittleren Verdunstungs- 
höhe des Weltmeeres im Betrage von etwa 100 cm pro Jahr rechnen 
können. 
Die halbjährige Luftzirkulation in Beziehung zu den Schwankungen 
der ozeanischen Zirkulation und des Eisvorkommens bei Island 
und Neufundland®. 
"Von F, Reuter, Herrenbreitungen, 
Die Schwankungen der atmosphärischen Zirkulation im Nordatlantischen 
Ozean sind von entsprechenden Schwankungen der ozeanischen Zirkulation 
begleitet, wie in vielfacher Hinsicht nachgewiesen worden ist (vgl, 1, 2—4, 5, 6)%. 
Sie finden einen Ausdruck in den Änderungen der Temperatur und Stärke des 
warmen Golfstromes und der beiden kalten Strömungen, des Labrador- und des 
Öst-Grönlandstromes, 
Meinardus hat den engen Zusammenhang zwischen. den Schwankungen der 
atmosphärischen Zirkulation und der Wärmeführung des Golfstromes, sowie der 
Stärke des Labradorstromes aufgedeckt (2, 7).. Schwankungen in der Intensität 
der Zirkulation sind nach Ablauf einiger Monate an dem veränderten Temperatur- 
gehalt des Wassers an der europäischen Küste zu merken. „Die lange Andauer 
gleichen Vorzeichens deutet darauf hin, daß Kräfte vorhanden sind, welche die 
einmal eingeleitete Verstärkung oder Abschwächung der atmosphärischen Zir- 
kulation zu erhalten suchen“ (2, S. 357). Diese bedeutende Erhaltungstendenz der 
Schwankungen hat Meinardus erklärt durch ein System sich selbst induzierender 
Kräfte (7, S, 102ff): „Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Geschwindigkeit des Golf- 
stromes, seine Wärmeführung und Öberflächentemperatur, die relative Tiefe der 
barometrischen Minima, die Stärke und Richtung der vorherrschenden Luft- 
strömungen über ihm wenigstens in der kalten Jahreszeit auf das engste mit- 
einander verknüpft sind, und zwar in der Weise, daß diese Elemente eine in 
sich geschlossene Kette von Ursachen und Wirkungen darstellen. Denn ein 
jedes dieser Elemente wird von dem von ihm genannten beeinflußt, und das 
erste ist von dem letzten abhängig, Wird nämlich aus irgendeinem Grunde die 
Geschwindigkeit des Golfstromes z. B., über das normale Maß vergrößert, so 
wird die Wärmezufuhr aus südlichen Breiten vermehrt, es wächst die Temperatur, 
A.h, es entsteht eine positive Temperaturabweichung von der normalen. Eine 
positive Temperaturabweichuhg hat eine Vertiefung des Isländischen Luftdruck- 
minimums und. wahrscheinlich auch eine Vertiefung der ganzen Luftdruckfurche, 
welche sich über das Nordmeer erstreckt, zur Folge, Einer abnormen Tiefe des 
Luftdruckes über dem Meer entspricht eine höhere Windgeschwindigkeit über 
dem Golfstrom, Eine Folge der stärkeren Luftbewegung ist eine Beschleunigung 
der Meeresströmung, zumal wenn die Richtung des Windes, wie es tatsächlich 
hier der Fall ist, mit der Richtung des! Golfstromes zusammenfällt, Eine Be- 
schleunigung der Wasserbewegung aus Süden und Südwesten entspricht aber 
wieder einer vermehrten Wärmezufuhr und so fort. Eine Folge der größeren 
Windgeschwindigkeit ist auch eine größere Geschwindigkeit des Labradorstromes, 
Denn da die nordwestlichen Winde, welche an der Küste Labradors wehen, durch 
eine Vertiefung des isländischen und westgrönländischen Minimums ebenso ver- 
stärkt werden wie die südwestlichen Winde vor den Küsten Europas, so wird 
mit ihnen auch die Labradorströmung beschleunigt“ (Meinardus a, a. 0). 
Es besteht kein Grund, an der Richtigkeit dieser Erklärung zu zweifeln, 
wenn auch. wie Petersen (5) nachwies, die Verlagerungen der isländischen 
1j Vgl. a. „Der Nachweis des Vorhandenseins der !/„jährigen Luftdruekperiode*, v, Verf, „Gerl. 
Beitr, 4. Geophysik“, Bd. 46, 1936, H. 4. — 9 8. Literaurrverzeichnis, S. 291,
	        
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