Mosby, H.: Verdunstung und Strahlung auf dem Meere,
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Jahresmautel der Wolkendecke über den Meeren sind aus den Jahresmittelkarten
von Shaw!) bestimmt. Diese Bestimmung wurde von zwei Personen unabhängig
ausgeführt; die einzelnen Zahlen wichen in keinem Fall um mehr als 1 Einheit
in GC voneinander ab.
Endlich. können wir die durchschnittliche Einstrahlung mit der folgenden
Formel bestimmen: _
Qu=k. oo. —/100)].K (geal/ememin)..
Die Wärmemengen, die wir mit dieser Formel berechnen, treffen die Meeres-
oberfläche, dringen aber nicht alle ins Wasser; ein Teil wird in die Atmosphäre
reflektiert, Die prozentuelle Reflexion in den versehiedenen Breiten schwankt nach
Schmidt”) zwischen 3.3 Prozent unter dem Äquator und 8.0 Prozent auf 70° Br.
Durch Reduktion der Einstrahlung nach diesen Prozentwerten finden wir schließ-
lich diejenigen. Wärmemengen ©, der Einstrahlung, die wirklich in das Meer-
wasser eindringen,
Die effektive nächtliche Ausstrahlung habe ich der Tabelle von
Ängström®) entnommen, indem ich die mittlere Temperatur der Meeresober-
Mäche und den einer relativen Feuchte von 80%, entsprechenden Dampfdruck
dabei benutzte. Die so bestimmte effektive Ausstrahlung wurde wegen der ab-
schirmenden Wirkung der Wolken mit dem Faktor
(1.— 0.0083 - C)
multipliziert, der dem Mittelwert von Asklöff%) entspricht und der als wahrschein-
lichster Mittelwert gelten darf. Die resultierenden Werte der Ausstrahlung, die
den Wärmeverlust der Meeresoberfläche ausdrücken, werden schließlich durch
Reduzieren mit 6%, wegen der Reflektion (vgl. Ängström)5) gefunden; sie sind
in. der Tabelle 1 unter Q, angegeben.
Die Verdunstung auf dem Meere. Wenn wir die Differenzen Q,—0Q, bilden
und den Mittelwert zwischen 70° n. Br. und 70° 8, Br. berechnen, indem wir die
Größe der Meeresareale*) berücksichtigen, so finden wir 0.132 geal/em?min, Diese
Wärmemenge ist für die Verdunstungs- und konvektiven Prozesse verfügbar; die
advektiven Vorgänge dürften für diesen Mittelwert bedeutungslos sein. Um die
mittlere Verdunstung bestimmen zu können, müssen wir nunmehr also noch die-
jenige Wärmemenge kennen, die durch turbulente Konvektion von der Meeres-
oberfläche zur Atmosphäre verfrachtet wird. Diese Wärmemenge hängt von
vielen Verhältnissen ab, in erster Linie von dem Temperaturunterschied
Wasser = Luft und. von der Windstärke; es ist jedoch heute kaum möglich, sie
genau zu bestimmen, Nach den Untersuchungen von Ängström”’) an dem
Vassijaure-See im nördlichen Schweden steht es außer Zweifel, daß eine be-
deutliche Wärmemenge bei diesem Prozesse verfrachtet wird; vielleicht können
wir sie auf etwa ein Zehntel der für die Verdunstung verfügbaren Wärme
schätzen. Auch nach den theoretischen Untersuchungen von Sverdrup®) ist ein
solcher Betrag wahrscheinlich. Unter dieser Annahme finden wir, daß eine
Wärmemenge von etwa 0.119 geal/em?min für die Verdunstung verfügbar sein
muß, Da etwa 590 geal bei der Verdampfung von 1 em* Wasser mitgehen, so
finden. wir hieraus eine mittlere Verdunstungshöhe von 106 em pro Jahr,
Im Februar hatte ich in dem Institut für Meereskunde zu Berlin Gelegen-
heit, die Verdunstungsfrage. mit Herrn Professor” Wüst zu besprechen. Nach
einer neuen Untersuchung‘ von Wüst, die unabhängig von. der Wärmehaushalts-
berechnung durchgeführt wurde, ergibt sich als wahrscheinliche mittlere Ver-
*j Sir Napier Shaw: Manual of Meteorology, Vol. IT, Comparative Meteorology, 8, 146—=147,
Cambridge 1928. — 2% Wilhelm Schmidt: Strahluog und Verdunstung an freien Wasserflächen; ein
Beitrag zum Wärmehaushalt des Weltmeers und zum Wasserhaushalt der Erde, Ann. d, Hydr. usw.
März— April 1915. — 3) Anders Ängström: Applications. of Heat Radiation Measurements to. the
Problems of the Evaporation from Lakes and the Heat Convection at their Surfaces, Geogr. Ann.
H, 3. Stockholm 1920, — 4%) Sten Asklöf: Über den Zusammenhang zwischen der nächtlichen
Wärmeausstrahlung, der Bewölkung und der Wolkenart. Geogr. Ann, H. 3, Stockholm 1920. —
*) A. Angström: A Study of the Radiation of the A tmosphere, Smithson, Mise, Coll, Vol 65, No. 3.
Washington 1915, — % Krümmel, loe, cit, — 7) Angsiröm, loc. eit, 1920. — %$ H, U. Syerdrup
Das maritime. Verdunstungsproblem. Ann, d. Hydr. usw. Februar 1936,