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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 64 (1936)

Kleinere Mitteilungen, 
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2, Wetterskizzen. Nr. 3: Ein bemerkenswerter Föhneinbruch in der freien 
Atmosphäre. 
Wenn sich im Frübjahr ein warmes, fast-stationäres Hoch in der Nachbarschaft Nordbritanniens 
einstellt, dem ein kaltes Zentraltief im Raume Nordraßlands gegen überliegt, kommt es leicht zu schnell 
laufenden Störungen, die aus dem nördlichen Europäischen Nordmeere südostwärts wandern und über 
Rußland gewaltige Kälteausbrüche bis zum Schwarzen Meer hinab nach sich ziehen („„Altweiberwinter“ 
Kleinasiens Ende März), Nach Westen reichen diese Kaltluftaosbrüche häufig nur bis etwa 20° Ost- 
länge. Kine derartige Wetterlage beherrschte den größten Teil des Märzmonats 1929, Nordwest- 
deutschland befand sich dabei meist unter dem Einfluß der milderen Nordwestströmung des Hoch- 
druckrandes, Sein März glich mit einem ganz ungewöhnlichen Nebelreichtum und Temperaturen 
nahe 0° dem arktischen Sommer, eine Folge des Rückstandes anı Schnee, Eis und Nordsee-Kaltwasser 
aus dem „sibirischen Februar“ 1929, 
Am 15. März 1929 kam es zu einer Unterbrechung der Nebelwetterperiode 
durch einen Ausbruch maritim-arktischer Kaltluft von. der Östgrönlandsee 
her; dieser trat im Gefolge eines Teil- 
tiefs auf, das in 24 Stunden von den 
Lofoten nach Westrußland gezogen 
war. Abb, 1 skizziert die Lage am 
Morgen dieses Tages, Das trübe Nebel- 
und Nieselwetter von den Britischen 
Inseln bis Polen geht nördlich der 
Linie Warschau— Aberdeen unver- 
mittelt im heiteres Wetter mit aus- 
gezeichneter Sicht über, trotzdem die 
Bodentemperaturen von der einen. zur 
anderen Seite der Front kaum eine 
Änderung erfahren. Vereinzelte leichte 
Schauer treten in der vorstoßenden 
mAK südlich der Lofoten, nachmittags 
aueh in der östlichen Ostsee auf, Die 
Reichweite der — in der Höhe und 
am. Boden tieftemperierten — aus 
der Barentssee verfrachteten cAK 
geht morgens nur bis zur Linie 
Rigabusen— Nordlofoten. 
Bei dem gegen 11b stattgehabten 
Höhenaufstieg der Wetterflugstelle _ 
Hamburg- Fuhlsbüttel (Führer Flug- A” 5 
kapitän Neuhaus, Beobachter Rode- Ay —— zo A 
wald) wurde an diesem Tage eine Te t te nnn m 
ganz ungewöhnliche Wolkenerschei- ABK. IL WERE ak 15 Milk 1028 
nung beobachtet, Der Start war erfolgt, nachdem sich der Nebel bis auf etwa 100 m 
vom Boden gehoben hatte (Horizontalsicht 1.5 km, rel. Feuchte 97%). Nach einem 
gegen NNO führenden Orientierungsflug wurde die Hochnebeldeecke, in der die Erd- 
sicht rasch wegging, durchstoßen; die Stratusschicht reichte bis etwa 900 m Höhe 
{an den Vortagen 400 bzw. 500 m). Und nun bot sich alsbald ein merkwürdiges, 
aindrucksvolles Bild: Die nach Süd, West und. Ost unendliche, leichtgewellte, in 
hellem Sonnenschein liegende Wolkenebene brach nach Norden mit einer dunklen, 
beschatteten Steilwand lotrecht, scharf und iransenlos um etwa 200 m ab. Aus 
der späteren Maximalhöhe von 4600 m gesehen, reichte dies Wolkenkliff — mit 
Aachen. Einbuchtungen und vereinzelt etwas vörspringenden Bastionen — von 
sinem Ende des Horizonts bis zum andern, nach der ausgezeichneten Höhensicht 
eine Mindestlänge von 300 km anufweisend. Nördlich vor dem Wolkensteilabbruch 
lag wie ein „Abrasionsrelikt“ längs des ganzen Kliffs ein tieferes, dünneres Wolken- 
yorland von etwa 15 km Breite, unmittelbar vor dem Steilabbruch am dünnsten, 
mit kleinen Lücken. Nördlich von diesem „Vorland“ war es dann, über der Ost- 
gee und ihrem Küstengebiet, wolkenlos, (Bis auf vereinzelte Cirren war es über 
der südlichen Hochnebelschicht ebenfalls wolkenlos), 
Der Abstieg wurde nördlich von dem Wolkenkliff gemacht, um möglichst 
die Unterschiede festzustellen. Das „Wolkenvrorland“ ergab sich, etwa in der
	        
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