260 Annalen der Hydrographie and Maritimer Meteorologie, Juni 1936,
Seite der Skala offene und gegeneinander Arehbare Metallröhren (also ver-
schließbar), Die Quecksilberkugel ragt aus dern inneren Rohr frei heraus, wird
aber von dem äußeren Rohr, das unten offen ist, noch verdeckt, wobei letzteres
{# 20 mm) jedoch durchbohrt ist, in drei Reihen von je vier Löchern (# 7 mm),
um die Luft herankommen zu lassen, Schutz gegen Beschädigung ist reichlich
vorhanden, Schutz gegen Bestrahlung aber nur teilweise — da das Thermometer
frei, ohne Jalousiehütte, aufgehängt ist —, zumal das gewichtige und auch leider
dunkel gehaltene Metall sich unter direkter Bestrahlung stark erwärmen muß.
Auf Beschattung dieses Thermometers durch richtige Aufhängung kommt es
also besonders an, Auf dem „Meteor“ war diese Aufhängung sehr günstig, nämlich
auf der offenen Brücke mit guter Ventilierung am Ruderhaus bei dessen ganz
offener Rückseite, in den meisten Fällen geschützt vor Sonnenstrahlung durch
das Dach, oft auch noch geschützt durch die Segel — sowohl Bram- wie Schrat-
segel und auch Sonnensegel. Die Meßbedingungen (und damit Meßfehler) werden
somit zwischen denjenigen auf einem Segelschiff bzw. auf einem Dampfer liegen,
Diese Bordthermometer-Ablesungen, die auf. meine Anforderung stündlich
geschahen, werden nun mit denjenigen Temperaturen verglichen, die von den
Meteorologen registriert wurden und die in Band XIV der „Wissenschaftlichen
Ergebnisse der Deutschen Atlantischen. Expedition“ in Abschnitt A, Tab, 2, ver-
öffentlicht worden sind!), Über die Gewinnung und die Genauigkeit dieser
Werte sei auf die ausführlichen Angaben des erwähnten Bandes XIV verwiesen,
Ich vergleiche zunächst das Bordthermometer mit den Werten, wie sie sich
aus der Auswertung des Thermographen in der großen meteorologischen Hütte
auf der Brücke ergaben. Der Hüttenfehler ist dank der vorzüglichen Aufstellung
der Hütte auf dem Dache des Kartenhauses nur gering, im durchschnittlichen
Tagesmittel etwa bis + 0,2° (im Durchschnitt um. 14% aber 4+0.4°%, Bei der großen
Zahl der Vergleichsfälle (stündliche Werte) ist. es unwesentlich, daß die Stunden-
zeiten beim Bordihermometer nach Schiffszeit, die bei der Registrierung nach
Ortszeit rechnen (Unterschied höchstens + */, Stunde). Die Werte des Bordthermo-
Mmeters wurden so genommen, wie sie jm Schiffstagebuch stehen, Auf den vom
„Meteor“ befahrenen 14 Profilen quer über den Ozean ergaben sich für den Ver-
gleich 338 Tage zu je 24 Stundenwerten, insgesamt also über 8100 Vergleichsfälle,
Mittlere Abweichung: Bordthermometer -— Hüttenregistrierung,
Nordost- Passat [Armin] Südost- Passat | Südl. eo. südl, Breiten‘
Gebiet _ __Subtrop. a
| mättl. Breite go NIS N[8EN 30N|30N | 208 | 898 1595 22° s|2508 3206 [4195 |46°S [5608
Zahld Taxe [28 7 18 | 17 / 23 26 | Wr 22 3 28/2 123 | 26 127
{ Abweichung (0.790.791. 0.50 089.08 + 08914 0.59)+ Se 08° 0.504.060 0.200.451 02°
Sl — il —— nd " enma
Es ergibt sich also, daß das Bordthermometer im Vergleich zum ge-
schützten Hüttenthermometer in den Tropen und Subtropen im Gesamt-Durch-
schnitt um 0,7° (0.5° bis 0.9°), mithin bei Berücksichtigung eines mittleren Hütten-
fehlers von +0.2° um 40,9° zu hohe Werte geliefert hat, In den höheren
südlichen Breiten ist der Fehler aber im Durchschnitt gering, schwankend bei
den Profilmitteln zwischen + 0.4° und —0.2°% Das negative Vorzeichen des
letzten Wertes ist auffallend,
Um einen näheren Einblick zu erhalten, wurde das Bordthermometer weiter
verglichen mit der elektrischen Temperatur- Registrierung, bei deren Auswertung
die Ablesungen am Assmannschen Aspirationspsychrometer die Basis bildeten
und deren Werte somit als „wahre“ Lufttemperaturen bezeichnet werden können
(vgl. „Meteor“ Band XIV), Hierbei wurde nach 6 Tagesterminen mit gleichem
Abstand. von 4 Stunden getrennt untersucht, um den täglichen Gang des Fehlers
zu erkennen.
pm
} E. Kuhlbrodt und 3. Roger, Band XIV, Die metegrologischen Beobachtungen, 4%. Lieferung,
Abschnitt A: Die Beoöbachtungsmethoden und das Beobachtungsmaterial.