Scherhag, Rz Bemerkungen, zur Entstehung der Golfstroanzyklonen, 959
Jischen Kältereservoir aus Irische Kaltluft bis zur amerikanischen Östküste hin
vorstößt, eben in Begleitung des von Rudloff erwähnten Höchs, dann entstehen
zerade hier vor der nordamerikanischen Küste ungeheure Temperatur-
zegensätze auf einem schmalen Gebiet; dort bilden sich die Frontalzonen
erster Ordnung aus, ebenso wie an der Ostküste Asiens, Und ich habe
schon In einer früheren Ärbeit‘) darauf bingewiesern, wie gerade Östlich vom
Neufundland schon in den Waßssertemperaturen eine Zone größter
[söthermendivergenz liegt, sodaß sich. gerade dort das „Delta“ der o8St-
amerikanischen Frontalzonen besonders deutlich ausprägen kann und damit
die dortige rapide Vertiefung der Zyklonen eine Zwanglose Erklärung findet,
Und wie Travniöek kürzlich in dieser Zeitschrift wieder betont”) und früher
kartenmäßig dargestellt hat%, HNegt gerade bei Neufumdland. der ausgesprochenste
Unrüuheherd auf der Nordhalbkugel, der eben. genau mit dem Delta der von der
Golfküste aus nordostwärts verlaufenden Froöntalzone zwischen der
anfizyklonalen Warmlüuft des Roßbreitenhochs und den kanadischen
Kaltluftausbrüchen zusammenfällt*). |
Es erscheint also gar nicht nötig, zur Erklärung der Zyklonen der ge-
mäßigten. Zone wieder die Kondensationstheorie heranzuziehen, vielleicht nicht
einmal nötige für die Erklärung der tropischen Wirbelstürme%.
Kritik der Lufttemperatur-Bestimmung auf Seez Größe der Temperatur-
differenz Luft—Wasser auf dem Atlantischen Ozean,
Von. E, Kullbrodt, Hamburg, Deutsche Seewarte,
In. dem Aufsatz „Schleuderthermometer (ür Bordgebrauch“, der vor kurzem
in. dieser Zeitschrift erschien“), wies ich auf die Notwendigkeit hin, die Frage
der Genauigkeit der im Bordgebrauch bisher üblichen. Temperaturbestimmunhng
zu prüfen und die aus dem störenden Schiffseinfluß sich ergebende Fehlerhaftig-
keit durch Verbesserung der Meßmethode künftig einzuschränken.
Die auf dem Forschungsschiff „Meteor“ während der Deutschen Atlantischen
Expedition 1925/27 in. verschiedenen Breitenzonen durchgeführten. Messungen
geben die Möglichkeit zur kritischen Untersuchung und zu einer Abschätzung
der Größenordnung des Fehlers, mit dem die bisherigen. Temperaturergebnisse
vom Ozean wahrscheinlich behaftet sind,
Es zeigt sich als Ergebnis unserer Untersuchung, daß für die niederen
Breiten des Atlantischen Özeans die bisher berechneten Mittelwerte der Luft
(emperetur als Im Durchschnitt um eiwa %/,” zu hoch anzusehen und dement-
sprechend die bisherigen. Werte der Temperaturdilferenz Luft— Wasser zu
ändern sind,
{. Vergleich von Temperaturen, erhalten nach „üblicher“ Bordmetihode bzw. nach
bestmöglicher Messung‘ durch Meteorologen.
Auf dem „Meteor“ wurde durch die Brückenbesatzung die Lufttemperatur
an dem üblichen schiffseigenen Thermometer — das im folgenden als „Bord-
thermometer“ bezeichnet werden soll — (auf der Brücke} abgelesen und in das
meteorologische Schilfstagebuch eingetragen, Die Lufttemperatur wurde aber
auch von den Meteorologen der Expedition sorgfältig mit dem Assmannschen
Aspirationspsychrometer bestimmt und laufend. registriert.
Das Bordthermometer der Brücke war das übliche „Marineluftthermometer“:;
ein einfaches Thermömeter, gefaßt in zwei ineinandergeschachtelte, auf der
1y Met. Zischr. 1934, 8. T34, — 2) F.Trarniteck: Zur Kenritnis der Quellgebiete-atmosphärischer
Unruhe. Ann. d. Hydr.. 1936, 8. 100. Siehe bes. S, 105. — %) Derselbe: Die. Häufigkeit aperiodischer
Wellen. des Lafsdrucks und der Temperatur. Met, Ztschr. 1928, 5. 241, Abbildung 5. 245, — +) Die
Bedeutung dieses Divergenzegebhiets für die Zyklonenentstehung. im Einzelfall. beschreibt M, Rodewald
in Wetterskinze Nr. 7 [S. 264 dieses Heftes]. — %) Vgl. M. Rodewald: "Entstehungsbedingungen
der tropischen Orkane, Met, Zischr, 1036, Heft 6, — *) E. Kuhlbrodt, Schleuderthermometer für
Bordeebrauch, Ann. 4. Hrde 1936, 8. 57 bis 60.