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Full text: 64, 1936

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Annalen der Hydrographie und Maritimern. Meteorolögie, Juni 1936, 
der hiermit verbundenen. Kaltluftaktivierung Folgende Zuklonenentstehung Jäßt 
Rückschlüsse auf die bereits vorhandenen. Zustände der betroffenen. Zufbnassen der 
unteren. Troposphäre machen“ Daß also nun sogar die erfolgte Zyklonen- 
bildung einen Rücksechluß auf die vorhex vorhandenen Zustände er- 
lauben soll, beweist, daß der Verfasser wohl glaubt, das Problem der Zyklonen- 
entstehung‘ sei über jeden Zweifel erhaben, wobei er offenbar die Labilitäits- 
theorie als die allein überhaupt nur mögliche Hypothese ansicht, 
[mn dem weiteren Ausführungen will Rudloff beweisen, daß die Entstehung 
der Zyklone genau nach den Frontenentstehungsregeln von Reaethijen erfolge 
und daß die Refsdalsche Regel erfüllt sei, daß das Tief dorthin ziehe, wo 
feuchtlabiler Niederschlag am leichtesten ausgelöst wird; der Beweis beschränkt 
sich aber auf die Feststellung, daß „der Kern der Front entlang wandert“. Es 
wird nicht einmal auf Grund der Wettererscheinungen und des Wolkenhimmels 
versucht nachzuweisen, daß gerade dort die Schichtung besonders Iabil sein soll, 
wohin. das Tief zieht, Um die Bedeutung der Labilität für die Zugrichtung 
eines Tiefs klarzulegen, wäre es notwendig, einmal zu beweisen, daß ein Tief, 
in Abweichung von der vorhandenen mittleren Strömung, dorthin zieht, wo die 
Schiehtung im Vergleich zur Umgebung besonders labil ist! . 
Auch. ist es sehr bedauerlich, daß der Verfasser sich als Hauptbeispiel einen 
Fall einer Zyklonenentstehung ausgesucht hat, bei dem gerade am kritischen 
Tage so wenig Meldungen vorliegen, daß Rudloff auf die Zeichnung einer 
eigenen. Karte verzichten muß Denn soviel steht fest, daß In diesem Fall die 
eigentliche Ausbildung zur Sturmzyklone erst vom 17, zum 18. Oktober erfolgt, 
und aus dem Wetterbericht der Deutschen Seewarte kann man entnehmen, daß 
der Tiefkern mit allen Merkmalen. einer jungen Zyklone am 18, Oktober um 
14 Uhr auf. 47° N, 30° W gelegen war. Daß es sich dabei um eine Zyklonen- 
neubildung amı Bande des nach. Neufundland gewanderten Tiefs handelt, ist zum 
mindesten nicht unwahrscheinlich, 
In seinen weiteren. Ausführungen stellt Rudioff dann fest, daß einige Tage 
vor der Zyklonenbildung jedesmal ein Drucksteiggebiet zur amerikanischen Ost- 
küste gezogen ist, ein gewiß bemerkenswertes Ergebnis, Anstatt aber dieses 
Resultat öbjektir zu diskutieren und wenigstens mit einem Hinweis zu erwähnen, 
daß gerade für die Theorien, die die Ausbildung horizontaler Temperatur- 
zegensätze als maßgebend für die Zyklönenbildung anschen, dieser Be- 
(und eine Stütze bildet, schließt Rudloff*), „daß die Deutung allein mit der 
von Seifert bewiesenen. Tatsache der Labilisterung durch kohe Steiggeblele mög- 
ch ist!“ Um nun schließlich die Entstehung des Tiefs mehr im einzelnen erklären 
zu können, wird ausgeführt, daß die rasche Vertiefung im allgemeinen mit dem 
dem erwähnten Steiggebiet folgenden übernächsten Fallgebiet, zuweilen. aber 
auch schon mit. dem nächsten Fallgebiet erfolge, womit also die Zyklonenbildung 
selbst gar kein Prozeß mehr ist, der selne Entwicklung aus den vorher bereit- 
gestellten Energien schöpft, sondern die Zyklogenese eine höchst komplexe 
Angelegenheit wird, 
Wie Rudloff nun die atıch von ihm erwähnten Zyklonen erklären will, die 
sich gerade über dem kalten Labradorstrom so sehr vertiefen, wird nicht er- 
sichtlich, wie es denn überhaupt zw bedauern ist, daß Rudloff die Hoffmeyer- 
Karten. „für zu ungenau für ein Keferes Kindringen. in. den. Sachverhalt” hält, 
Jedenfalls erscheinen die Karten dieses wertroöllen Werkes besser durchgezeichnet 
und ein umfangreicheres Material zu enthalten, als es Rudloff bei Zeichnung‘ 
seiner Karten ölfenbar zur Verfügung stand. 
Die Entstehung der Golfstromzyklonen ist ein Kapitel, das eine eingehende 
Wetteranalyse voraussetzt, dann. wird. man bald entdecken, daß gerade an 
der Grenze des Golfstromes eine der größten Tempersturscheiden liegt, 
die es auf der Erde überhaupt gibt, und die besonders im Winter ihre 
größte Ausprägung erhält: Ständig wird auf der Westseite des Azorenhochs 
subtröpische Warmluft weit nordwärts verfrachtet, wobei der Lauf des Golfstroms 
eine vorzeitige Abkühlung dieser Luftmassen verhindert. Wenn dann vom kana- 
% S. 195. unten.
	        
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