accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 64 (1936)

Scherhkhag, Ra Bemerkungen zur Entstehung der Golfstromzyklonen. 557 
üben. es olmme Zweifel milk dem Vorstoß eines Hochs in der Höhe zu Lun, denn 
hierdurch erfolgt „Aktivierung“ der Taftmassen. in der Höhe, die sich am 12. um 
13 Uhr bis zum. Boden. durchgesetzt. hat und sich wm Südostahlang des Hochs in 
dem Gebiet stärkeren Windes zeigt, das am nächsten Tag bereite wieder ver- 
schwunden. $b, N a | 
Es ist doch wohl nicht möglich, den Vorstoß eines Hochs in der Höhe mit 
einer Windzunahme am Boden zu beweisen, Die Windzunahme am Boden ist, 
wie aus dern beigefügten Abbildungen kerrergeht, eindeutig die Folge einer 
Gradientzunahme am Boden, daß aber eine solche Gradientzunahme nur 
die Folge einer „Kaltluftaktivierung“ in der Höhe sein könnte, ist mit dem 
besten Willen nicht einzusehen, abgesehen. davon, daß nicht einmal die Ent- 
stehung der „Kaltluftaktivierung“ bisher bewiesen ist, denn Seifert’) beschränkt 
sich auf eine Erwähnung der nach seiner Meinung maßgebenden Drucksteig- 
gebiete, ohne ihre Funktion eindeutig zu beweisen, 
Das ganze Problem der Kaltluftaklivierung in der Höhe scheint mir noch 
völlig ungelöst zu sein, Natürlich muß ein solcher Zufluß von Kaltlalt in der 
Höhe möglich sein, aber daß er gerade als Folge eines bheranrückenden Druck- 
steiggebiets eintreten Soll, erscheint noch nicht genug begründet: Nach Seifert 
soll nämlich das heranrückende Steiggebiet eine Windänderung zunächst in der 
Höhe, und zwar eine Rechtsdrehung hervorrufen, Man kann sich aber leicht 
überlegen, daß eine solche Rechtsdrehung in der Höhe bei gleichbleibendem 
Bodendruckfeld nur möglich ist, wenn gerade Warmluft k erangeführt wird! 
Wie denn überhaupt zu bedenken ist, daß ein. wanderndes Drucksteiggebiet wohl 
au am Boden eine Advyektion von Luftmassen im Sinne Seiferts herbeiführen 
kann, da nämlich dafür eine notwendige Bedingung ist, daß die Druckwelle 
schneller zieht als die Größe der Komponente der Bewegung der Luftteilchen 
in der Zugrichtung der Druckwelle ist. Diese Bedingung ist aber in der Höhe 
gerade nicht mehr erfülltz in der oberen Troposphäre ist die Höhenströmung 
schneller als die Wanderungsgeschwindigkeit der Druckwellen, und dann muß 
Drueckanstieg gerade mit Warmluftzufuhr in der Höhe verbunden sein, wie 
wir e8 auch beobachten und wie es der von Seifert behaupteten Windände- 
rung in der Höhe ebenfalls allein entspricht, 
Will man die Tatsache der Kaltluftaktivierung: überhaupt gelten Tassen, so 
wäre diese nur in der Substralosphäre möglich, wenn dort gleichzeitig mit dem 
Druckwellenberg kältere Luft der Stratosphäre herangeschafft wird, Aber dann 
wird diese kaum Einfluß auf die unteren Schichten erlangen, da die Zufuhr 
wärmerer Luft in der oberen Troposphäre dem hinderlich ist. 
Es scheint mir, daß das Problem der Kaltluftaktiyvierung vielmehr mit dem 
Vorstoß eines Druckfallgebiets gekoppelt istz Denn in der Höhe ist die Strö- 
mung immer mehr oder weniger parallel dem Verlauf der Isothermen, und 
dynamischer Druckfall, also echter Massenverlust über einem Orte, muß dann 
notwendig mit der Senkung der Niveauflächen in der Höhe auch. eine Zufuhr 
der unter geringerem Druck strömenden kälteren Luft nach sich ziehen. Diese 
Schlußfolgerung steht mit den Beobachtungen im Einklang, daß sehr ausgeprägte 
Pallgebiete in vielen Fällen heftiga Niederschläge vom Schauertyp und. Gewitter- 
erscheinungen nach. sich ziehen, wobei die Gewittertätigkeit mit dem Zentrum 
{relafiv) niedrigsten. Druckes stets. nahe zusammenfällt, 
Auf jeden Fall ist. die Kaltluftaktivierung in. der Höhe noch ein Problem, 
auf das man nicht einen ganzen Beweis für die Entstehung der Golfstromzyklonen 
aufbauen kann, und wenn Rudloff?) seinen Beweis mit den Worten schließt: 
„Halten. wir den Vorstoß hohen Druckes in. der Höhe dürch die vorherigen Tak- 
sachen gewügend. belegt (die Tatsachen beschränken sich auf die beobachtete Zu- 
nahme des Druckgradienten und der Windgeschwindigkeit am Erdboden!), so 
können wir hieraus seine Iabilisterende Wirkung, die Seifert nachgewiesen. hat, 
folgern**, So muß man gegen eine solche Beweisführung Protest erheben, 
Anschließend an diesen. „Beweis“ wiederholt Rudloff dann die Ansichten 
von. Seifert und meint schließlich sogarı „Die dem Vorstoß hohen Druckes und 
4) Auf. 3, 3067, der von Rıdloff zitierten Arbeit. — 2) 8. 194. oben.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.