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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 64 (1936)

Thorade, H.: Strombeobachtungen am Nordausgange des Kattegats, 949 
3. Das Feld der inneren Kräfte, — Der Bjerkn essche Zirkulationssatz setzt 
die Änderung der Zirkulation gleich der Summe der beschleunigenden Wirkungen: 
il. der aus der ungleichen Verteilung der Dichte erwachsenden Kräfte, 2, der 
Ablenkungskraft infolge der Erdumdrehung, und 8. der Reibung. Will man die 
Dichteverteilung zum Berechnen des Stroms verwenden, so pflegt man meistens 
vorauszusetzen, daß a) die Zirkulation sich nicht ändert, die Bewegung‘ also 
stationär ist, b) daß die Reibung zu vernachlässigen it. Es ist unwahr- 
scheinlich, daß die Voraussetzung b) im vorliegenden Falle bei der geringen 
Meerestiefe und den nicht unerheblichen. Stremgeschwindigkeiten zutrifft. Aber 
auch die Annahme &) begegnet beträchtlichen Einwänden, wenn. auch, wie oben 
dargelegt, mit schnellen Stromänderungen kaum zu rechnen ist, 
Schwierigkeiten bereitet jedoch der Gezeitenstrom am Nordausgange des 
Kattegats, da Beobachtungen desselben bisher nur aus dem südlichen Teile vor- 
liegen. Hier hat A, Defant für die Ankerstelle der fünf Schiffe nördlich von 
Seeland jedoch nur kleine Werte unter 5 cm/sec gefunden’). Stärker sind die 
früher von J. P. Jacobsen®) aus längeren Beobachtungsreihen der Feuerschiffe 
„Anholt Knob% „Schultz’ Grund“ und „Lappegrund‘ berechneten Beträge, die 
zum Teil den Reststrom erheblich übertreffen; beide Verfasser finden, daß der 
Gezeitenstroöm, wenn er mit seiner Höchststärke fließt, durch die ganze Wasser- 
säule hindurch entweder einläuft oder ausläuft, von der Schichtung nur wenig 
beeinflußt. Da num in dem hier vorliegenden Schnitte die Sprungschicht eine 
scharfe Stromgrenze bildet, so ist es wahrscheinlich, daß die Strommessungen, 
wenn sie auch selbstverständliceh den Einfluß des Gezeitenstroms enthalten, doch 
in der Hauptsache von anderen Kräften bedingt sind. Diese Annahme wird ge- 
stützt durch eine weiter unten versuchte Abschätzung des Gezeitenstroms (s, S. 252). 
Daneben ist weder die Möglichkeit von Eigenschwingungen (Seiches}, noch von 
unperiodischen Änderungen von vornherein von der Hand zu weisen, kurz, man 
darf den Strom nicht als stationär im eigentlichen Sinne betrachten. Ja, streng 
genommen dürfen, wie schon betont, weder die Beobachtungen des Stroms, noch 
die des Salzgehalts und. der Temperatur als gleichzeitig aufgefaßt werden, obwohl 
man dies sonst bisher mit Messungen, die sich noch nicht über einen halben 
Tag ausdehnen, wohl fast immer unbedenklich zu tun pflegte, Wenn es hier 
irotzdem versuchsweise geschieht und ein hydrodynamischer Schnitt entworfen 
wird (Abb. Nr. 8, Taf 47), als ob die Beobachtungen gleichzeitig stattgefunden 
hätten, so wird man eine Übereinstimmung zwischen berechnetem Strom und 
zemessenem gar nicht erwarten dürfen, sondern sich mit einem ungefähren Ein- 
blick in die wirkenden Kräfte begnügen müssen. 
Mit diesem Vorbehalt betrachtet, zeigt der Schnitt, daß die Solenoide sich in 
der Deckschicht zusammendrängen und im westlichen und im östlichen Abschnitte 
einen quer zum Schnitt auslaufenden, im mittleren aber einen einlaufenden Strom 
zu. erzeugen suchen; insbesondere im Osten sind die Solenoide ziemlich zahlreich. 
In der Unterschicht andererseits schrumpft ihre Anzahl zusammen, läßt aber 
die umgekehrte Neigung erkennen, Die Grenze zwischen Ober- und Unterschicht 
würde im Westen etwa bei 13 db liegen und nach Osten auf 17 db absinken. 
Qualitatir erhielte man Übereinstimmung zwischen dem westlichen Drittel und 
P9, dem mittleren Abschnitte und P 10, dem Östlichen Teile und P1%; P11 
wäre eine Mischung aus den beiden letzteren. 
Wären die obigen Voraussetzungen a}, b) erfüllt, so könnte man die Zahlen für 
die Geschwindigkeiten quer zum Schnitte berechnen: Sind v,und v diese Komponenten 
an der Oberseite und der Unterseite einer von zwei I1sobaren eingeschlossenen Schicht 
(vo entspreche dem Wasserspiegel), ist 4D der Dickenunterschied dieser Schicht 
an zwei Stationen in dynamischen Metern, L deren Abstand in km, w, die Winkel- 
geschwindigkeit der Erde und @ die geographische Breite, so ist bekanntlich?) 
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De Yo Se Lg 
1) Deflant, A: Ergebnisse der Strom- und Wasserstandsmessungen im südlichen Kattegat. — 
Veröff, Tust, Meeresk. Berlin, N. F., A, 25, 1934, 8. 401. — 4 Jacobsen, J. P.ı Strommessungen ix 
der Tiefe in Dänischen Gewässern, — Medd. Komm, Havand,, Serie Hydr., IT, 3 Kopenhagen 1913, 
S, 13. — 9) 8, z.B. u.a Thorade: Methoden zum Studium der Meeresströmungen, — E. Abderhaldens 
Handbuch der biologischen Arbeitsmethoden, II, 3, Lief, 418, S. 3069. 
Ann. d. Hyrdr. usw. 1936, Heit VI.
	        
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