Thorade, H.: Strombeobachtungen am Nordausgange des Kaltegats, 545
„weiten Reihe wurde im übrigen von 35m bis 39 m ausnahmslos der Strom
Null gemessen, so daß sie in der Tat besser auszuscheiden war. Erwähnt sei
soch, daß auch die ersten Beobachtungen, die während des Einschwojens des
Schiffes gemacht wurden, sich als unbrauchbar erwiesen; als Grund hierfür 1äßt
die Darstellung des Schiffskurses in Abb. Nr, 4, Tafel 46, unschwer die starke
Bewegung des Schiffes unmittelbar nach dem Haften des Ankers erkennen,
In ähnlicher Weise sind die Ergebnisse für die anderen Meßstellen berechnet;
der Übersichtlichkeit wegen wurde der mittlere Fehler der Nord- und Ost-Kompoö-
nente des Ergebnisses umgerechnet auf einen solchen der Richtung und der
Geschwindigkeit; an die Stelle des Rechtecks tritt alsdann ein Ringausschnitt.
2, Beschreibung der ermittelfen Ströme, a) Die fortlaufenden Beob-
achtungen in 10m Tiefe (s. die umstehende Tabelle und Abb. Nr. 5, Taf, 46)
ermöglichen, wie oben ausgeführt, zwar nicht eine Feststellung der durch die
Bewegung‘ des Schiffes entstandenen Störungen, aber sie gewähren doch einen
Einblick in die zeitlichen Änderungen des Stroms, wenigstens für diese eine
Tiefe, Betrachtet man die Abb, Nr. 5 unter diesem Gesichtspunkte, so fällt auf,
Jaß auf den beiden Eekstationen P9 und P12 während des ersten Teils der
Beobachtungszeit die Streuung sehr groß war und demgemäß die Beständigkeit
(d. i, der Quotient aus dem vektoriellen und dem skalaren Geschwindigkeitsmittel)
die ausnahmsweise geringen Werte von 76% und 8% hatte, daß aber darüber
hinaus von einer anhaltenden zeitlichen Änderung kaum die Rede sein kann,
Dagegen Änderte auf P 10 der Strom seine Richtung im Verlaufe einer Stunde
um 749 rechtsherum, was für einen vollen Umlauf 5 Stunden ergeben würde. In
diesem Zusammenhange ist daran zu erinnern, daß schon J. P. Jacobsen?) die
sechsteltägige, also vierstündige Tide M, im Sunde bei Lappegrund besonders
stark entwickelt fand, und daß später D. La Cour?) bei seiner Bearbeitung der
Sturmflut vom 15./16. Januar 1916 ausgeprägte Querschwingungen. von 4 Stunden
Periode im südlichen Kattegat feststellte, welche das Anschwellen der M-Tide
als eine Resonanzerscheinung auffassen lassen. Hierzu kommt, daß auch im
August 1931 während der Ankerzeit des „Japetus Steenstrup“ im südlichen
Kattegat nach Jacobsen vierstündige Perioden im Verlaufe der Temperatur
auftraten und daß danach eine 4- bis 5stündige Periode im nördlichen Kattegat
sehr wohl möglich erscheint, Auch auf P11 könnte man in den an sich nicht
beträchtlichen zeitlichen Änderungen des Stroms vielleicht eine Überlagerung
eines ständigen starken westlichen bis westsüdwestlichen Stroms durch einen
periodischen erblicken. Da beide Meßstellen in der Nähe der Knotenlinie einer
Querschwingung liegen würden, so läge kein Widerspruch darin, wenn auf den
Eckstationen kein periodischer Stromwechsel beobachtet wurde. Andererseits
aber könnte sich die Stromschwankung auch dadurch erklären, daß die Sprung-
schicht in der Nähe der 10 m-Tiefe lag und bei einem Auf- und Abwallen ver-
schieden strömende Wasserschichten am Instrumente vorbeigeführt hätte?). Doch
muß die Entscheidung dieser Frage aufgeschoben werden, bis auch die Verhält-
nisse in den anderen Tiefen erörtert sind (s, S. 248).
b) Die Reihenbeobachtungen des Stroms (Ss, die umstehende Tabelle und
Abb. Nr. 6, Taf. 47), Hatten schon die Strombeobachtungen am Ankerplatze nördlich
ron Seeland die oft gebrauchte Vorstellung*) eines ständigen salzarmen Öberstroms
von der Ostsee zur Nordsee und eines salzigen Unterstroms in umgekehrtem
Sinne als irrig erwiesen und ein völliges Überwiegen kleinerer und ganz großer
1) Jacobsen, J. P.: Die Wasserumsetzung durck den Öresund, den Großen und Kleinen
Belt. — Medd, Komm, Havunders, Ser, Hydr, II Nr. 3, Kopenhagen 1913, 8. 13; vgl. a. Jacobsen;
Strommessungen in der Tiefe in. dänischen Gewässern, ebenda Nr. 9, Kopenhagen 1925, S, 29. —
% La Cour, D.: Abnorme Vandstandsforhold 5 de Danske Farvande, — Publ. Dansk Meteorol. Inst.,
Medd. Nr. 4, Kopenhagen 1917, 8. 71f£; vgl. den Bericht hierüber in dieser Zeitschr., 1918, S. 237, —
% Auf die Möglichkeit derartiger vorgetäuschter Stromäuderungen ist A, Defant in seiner Bear-
beitung der auf der Ankerstelle gemessenen Ströme (Veröff, Inst. f. Meereskunde, N. f. A, 25, Berlin
1934, S, 40ff.) ausführlich eingegangen. — * Obwohl auf die Bedeutung: der Mischbewegungen oft,
ron 0. Pettersson angefangen, hingewiesen ist, Vgl. z.B. die zusammenfassende Darstellung von
B. Schulz: Der Wasseraustausch zwischen Nord- und Ostsee, Pet. Mitt, Ergänzungsheft Nr. 209,
Gotha 1930 (Hermann Wagaer-Gedächtnisschrift}.