Kleinere Mitteilungen,
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Abschließend sei wiederholt erwähnt, daß die den. Karten zugrunde liegenden
Beobachtungen durchweg Amateurmessungen sind, die hier und da durch genaue
Beobachtungen und Messungen mit Präzisionsinstrumenten zweckmäßig noch
zu ergänzen. sein würden, Dr. Gerhard Kunze.
8. Bemerkung zu: Edward Stenz: „Über äolische Staubfälle in Polen
unter besonderer Berücksichtigung des Staubfalls von Ende April 1928“),
Stenz gibt in dieser Arbeit eine Übersicht über die in Polen während der
letzten. 100 Jahre aufgetretenen Staubfälle und befaßt sich nochmals ausführlich
mit dem großen Staubfall vom April 1928, Er geht dabei insbesondere*) auf
die in dieser Zeitschrift erschienenen Arbeiten über den Gegenstand®) kritisch
ein; ich vermag seine Ausführungen aber mur soweit zu verfolgen, wie sie in
der deutschen Zusammenfassung S, 37 bis 30 wiedergegeben sind.
Durch die Erweiterung des zugänglichen Beobachtungsmaterials, die Heran-
ziehung der Aerologie und die Untersuchung der klimatischen Vorbereitungszeit
des Staubsturmes schienen mir — wenn auch schrittweise — alle Fragen, die
das Wesen und die Ursache des Ereignisses berührten, eine einigermaßen befrie-
digende Antwort gefunden zu haben (Ann, d. Hydr, 1930 bis 1932 8. u.).
Da mir nun Stenz in seiner neuen Arbeit nachzuweisen sucht, daß ich ver-
schiedene unzutreffende Behauptungen aufgestellt habe, könnte ein falsches Bild
entstehen, wenn seine Angaben unwidersprochen bleiben,
Stenz wendet sich vor allem gegen meine abschließende Annahme, daß das
Quellgebiet des Staubes die Ukraine und Nordwestkaukasien sei, welch letzteres
ich. als das Gebiet stärkster, wenn auch nicht flächenhaft ausgedehntester
Deflation. bezeichnete‘), Er führt dagegen an, daß nach Swiatskij Staubtrü-
bungen im Kaukasus erst am 27. und 28, April beobachtei worden seien, Diese
aber, die in Baku, Enseli, Suchum, Lenkoran und KEriwan festgestellt worden
sind, stehen mit meinem Urteil über die Staubquelle in keinem Zusammenhang.
Unter Nordwestkaukasien ist, wie aus meinen früheren Darlegungen klar hervor-
geht, immer nur die Nordwestecke von Ciskaukasien, das Steppengebiet östlich
Jeisk, verstanden worden.
Beruht dieser Einwand von Stenz vielleicht auf einem Mißverständnis, so
kann der zweite nicht durch ein solches hervorgerufen sein, In ihm stellt
Stenz, in Kenntnis meiner entsprechenden Ausführungen, die Sachlage für das
Ostufer des Asowschen Meeres so dar, als ob hier der Staubsturm nicht besonders
heftig gewesen sei, indem er davon spricht, daß in Jeisk „eine Trübung der
Atmosphäre festgestellt worden“ sei und „ein starker Ostwind dort herrschte“,
Demgegenüber muß nochmals hervorgehoben werden, daß gerade in Jeisk
das Staubtreiben in außerordentlicher Schwere auftrat, im Rahmen der vor-
liegenden Berichte jedenfalls die erste Stelle bezüglich der Intensität einnimmt.
Der Ostwind erreichte 18 bis 23 m/sec, etwas weiter südlich sogar 24 bis 28 m/sec,
das Staubtreiben dauerte zwei Tage lang, die Sichtweite sank unter 800 m, in
der östlich angrenzenden Ackerbau-Steppe bildeten sich Staubdünen bis zu
14 a IX Höhe,
Solange die Angaben des Jeisker Beobachters Iwanilowa nicht widerlegt
oder etwa durch neue Angaben aus anderen Gegenden des Deflationsgebietes in
den Schatten gestellt werden können, ist die Annahme, daß hier das Gebiet
stärkster — wenn auch nicht flächenhaft ausgedehntester —= Aolischer Ausräu-
mung zu suchen ist, aufrechtzuerhalten. Daß das ukrainische Deflationsgebiet
wegen seines Umfanges den überwiegenden Teil des verwehten Staubes, insbesondere
des in Polen gefallenen Materials, geliefert hat, wird hiervon nicht berührt,
Meine von Stenz herangezogene Niederschlagskarte®), wie die übrigen Karten
und Bemerkungen zur klimatischen Vorbereitung des Staubsturmes sprechen nicht
% Biuletyn Towarzystwa Geofizykör w Warszawie, Heft 11 bis 12, 8. 25 bis 36 (i poln, Spr.)
Deutsche Zusammenfassung S, 37 bis 30. Warschau 1935. == 2) aaO. 8,31 bis 35, — % Rode-
wald, Ann, d. Hydr. 1930, 8. 10f£, 1931, S. 261, 1981, 8. 393 ff, 1932, S, 36211. — 4) Ann, d,
Hydı, 1922, 8, 362 bis 363, — 5) Ann, d, Hydr. 1931, Tafel 43, ‚Abb. 14.