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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 64 (1936)

214 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1936, 
gewissen Fällen kann das Flugzeug aber auch nicht durch Fremdpeilung seinen 
Standort bestimmen lassen, ist vielmehr auf Funkortung durch Eigenpeilung 
angewiesen. N 
3. Das erste Verfahren, 
Das Verfahren des Verfassers besteht darin, daß man die Azimutgleichen 
derjenigen Funkfeuer, mit denen man arbeiten will, in die Merkatorkarte ein- 
trägt. Fig, 3 zeigt eine Merkatorkarte des Nordatlantischen Ozeans mit den 
Azimutgleichen von Norddeich (rot sm), eines (gedachten) Funkfeuers B auf 
== 0%, A, = 15°0 (blau vom eu e u) and eines Funkfeuers © auf 9, = 60°N, 
23 = 65° W (grün am au an). 
Peilt inan Norddeich in «, = 55°, so befindet sich das Flugzeug auf der 
Azimutgleiche 55° (rot mm), Durch eine Peilung des Funkfeuers B in 
= 125% bekommt man die Azimutgleiche 125° (blau sam s au 9 a) IS ZWEITE 
Standlinie,. Der Ort des Flugzeuges ist dann der Schnittpunkt dieser beiden 
Azimutgleichen: #=— 44° N, 4= 29° W. 
Die praktische Ausführung des Verfahrens würde sich folgendermaßen 
gestalten: 
Für Funkortung auf große Entfernungen werden besondere, noch zu druckende 
Karten -— Seekarten, in die die Azimutgleichen farbig eingetragen sind — ver- 
wendet, Dabei wählt man die Azimutgleichenscharen von solchen Fuüunkfeuern 
(etwa. vier) aus, die für das betreffende Gebiet zum. Peilen in. Frage kommen. 
Peilt man zwei dieser Funkfeuer, so erhält man den Standort als Schnittpunkt 
der beiden ermittelten Azimutgleichen, Durch Peilen eines dritten Feuers wird 
meist nicht der gleiche Schnittpunkt erhalten werden, vielmehr ergeben dann 
die drei Azimutgleichen ein Dreieck, in dem der Standort wahrscheinlich liegt, 
and somit eine Kontrolle der Peilungsgenauigkeit. 
Die Vorteile dieses Verfahrens sind klar zu erkennen: Man braucht keinerlei 
Kenntnis von dem ungefähren Standort des Flugzeuges zu haben, Ferner kann 
vor der Peilung festgestellt werden, welche Funkfeuer sich in dem betreffenden 
Gebiet zur Funkortung eignen, Man sieht z, B. in Fig. 3, daß sich die Azimut- 
gleichen von B (blau) mit denjenigen von C (grün) in dem Gebiet von 25° bis 
40° W und von 20° bis 30° N unter einem sehr spitzen Winkel schneiden, daß 
also ihr Schnittpunkt ungenau wird. Man würde in diesem Gebiet vielmehr von 
vornherein mit den Funkfeuern A (= Norddeich) und B oder. A und C arbeiten. 
Aus den Darlegungen ergibt sich folgende Anweisung für den Gebrauch 
der Seekarten mit Azimutgleichen (= Fig, 3): 
Werden die Funkfeuer A {rote Azimutgleichen) und B (blaue Azimutgleichen) 
unter den Winkeln &, bzw. &, gepeilt, so ist der Standort des Flugzeuges der 
Schnittpunkt der roten Azimutgleiche «x, mit der blauen Azimutgleiche &%, 
Fig. 3 soll das Wesentliche des neuen Verfahrens möglichst anschaulich zeigen, Die zu 
druckenden Karten. müßten eine Einteilung von Grad zu Grad sowohl für Länge und Breite als 
auch für die Azimutgleichenscharen haben und größer entworfen werden ; 
4, Das zweite Verfahren, 
Hat man im der Merkatorkarte die Azimutgleichen eines Fankfeuers auf 
A, und @ entworfen, so gilt dieses gleiche Netz für jedes beliebige Funkfeuer 
auf derselben Breite %, wenn nur das Netz um den Längenunterschied wver- 
schoben wird. Es ist also möglich, das einmal entworfene Azimutgleichennetz 
für jedes beliebige Funkfeuer derselben Breite zu verwenden. Man muß nur 
beachten, daß die Azimutgleiche 0° bzw. 180° der Meridian des Funkfeuers ist. 
Bei dem zweiten Verfahren liegt eine feste Seekarte vor [die auch für ein 
oder zwei Funkfeuer die Azimutgleichenscharen enthalten kann] (siehe Fig. 4), 
Ferner sind Azimutgleichen der für die Peilung in Frage kommenden Funkfeuer 
einzeln. auf durchsichtiges Papier gedruckt (Fig. 5 und 6). Man legt das durch- 
sichtige Papier so auf die Seekarte, daß die Azimutgleiche 0° bzw. 180° mit dem 
Meridian des Funkfeuers auf der Seekarte übereinstimmt, und beachtet, daß die 
beiden Geraden, die den Äquator darstellen, sich decken. Über die beiden Karten 
wird noch eine dritte Karte (durchsichtig) mit den Azimutgleichen eines zweiten
	        
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