Pertewitz, Dr. P.: Die Klimastockwerke in der Atmosphäre. 209
arten in bestimmten Höhen angeordnet. Vom Stratus und Nimbus in den
untersten Stockwerken kommen. wir zum Cumulus, Strato-Cumulus, Frakto-Cumu-
lus und Cumulo-Nimbus in mittleren Höhen, dann zum Alto-Stratus, Alto-Cumulus
und Cirro-Cumulus in den oberen Stockwerken bis zum Cirrus und Cirro-Stratus
unmittelbar unter der Stratosphärengrenze.
Vom medizinisch-bioklimatischen Standpunkt aus betrachtet spielen Feuchte,
Sonne und Staub neben dem Luftdruck die Hauptrolle, Geringe Feuchte, viel
Sonne und. wenig Staub bringen ein wirksames Heilklima,
Nach den meteorologischen. Verhältnissen und Vorgängen einerseits und nach
den. Wirkungen auf den Menschen andererseits sind die versehiedenen Klima-
stockwerke benannt worden: Als Hauptgruppen sind Schichtklima in großer
Höhe und Durchmischungsklima darunter unterschieden worden, Letzteres zer-
fällt, von unten nach oben betrachtet, in Bodenklima oder Lokalklima, Haupt-
turbulenz- oder Wirbelklima mit stärksten Winddrehungen, meist Windzunahme
und Tagesperiode, Darüber findet sich das Haupt-Wolkenklima, dann das Über-
gangsklima, an das das Hoch- und Stratosphärenklima anschließen.
Die medizinische Gruppeneinteilung unterscheidet als unterstes Klima das
Wechselklima von 0 bis etwa 1.2 km Höhe, darüber das Reizklima von 1.2 bis
2,5 km Höhe. Dann folgt das stärkste Heilklima von 2,5 bis 3,5 km, das Angriffs-
klima von 3,5 bis 5.0 km, das künstliche Atmungsklima von 5.0 bis 8.0 km, das
Gefahrklima von 8.0 bis 11.0 km und schließlich das Todesklima über 11 km Höhe,
Die Ausnutzung‘ der Klimate im den verschiedenen Stockwerken für den
Menschen und seine Gesundheit dürfte in unserem Luftfahrtzeitalter eine größere
Bedeutung gewinnen. Zu den Naturheilbädern der Gewässer und des Klimas am
Erdboden kommt das Naturheilbad der Hochluft, das Hochluftbad. Die Voraus-
setzungen und Methoden der Durchführung der Klimakuren weiter zu erforschen
und in die Praxis umzusetzen, wird eine Aufgabe z.B. der in diesem Jahre
gegründeten Reichsanstalt für das deutsche Bäderwesen in Breslau sein.
Abtrift und Luvwinkel,
Von Professor W. Immler VD1,
(Hierzu Tafel 34}
Zusammenfassung: Es werden die Beziehungen, erläutert, die zwischen Luvwinkel und Abtrift
im Winddreieck bestehen, und davor gewarnt, die beiden Werte einander gleichzusetzen,
Obwohl in allen Lehrbüchern der Luftnavigation auf das Fehlerhafte der
Meinung hingewiesen wird, findet sich in der Praxis häufig noch die Übung,
daß die ermittelte Abtrift eines Flugzeuges einfach mit entgegengesetzten Vor-
zeichen als Luywinkel vorgehalten wird. Dieser Zustand wird auch so lange
nachhkalten, als man einerseits keinen einfach zu bedienenden Abtrift- oder besser
gesagt Windmesser besitzt und andererseits die Meinung bestehen bleibt, als
ob durch ‚eine einzige Messung im Flugzeug der gesamte Wind erkannt und
damit der Luvwinkel berechnet werden könnte. Da aber die Grundlage des
Problems die Kenntnis des gesamten Windes, also seiner Richtung und seiner
Stärke voraussetzt, bleibt eben nichts anderes zu tun übrig, als zwei Dinge zu
messen und daraus die gewünschten Stücke zu ermitteln, Ob man nun als
Messungsobjekt Abtrift und Grundgeschwindigkeit, oder zwei Abtriften, oder
sonst zwei zugängliche und zweckdienliche Größen bestimmt, bleibt sich prinzipiell
gleichgültig. Es kommt dabei eben auf die Güte der Messung an und darauf,
ob sich das, was man haben will, aus diesen Meßgrundlagen einfach und bequem
ermitteln läßt, Ich habe schon häufig Gelegenheit genommen, darauf hinzuweisen,
daß man die Abtrift gar nicht zu kennen braucht, sondern durch sinnreiche und
einfache Geräte direkt auf die Windbestimmung hinausgehen sollte und. damit
insbesondere den Luvwinkel ermitteln könne, Solange man aber an.der zahlen:
mäßigen. Erfassung der Abtrift festklebt, wird auch der Irrtum nicht zu be-