Becker, Rı: Über den jährlichen. Temperaturgang‘ auf dem Atlantischen Ozean. 199
Die Anregung und Unterstützung bei der Untersuchung erhielt ich innerhalb
der klimatologischen Abteilung der Seewarte von Prof. E. Kuhlbrodt,
Die in den Isothermenkarten im. Atlas eingetragenen Temperaturmittel
konnten nicht ohne weiteres Verwendung finden. Zwar sind die zu unter-
suchenden. Punkte auf dem Atlantischen Ozean so ausgewählt worden, daß sie
möglichst nahe an einer Schiffahrtslinie liegen; trotzdem ist aber die Zahl der
Beobachtungen von Monat zu Monat und noch mehr im selben Monat zwischen
zwei benachbarten Punkten oft recht verschieden, was die Vergleichbarkeit
beeinträchtigt. Würde man die Beobachtungen eines größeren Flächenstückes
heranziehen, in dessen Mitte der interessierende Punkt liegt, so würde die
gestellte Aufgabe, nämlich die Darstellung der Temperaturverhältnisse in einem
Hestimmten Punkt, nicht gelöst werden, Besonders gilt dies für den Nordwesten
des Atlantischen Ozeans, wo ein sehr starker Gradient der monatlichen Mittel-
temperatur vorhanden ist,“
Aus diesen Gründen wurde zur Ermittlung der Temperaturwerte an den
fraglichen Punkten ein graphisches Verfahren gewählt, Die verwendeten Monats-
isothermenkarten enthalten die Linien gleicher Temperatur nur von 5° zu 5%
An. Hand der in den Karten enthaltenen Monatsmittel über 2°-Felder wurden
sun zunächst unter genauer Berücksichtigung dieser Werte die fehlenden. Iso-
thermen von 1° zu 1° ergänzt, Auf Grund des so erhaltenen Bildes wurden
dann geglättete 1°-Isothermen entworfen. Hierbei wurde darauf geachtet, daß
sich. einerseits die neuen Isothermen mit den bereits vorhandenen 5°-Linien zu
einem einheitlichen Bild vereinigen, daß aber andererseits Einzelheiten des Iso-
thermenverlaufes, falls ihre Realität wahrscheinlich erscheint, nicht verlorengehen.
Aus den so erhaltenen 1°-Isothermenkarten wurden nun, für die ins Auge
gyefaßten Punkte, für jeden Monat die Mitteltemperaturen unter Schätzung der
Zehntel abgelesen. Die so erhaltenen Zahlen sind jedoch noch nicht die end-
gültigen. Verlaufen nämlich die Isothermen sehr dicht, so ist es oft schwierig,
die Temperaturwerte genügend genau festzustellen. Liegen sie sehr weit, so
haben sie gewöhnlich auch einen komplizierten Verlauf, welcher die Interpolation
erschwert. Die Gebiete der letzteren Art findet man in Äquatornähe. Gerade
dort muß aber wegen der geringen Jahresamplitude eine besonders hohe Genauig-
keit verlangt werden.
Um die dadurch noch möglichen Fehler zu beseitigen, wurden die Wasser-
temperaturen herangezogen, deren. Vergleich mit der Lufttemperatur auch an
sich von großem Interesse ist. Die Wassertemperaturen wurden nach genau der
xjeichen Methode aus den Atlanten gewonnen wie die der Luft und enthalten
deshalb auch zunächst die gleichen Fehlerquellen, abgesehen von der Tatsache,
daß an Bord die Messung der Wassertemperatur sicherer ist als die der Luft-
temperatur; bei letzterer besteht stets die Gefahr, daß man etwas zu hohe Werte
mißt, Für jeden der ausgewählten Punkte wurden nun die Monatsmittel von
Luft- und Wassertemperatur in ein Koordinatensystem eingetragen und durch
zwei Linienzüge verbunden. Für die so erhaltenen Kurvenpaare ergab sich für
alle nicht dem Bereich des meteorologischen Aquators angehörigen Punkte die
Regel, daß bei steigender Lufttemperatur die Luft wärmer ist als das Wasser,
bei fallender Lufttemperatur aber kälter. Beachtet man diese Tatsache und
bedenkt man außerdem, daß Unstetigkeiten in der Krümmung jeder Kurve für
sich und im Verlauf der beiden Kurven zueinander unrichtigen Temperaturwerten
zuzuschreiben sind, so lassen sich die Reihen der Monatsmittel an Hand der
Kurven verbessern. Dabei stellte sich nun heraus, daß nur im Nordwesten des
Atlantischen Ozeans, wo ein sehr starker Gradient vorhanden ist, gelegentlich
größere Korrekturen angebracht werden mußten. Sonst waren Verbesserungen
nicht häufig und betrugen gewöhnlich nur wenige Zehntel Grad; nur einige
Male erreichten sie 0,5°,
Nach dieser Methode wurden die Monatsmittel der Luft- und Wassertempe-
ratur für 28 Punkte des Atlantischen Ozeans ermittelt, Sie sind nach meteoro-
logischen und praktischen Gesichtspunkten ausgewählt worden, Die wichtigste
Punktreihe, welche sich zwischen New York und Kapstadt erstreckt, hält sich