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Full text: 64, 1936

Rudloff, W.: Golfstromzyklonen. 
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Breitenkreises über dem Golfstrom die Bildung der Zyklonen erfolgt. Wegen 
jes ungenügenden Materials war es jedock bisher nicht möglich, diese Bildung 
näher zu erkennen. Die Zyklonen traten erst in Erscheinung, wenn sie als voll 
ontwickelte Zyklonen durch das Hinzutreten eines Fallgebietes wegen der in diesem 
arfolgenden weitergehenden .Labilisierung sich zu Sturmzyklonen entwickeln. 
Die Tatsache der Verknüpfung mit den von West nach Ost wandernden Druckwellen 
ist verschiedentlich im Schrifttum erwähnt. So schreibt Schostakowitsch (v0): 
„Es scheint, daß die Zyklone eine Örtliche Verstärkung der Luftdruckwellen 
Jarstellt, Die Druckwellen (Fallgebiete)} schöpfen. bei Durchgang durch die Orte 
mit dem Vorhandensein der stark entwickelten Temperaturgradienten eine 
Energiemenge, vertiefen sich und verwandeln sich in eine Zyklone. Dabei spielen 
sich alle dynamischen Vorgänge ab, welche von V. Bjerknes und seiner Schule 
erklärt sind.“ — In einer anderen Arbeit (20) sagt er: „Auf der nördlichen Halb- 
kugel schöpfen die atmosphärischen Vorgänge aus dem Gegensatz zwischen dem 
eisbedeckten, überkalten Grönland und nebenan weit nach Norden strömenden 
warmen Wasser (Golfstrom) eine enorme Energiemenge, Beim Vorübergehen des 
Fallgebietes bilden sich hier sehr günstige Bedingungen für die Zyklonen- 
entstehung, Es ist wohl möglich, daß fast jede 4,5 tätige Welle, welche überhaupt 
die größte Druckamplitude hat, eine Zyklone erzeugt. Gelegentlich bemerken 
wir nach Bjerknes: die Zyklonenfamilien folgen einander nicht regellos, sondern 
annähernd periodisch in Abständen von 5.5 Tagen.“ — In Tafel 3 fanden wir 
für die Lebensdauer der Zyklonen des Jahres 1881 die Zeit von fünf Tagen, 
die wohl gleichfalls in. diesen. Zusammenhang gehört. Das Bestehen der Druck- 
welle mit einer Schwingungsdauer von fünf Tagen ist ferner von Exner, 
Defant und anderen festgestellt. Die fast reine West-Ostbewegung dieser Wellen, 
die meist ungehindert über die Druckgebilde der Bodenwetterkarte ziehen, läßt 
auf ihre stratosphärische oder wenigstens hochtroposphärische Natur schließen. 
Ihnen wird von G. Stüve und R. Mügge (sı) die stratosphärische Steuerung des 
troposphärischen Wettergeschehens zugeschrieben. Diese stratosphärische 
Steuerung wird in Bewegungs- und Gleitsteuerung zerlegt. Wichtig für die 
Zyklonenentstehung ist die Gleitsteuerung, die in einen thermodynamischen und 
einen dynamischen Bestandteil zerfällt, Der erste hat zwar für den Wetterdienst 
and die Vorhersage bisher den größten Wert, da er aus den Isallobaren ersichtlich 
ist, für die größte Tiefe aber, die die Störung im Ablauf ihrer Entwieklung 
arreicht, wird die thermodynamische Gleitsteuerung von ausschlaggebender Be- 
deutung sein, Die Verfasser sagen auch: „Die Kondensationswärme eines Regen- 
gebietes kann. die vorhandene Aufgleitbewegung verstärken und dadurch die 
Entwicklung einer Zyklone beschleunigen. Dabei muß aber der Aufgleitvorgang 
selbst bereits durch eine andere Energiezufuhr ausgelöst sein.“ — Tritt die er- 
wähnte Beschleunigung in der Entwicklung nicht ein, so kann nur eine schwach 
entwickelte Zyklone vorhanden sein, Daher muß für die rasche Entwicklung 
der nordatlantischen Sturmzyklonen die thermodynamische Gleitsteuerung als 
notwendiger uud wichtigster Antrieb angeschen werden. In diesem Falle sind. 
aber thermodynamische Gleitsteuerung und Freiwerden von feuchtlabiler Energie 
grundsätzlich gleich, Folglich muß feuchtlabile Energie vorhanden sein, wenn 
Sturmzyklonen entstehen. Die Einleitung der schon vorhandenen Aufgleitbewegung 
erfolgt, wie oben angeführt, durch Labilisierung, die von einem vorstoßenden 
Steiggebiet durch Kaltluftaktivierung bewirkt wird. 
E. Verzeichnis der erwähnten Arbeiten. 
{M, Z, = Meteorologische Zeitschrift, AH =.Annalen der Hydrographie und maritinen Meteorologie.) 
1; Defant: M.Z. 1926, S. 121 bis 132, Die statistischen Untersuchungen über die Anomalien 
der allgemeinen Zirkulation. der Atmosphäre, 
2, Meinardus: M,Z. 18985, S. 85 bis 105, Über einige meteorologische Beziehungen zwischen dem 
nordatlantischen Ozean und Europa im Winterbalbjahr, 
3, Meinardus: M.Z. 1905, S, 398, Über Schwankungen der nordatlantischen Zirkulation und 
damit zusammenhängende Erscheinungen, a . | x 
Defant: Wien, Ak, 1916, Bd, 93, Auszug in den AH 1917, 5. 47 bis 65, Die Luftdruckverteilung 
NN EEE klanlAChen, Ozean auf Grund der Beobachtungsergebnisse der 25jährigen Periode 
is 1303, 
4
	        
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