Rudloff, W.: Golfstromzyklonen.
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Breitenkreises über dem Golfstrom die Bildung der Zyklonen erfolgt. Wegen
jes ungenügenden Materials war es jedock bisher nicht möglich, diese Bildung
näher zu erkennen. Die Zyklonen traten erst in Erscheinung, wenn sie als voll
ontwickelte Zyklonen durch das Hinzutreten eines Fallgebietes wegen der in diesem
arfolgenden weitergehenden .Labilisierung sich zu Sturmzyklonen entwickeln.
Die Tatsache der Verknüpfung mit den von West nach Ost wandernden Druckwellen
ist verschiedentlich im Schrifttum erwähnt. So schreibt Schostakowitsch (v0):
„Es scheint, daß die Zyklone eine Örtliche Verstärkung der Luftdruckwellen
Jarstellt, Die Druckwellen (Fallgebiete)} schöpfen. bei Durchgang durch die Orte
mit dem Vorhandensein der stark entwickelten Temperaturgradienten eine
Energiemenge, vertiefen sich und verwandeln sich in eine Zyklone. Dabei spielen
sich alle dynamischen Vorgänge ab, welche von V. Bjerknes und seiner Schule
erklärt sind.“ — In einer anderen Arbeit (20) sagt er: „Auf der nördlichen Halb-
kugel schöpfen die atmosphärischen Vorgänge aus dem Gegensatz zwischen dem
eisbedeckten, überkalten Grönland und nebenan weit nach Norden strömenden
warmen Wasser (Golfstrom) eine enorme Energiemenge, Beim Vorübergehen des
Fallgebietes bilden sich hier sehr günstige Bedingungen für die Zyklonen-
entstehung, Es ist wohl möglich, daß fast jede 4,5 tätige Welle, welche überhaupt
die größte Druckamplitude hat, eine Zyklone erzeugt. Gelegentlich bemerken
wir nach Bjerknes: die Zyklonenfamilien folgen einander nicht regellos, sondern
annähernd periodisch in Abständen von 5.5 Tagen.“ — In Tafel 3 fanden wir
für die Lebensdauer der Zyklonen des Jahres 1881 die Zeit von fünf Tagen,
die wohl gleichfalls in. diesen. Zusammenhang gehört. Das Bestehen der Druck-
welle mit einer Schwingungsdauer von fünf Tagen ist ferner von Exner,
Defant und anderen festgestellt. Die fast reine West-Ostbewegung dieser Wellen,
die meist ungehindert über die Druckgebilde der Bodenwetterkarte ziehen, läßt
auf ihre stratosphärische oder wenigstens hochtroposphärische Natur schließen.
Ihnen wird von G. Stüve und R. Mügge (sı) die stratosphärische Steuerung des
troposphärischen Wettergeschehens zugeschrieben. Diese stratosphärische
Steuerung wird in Bewegungs- und Gleitsteuerung zerlegt. Wichtig für die
Zyklonenentstehung ist die Gleitsteuerung, die in einen thermodynamischen und
einen dynamischen Bestandteil zerfällt, Der erste hat zwar für den Wetterdienst
and die Vorhersage bisher den größten Wert, da er aus den Isallobaren ersichtlich
ist, für die größte Tiefe aber, die die Störung im Ablauf ihrer Entwieklung
arreicht, wird die thermodynamische Gleitsteuerung von ausschlaggebender Be-
deutung sein, Die Verfasser sagen auch: „Die Kondensationswärme eines Regen-
gebietes kann. die vorhandene Aufgleitbewegung verstärken und dadurch die
Entwicklung einer Zyklone beschleunigen. Dabei muß aber der Aufgleitvorgang
selbst bereits durch eine andere Energiezufuhr ausgelöst sein.“ — Tritt die er-
wähnte Beschleunigung in der Entwicklung nicht ein, so kann nur eine schwach
entwickelte Zyklone vorhanden sein, Daher muß für die rasche Entwicklung
der nordatlantischen Sturmzyklonen die thermodynamische Gleitsteuerung als
notwendiger uud wichtigster Antrieb angeschen werden. In diesem Falle sind.
aber thermodynamische Gleitsteuerung und Freiwerden von feuchtlabiler Energie
grundsätzlich gleich, Folglich muß feuchtlabile Energie vorhanden sein, wenn
Sturmzyklonen entstehen. Die Einleitung der schon vorhandenen Aufgleitbewegung
erfolgt, wie oben angeführt, durch Labilisierung, die von einem vorstoßenden
Steiggebiet durch Kaltluftaktivierung bewirkt wird.
E. Verzeichnis der erwähnten Arbeiten.
{M, Z, = Meteorologische Zeitschrift, AH =.Annalen der Hydrographie und maritinen Meteorologie.)
1; Defant: M.Z. 1926, S. 121 bis 132, Die statistischen Untersuchungen über die Anomalien
der allgemeinen Zirkulation. der Atmosphäre,
2, Meinardus: M,Z. 18985, S. 85 bis 105, Über einige meteorologische Beziehungen zwischen dem
nordatlantischen Ozean und Europa im Winterbalbjahr,
3, Meinardus: M.Z. 1905, S, 398, Über Schwankungen der nordatlantischen Zirkulation und
damit zusammenhängende Erscheinungen, a . | x
Defant: Wien, Ak, 1916, Bd, 93, Auszug in den AH 1917, 5. 47 bis 65, Die Luftdruckverteilung
NN EEE klanlAChen, Ozean auf Grund der Beobachtungsergebnisse der 25jährigen Periode
is 1303,
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