L62 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Apr} 1936,
geschwindigkeit sich zur Zeit des Wirbelsturmdurchganges geändert hatte,
wurde bereits erörtert. Mithin muß auch die Steiggeschwindigkeit sich geändert
haben, Es bleibt aber noch die Frage offen, ob eine solche Änderung durch
den örtlichen Wind, in unserem Falle also durch den Wirbelsturm, überhaupt
hervorgerufen werden kann. An folgendem ‚Beispiel soll diese Frage unter-
sucht werden.
Es wurde schon erwähnt, daß am 4. August 1980, dem Tage des Auftretens
des Wirbelsturmes, ein sehr böiger Wind aus Südsüdost bis Südsüdwest wehte
(vgl. Abb, 1). An diesem Tage war das Niedrigwasser in Wangerooge-Ost um
13% Uhr eingetreten, Der nun einsetzende Flutstrom, der am Pegel. Wangerooge-
Dst vorbei nach Süden läuft (Abb. 2), ist also gegen den Wind gerichtet. In
diesem Falle, wo Wind und Strom gegeneinander gerichtet sind, muß eine Zunahme
der Windgeschwindigkeit dem auflaufenden (steigenden) Wasser einen ver-
stärkten Widerstand enigegensetzen und auf das Steigen des Wasserspiegels
hemmend einwirken. Andererseits wird ein Nachlassen des Windes bewirken,
daß das Wasser wieder etwas schneller steigt.
Betrachten wir nun diese Zusammenhänge an der Pegelkurve Wangerooge-
Ost vom 4. August 1930 und der Windgeschwindigkeitskurve des Windschreibers
auf der Strandbake in Wangerooge-Ost. Wichtig ist, daß beide Meßorte nicht
weit voneinander entfernt liegen, in unserem Falle rund 900 m. Auf Abb. $ ist
von links unten ansteigend die Pegelkurve aufgezeichnet. Da diese die Wasser-
spiegelschwankungen nicht ohne weiteres deutlich in Erscheinung freten läßt,
berechnen wir uns zunächst aus ihr die Steiggeschwindigkeiten in em/5 Min.
In Abb. 5 sind unter 1 die Steiggeschwindigkeitskurven für die mittlere Tide.
und für die Tide am 4. August 1930 für die ersten drei Stunden nach Niedrig-
wasser übereinandergezeichnet. Die aus dem Unterschiede dieser beiden Kurven
sich ergebenden Werte sind sodann. von einer Geraden aus aufgetragen worden
(Kurve 2 der Abb, 5). In Kurve 3 endlich sind die Windgeschwindigkeiten aus
der Abb.1 nochmals dargestellt. Der Vergleich der Schwankungen der Kurven 2
und 3 (vgl. die eingezeichneten Pfeile) zeigt nun in sehr anschaulicher Weise,
daß die örtlichen Sturmschwankungen mit einer auffallenden Gesetzmäßigkeit
in der Steiggeschwindigkeitskurve aufgezeichnet sind. Jede Änderung der
Windgeschwindigkeit hat eine Änderung der Steiggeschwindigkeit der Pegel.
kurve zur Folge. Und zwar entspricht einer Zunahme der Windgeschwindigkeit
in unserem Beispiel eine Abnahme der Steiggeschwindigkeit und umgekehrt.
Wir können also mit Sicherheit annehmen, daß der Wirbelsturm im Gebiet
seiner Zugstraße neben einer Störung des Gezeitenstromes auch die Gezeiten-
bewegung vorübergehend gestört hat,
Meteorologische Beobachtungen zwischen + 50° und —35° Breite auf
einer astronomischen Forschungsreise im Frühjahr 1933.
Von Dr. N. Richter, Universitätssternwarte Berlin-Babelsberg.
(Hierzu Tabellentafel 23}
Die in vorliegender Arbeit mitgeteilten Beobachtungen sind als Neben-
programm einer nach astronomischen Gesichtspunkten unternommenen Forschungs-
reise entstanden, Sie erheben deshalb nicht den Anspruch exaktester meteorolo-
gischer Messungen, Dafür fehlt schon das Einhalten genauer Beobachtungstermine,
das sich mit Rücksicht auf die astronomischen Ziele (Sternschnuppenbeobachtungen
and Phöotometrie des Nachthimmels, des Zodiakallichtes und der Milchstraße)
nicht durchführen ließ. Die meteorologischen Aufzeichnungen sind mehr vom
Standpunkte des Astronomen aus entstanden, den hauptsächlich die Bewölkungs-
and Sichtverhältnisse interessieren. Daraus ist auch die stellenweise etwas von
ler sonstigen meteorologischen. Terminologie abweichende Darstellungsweise zu
erklären, Die Veröffentlichung an dieser Stelle geschieht deshalb, weil die Nacht-
beobachtungen, die ja im allgemeinen aus diesen Breiten ganz fehlen oder selten