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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 64 (1936)

52 Annalen der Hydrographie ind Mariimen Meteorologie, April 1056 
wohl zu koönvektiven Hochwolken (Praecipitans- Formen von Ui, Ast, Aeu) kommen, 
aber nicht zu Cumulonimbusgewölk; dessen Entstehung verlangt vielmehr eine 
Beteiligung: niedriger Atmosphärenschichten an der Umlagerung, weil in der 
Regel nur die unteren 3 bis 4 km den für Cumnlonimbusbildung nötigen. Feuchtig- 
keitsgehalt. besitzen, oft: sogar nur die dem Boden aufliegende Kilometerschicht 
ihn. besitzt}). 
[ch vermag mich einiger $ypischer Fülle von „Hochschanermm“ (entweder mächtiger Ci densus 
and umeinus oder ‚Acı praeeipflans, Graupelgehänge mit heftiger Böigkeit in der Höhe bei Ylugzeug- 
aufstiegen) über Hamburg za erinnern, ohue daß auf diese Erscheinungen Gewitter folgten, sofern es 
sieh. bei Omen nicht um Verfallgerscheinungen schon stattgefundener Gewitter handelte, Nor der 
Acu castellatus wurde des öfteren‘ als Vorbote von Gewittern beobachtet. Reichliche Wölken- uud 
Fallstreifenbildung in der oberes fe mi die aus dort herrschender hoher relativer Feuchtigkeit 
cegultiert, wird. im Gegentel manchmal kemmend auf die Cumulomimbusbildung einwirken können, 
Denn der Wärmeüberschuß der von unten aufsteigenden Luft über die Höhenluft wird 
Keringer, wenn oben bereits stärkere Kondensation eingesetzt hat und enfaprechend 
Kondensationswärme dort freigeworden ist. Deshalb scheint es für die Gewitterbildung: — 
bei gleicher thermischer Schichtung — günstiger zu sein, wenn zwischen 5 und. 10 Ik Höhe die 
Feuchtigkeit nicht schr graß. unten aber hoch ist. ; 
Die Untersuchung dieses Gewitters läßt mit einiger Sicherheit erkennen, daß 
seine Ursache in dem niedrigen. troposphärischen Vorgängen (Heißluftyorstoß) 
zu suchen ist, und. daß für die Auslösung ein Druckfallgebiet nebst konvergenter 
Laftbewegung ausschlaggebend ist. Die Rolle der Höhenkaltluft erscheint als 
rein. passiv: Diese sorgt nur für die Möglich keit der gewittrigen Umlagerung, 
Die Anschauung von Seifert, daß für dies Gewitter und für die ähnlich 
velagerten Scherhagschen Gewitterfälle ein aus Südwest vordringender primärer 
Druckanstieg (Vorstoß des subtropischen Hochs) von ausschlaggebender Bedeu- 
tun sel, kann. ebensowenig geteilt werden wie seine Änsicht, daß der Druckfall 
erst eine Folge der feuchtlabilen Umlagerungen sei®%, Das Druckfallgebiet ist 
länge vor der Gewitterentstehung vorhanden; es kann — und konnte im prak- 
(schen Wetterdienst schon. — gerade als Indizium für die Vorhersage solcher 
Gewitter verwandt werden, 
Welcher Natar — ob advektiv oder dynamisch bedingt — die diesen Ge- 
wittertyp kennzeichnenden Druekfallstufen bei Gewitterende sind und wie ihr 
Zustandekommen gedeutet werden kann, bleibe hier dahingestellt, Da die Druck- 
fallgebiete bei diesen Gewittern eine starke Poltendenz haben, womit sehr 
warme Luftmassen in die Nachbarschaft kälterer aus der Westwinddrift geführt 
werden, ist ihre allgemeine Verstärkung nach Überschreiten von 50° Breite 
verständlich, 
Von. einem aktiven. Vorstoß des subtropischen Hochs ist In unserem Falle 
nichts zu bemerken: die Abb. 8 zeigt, daß der Druckfall vom 19, auf den 20. August 
an. Verbreitung und Intensität beträchtlich gewonnen hat und daB dem nach 
Dänemark gezogenen. Fallgebiet ein zweites über Westeuropa angegliedert ist. 
Der Druckfall umfaßt außerdem gewitter- und wolkenfreie Räume großen Aus-« 
maßes, was mit der Seifertschen Annahme, daß er eine Folge fteuchtlabiler 
Umlagerungen sel, schwer in Einklang zu bringen. ist. 
5, Die Vorhersage der Warmlufteinschub-Gewitter, 
Es wäre notwendig, bei geeigneter Wetterlage durch besondere aerologische 
Sondierungen, die zeitlich und räumlich dem Gewitter nabeliegen, die Vorgänge 
bei diesem von Scherhag entdeckten Gewittertypus noch näher zu erfassen; er 
sei einstweilen als Warmlufteinschub-Gewitter bezeichnet, wodurch weniger 
schön als deutlich die wahrscheinliche Entstehungsweise wiedergegeben wird, 
Die kürzlich eingerichtete Wetiterflugstelle auf Norderney könnte zum 
Studium der Erscheinung wertvolle Beiträge liefern. Für die deutschen Küsten- 
yebiete, die Nordsee und Ostsee bis nach Skandinavien hinauf ist diese Art von 
{j Daher auch die enge #tatistische Beziehung zwischen Dampfdruck am Boden und Gewitter 
hänfigkeit; vgl. R. Seherhag, Über die atmosphärischen. Zustände bei Gewittern, Diss. Berlin 1981, 
A, 14 bis 16. Im Einzelfall ist jedoch noch die Horizontalversetzung der aufsteigenden Laft- 
massen. zu berücksichtigen, die zur Vertikalbewegung an TFröntflächen im Verhältnis 200 :;1 stehen 
kann, Deshalb müßte man den Dampfdruck von dort in Rechnung stellen, wo die Vertikalbewegung 
vom Boden ihren Ausgang pin. — Z) Seifert, aa, 0, SS. 302,
	        
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