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Full text: 64, 1936

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Annalen der Hydrographie und Maritinen, Meteorologie, Aprıl 1036, 
Für die an der Oberseite der Warmluftzunge eintretenden Verhältnisse läßt 
sich folgendes schließen: | 
Über Hamburg-Lindenberg herrscht am Morgen des 19. August in 21% km 
Höhe eine Temperatur von etwa 9°, über Kjeller-Linköping eine solche von 
42°, Bei einer Höhenströmung aus nordwestlicher Richtung wird. bei Blagrands- 
huk jedenfalls auch noch mittags, zur Zeit der Gewitterentstehung, eher eine 
niedrigere als eine höhere Temperatur im 2. km-Niveau geherrscht haben als 
morgens über Hamburg (sonst hätte hier ein schöärfere Rechtsdrehung des 
Windes im der Höhe verzeichnet werden müssen Man wird vielleicht: eine 
Temperatur von +4 7° in. 2, km Höhe hier im Norden ansetzen können, Die 
Kontinentalluft aber, die an der Warmfrontfläche mit etwa 32° den Boden verläßt, 
kommt mit +17° in 1° km Höhe an, wenn. sie sich trockenadiabatisch abkühlt, 
Begiunnt dam die Kondensation, 20 kühlt sich die aufsteigende Wolkenluft zur 
mehr nach der Kondensationsadiabaten ab, während über ibr — mit 10° (4 17° 
auf ++ 7°) Temperaturabfall pro 1000 m — trockenadiabatisches Gefälle herrscht. 
Die Jabile Schichtung an der Oberseite der Warmluft gestattet der 
Wolkenluft demnach das weitere, verstärkte Aufsteigen, Da die antizyklonale 
Sechrumpfungsinversion. von Hamburg-Lindenberg in 3 bis 4 km Höhe über 
Linköping noch nicht vorhanden (vgl. Abb, 12) und über Blaavandshuk wohl 
nur schwach ausgeprägt ist, dürfte Ihre Durchbrechung wegen des Wärme- 
überschusses der aufsteigenden Wolkenluft nicht besonders schwer fallen. Der 
nach der Nordsee vworgestoßene Warmluftwulst kann. also durch Aufquellen bis 
in. große Höhen den Gewitter-Cumulonimbus bilden. 
Es. wird hiernach auch die besondere Struktur des Gewitlterzuges, 
die in der 1, Mitteilung geschildert wurde, besser verständlich. Die größere 
Intensität und. längere Dauer der Gewitter auf der Nordseite des Gewitterzuges 
erklärt sich daraus, daß der Entstehungsherd. in der tieferliegenden, hier etwa 
von. WSW nach ENE strömenden Warmluft liegt, was mit den Zugrichtungs- 
angaben auf der Nordseite (West-Ost. bis Südwest-Nordost} übereinstimmt. Der 
Sitz des Gewitters selbst ist aber in der heftigen nordwestlichen Oberströmung, 
36 daß die Gewitterwolke als Schwimmer rasch nach Südosten. abtreibt, sich 
damit von ihrem Entstehungs- bzw, Neubildungsberde entfernend. Auf der Süd- 
seite des Gewitterzuges (Linie Helgoland-Berlin} tritt die Auflösung deshalb ein, 
weil Innerhalb der nordwestlichen Höhenströmung das horizontale Temperatur- 
gefälle von Westdeutschland nach Skandinavien gerichtet ist und die Bedin- 
gungen. für einen Umsturz infolge zunehmender Höhenwärme immer ungünstiger 
werden, Hier wird endlich die Gewitterwolke ein rein passiver „Schwimmer“ 
[Trockenbö), mit scharf von WNW nach ESE abgeschnittenem Rand seines Cirro- 
stratusschirms, und die Zugrichtung wird allgemein zu NW-SE angegeben, Auf 
der Nordseite des Gewitterzuges selzt die Reichweite des unteren. Warmluft- 
vorstoßes, dem durch die aufsteigende und abtreibende Wolkenluft gewissermaßen 
die Spitze abgebrochen wird, der Gewittertätigkeit ein natürliches Ende. 
Damit es. zur Bildung der Gewitterwolken über der Nordsee kommt, ist zu- 
nächst einmal ein geschlossenes Aufsteigen der Warmluft bis etwa 1500 m er- 
lorderlich. Für dieses Aufsteigen muß dem Seewind. insofern eine erhebliche 
Rolle zugeschrieben werden, als er die Strömungskonvergenz an der Bodenwarm- 
front der Kontinentalluff im. Laufe des Tages aufrechterhält bzw. verstärkt. 
Max Kaiser hat In seiner Arbeit über Land- und Seewinde an der deutschen 
Detsecküste!) festgestellt, daß bei vorgegebenen. Südost- bis Ostwinden sich die 
Seehrise, wie es zu erwarten ist, in einem Rüeckdrehen der Winde äußert. Die 
nachfolgende Tabelle zeigt, daß dieser Vorgang auch am 19% August an. der süd- 
lichen. Nordseeküste stattfindet, trotzdem für den Nachweis keine zünstiger ge- 
ljegenen Küstenstationen. herangezogen wurden. | | 
Das Rückdrehen und gleichzeitige Auffrischen des Windes tritt bereits um 
die Mittagszeit ein und erreicht um 17 Uhr ein ausgeprägtes Maximum — wobei 
allerdings. die Kaltluft der inzwischen asufgetretenen Nordseegewitter noch. mit 
5 AH, 1907, S {18 bik 129 0, & 140 bie 168, vol. besonders &. 158.
	        
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