Rodewald, M.: Das norddeutsche Hochdruck-Gewitter rom 19. August 1982. 145
An Hand der 24stündigen Luftdruckänderungen, von denen hier nur die
vom 19. bis 20, August und die vom 18. his 19, August Platz finden können
[Tafel 19, Abb. 7 und 8), läßt sich die Bahn dieses Druckfallgebiets zurück-
verfolgen. Es ergibt sich die bemerkenswerte Tatsache, daß es am. 15. August
von der Noräwestecke Afrikas seinen Ausgang genommen hat — nachdem. 68
rorher vom. westlichen Mittelmeer nach dort hingewandert war -—, daß es vom
16. bis 19, August westlich Spanien und Frankreich nach Norden heraufgezogen
ist, dabei zunächst nur sehr schwach ausgeprägt, Vom 19. bis 20. August
schwenkt es dann, seine Intensität und Geschwindigkeit erheblich steigernd, nach
Dänemark herüber und liegt am 21. schon über Finnland, wobei das letzte Ab-
biegen nach Norden allerdings wesentlich durch die Vereinigung mit einem
skandinavischen Druckfallgebiet anderen Ursprungs zustande kommt.
In Abb. 9, Tafel 19, ist die Bahn des Druckfallgebiets vom 16. bis 21. August
verzeichnet. Nach den Karten der 24stündigen Temperaturänderung, von denen
hier wenigstens zwei, als Abb. 10 und 11 der Tafel 19, wiedergegeben seien, ist
das Druckfallgebiet rechter Hand von einer Wärmewelle begleitet, die ziemlich
eng mit ihm gekoppelt und deutlich bis nach Spanien zurückzuverfolgen ist.
[Ihre Bahn ist ebenfalls aus Abb. 9 zu ersehen.
Die Herkunft des Druckfallgebiets und des Erwärmungsgebiets zeigt den
Vorstoß kontinentaler Tropikluft an, und. die Zuordnung von Druckfall und Er-
wärmung ergibt in Norddeutschland noch z, T. den seltenen Fall eines am Boden
ausgeprägten Warmfrontdurchgangs, So hört z B. in Hamburg der Luftdruck-
fall am 20. August, nachts 3% Uhr, auf (Änderung von 0 bis 4 Uhr — 15 mm,
von 4 bis 8 Uhr — 0.2 mm); um 3% Uhr beginnt die Erwärmung, die etwa
i Stunde dauert, 2.2° beträgt und mit Drehung des Windes von Südost nach
Südwest verbunden ist, Es sei aber bemerkt, daß auch hier der Warmfront-
durchgang wesentlich eine Folge der Druckänderungsverteilung ist, daß m. a. W.
nicht ein. Überwiegen des „sekundären“ Druckfalls aus der Koppelung allein zu
schließen ist; diese Koppelung hat auf engem Raume starke Unterschiede: Nörd-
lich Hamburg, in Cuxhaven, Kiel, List auf Sylt, setzt die Erwärmung — auch
etwa 2° betragend. — bereits in der Zeit zwischen 23 und 1 Uhr ein und ist
zZ. T. einige Zeit vor Beendigung des Druckfalls abgeschlossen,
3, Die atmosphärische Zustandsänderung am Gewitfertage,
Der ganze bisherige Befund. deutet darauf hin, daß das geschilderte Hoch-
idruckgewitter von jenem Typus ist, den R. Scherhag bei den nordwest-
deutschen Nachtgewittern gefunden und weitgehend geklärt hat!), Der
Zustand der freien Atmosphäre am 19, August 1932 und dessen Änderungen bis
zum 20, August geben hierüber weitere Aufschlüsse.
Die Aufstiegspaare Duxford-Le Bourget, Hamburg -Lindenberg, Kjeller-Lin-
köping (vgl. Abb. 12, Tafel 19) lassen die Unterschiede zwischen der westeuro-
päischen Heißluft, der neutralen Warmluft des norddeutschen Hochs und der
randlichen. Kaltluft Nordeuropas erkennen. Die Unterschiede über Südskandi-
uavien, Nordwestdeutschland, Westeuropa selbst, wie sie durch. die entsprechen-
len Aufstiegspaare wiedergegeben werden, sind gering genug, um aus jedem
Paar eine genäherte Mittelkurve zu bilden. Dies ist in Abb. 13, Tafel 19, ge-
schehen, wobei vergleichshalber alle Aufstiege, zuch die nachmittäglichen von
Westeuropa, als von 8 Uhr-Temperaturen in 0 m Höhe ausgehend gesetzt wurden
and die niedrigeren Aufstiege von Le Bourget, Lindenberg, Kjeller — den
Nachbarkurven aus Abb. 12 entsprechend — bis 5 km Höhe extrapoliert wurden,
Die Temperaturdifferenzen an den Halbkilometerstufen sind zwischen die Mittel-
kurven geschrieben; rechts stehen die Differenzen zwischen der westeuropäischen
Heißluft (Kurve W) und der nordeuropäischen Kaltluft (Kurve N). |
Im Mittel bis 5 km Höhe. ist die kontinentale Tropikluft über Nordfrank-
reich—Südengland 14° wärmer als die maritime, in Lee des Gebirges föhnig
erwärmte Polarluft über Südskandinavien, Die Luft des norddeutschen Hochs
5 AUHE, 1982, 8. 184ff, ©. 3R1fE, S, 360fE und A, MH. 193% 8, MLfE.