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Full text: 64, 1936

144 Annalen. der Hydrographie und Maritimerx Meteorologie, April 1936, 
1. Die Höhenströmung über dem Gewittergebiet und seiner Nachbarschaft, 
Eine besondere Merkwürdigkeit des Gewitters vom 19. August 1932 ist, daß 
es nicht in einem Gebiet zyklonaler, sondern in einem solchen antizyklonaler 
Luftbewegung auftritt und daß es von Westmordwest nach Ostsüdost mit der 
Geschwindigkeit von annähernd 100 Stundenkilometern = 28m/sec. über einen 
Hochdruckkeil hinwegzieht, Diese Richtung tınd Geschwindigkeit stimmt über- 
ein mit den Ergebnissen der Hamburger Höhenwindmessungen, wie sie Abb. 1, 
Tafel 19, zeigt (Werte in m/sec). Wir finden oberhalb 4 km Höhe einen durch- 
gehenden Westnordwest von mehr als 20 m/sec um 8 Uhr, mit einem Maximum 
von 40 m/sec in 6 km Höhe (ein. zweites Maximum von 40 bis 42 m/sec aus West 
bis WzN hHegt in 12 bis 13 km Höhe), Auch der 14 Uhr-Pilot, welcher 5 km 
Höhe erreichte, ergibt am Gipfel 24 bis 25 m/sec aus WzN, so daß zwischen 
5 und 7km Höhe die Gewitterführung anzunehmen ist, 
Die Winde über Deutschland. am 19, mittags in 1 km Höhe (Tafel 19, Abb. 2) 
zeigen antizyklonalen Drehsinnm um ein Hochdruckzentrum über der Maingegend, 
Die ausgeprägte Strömungsdivergenz des deutsch-dänischen Hochdruckkeiles am 
Boden ist allerdings schon. in dieser Höhe verschwunden; sie zeigt sich ganz 
schwach längs der Elbe zwischen Südwestwinden westlich und Westnordwest- 
winden Östlich des Stromes, Wie nach der Temperaturverteilung zu erwarten, 
verschiebt sich das deutsche Hochdruckgebiet ebenso wie sein nördlicher Keil 
mit wachsender Höhe weiter nach Westen, 
In 4 km Höhe liegt es bereits über dem Gebiet der französischen Heißluft, 
mit dem Zentrum in der Gegend nördlich Reims, und. sein. nördlicher Keil ist 
bis zum Osteingang des Englischen Kanals nach Westen verschoben. In diesem 
Niveau erstreckt sich, wie aus Abb, 3, Tafel 19, hervorgeht, die baltische Nord- 
westströmung westwärts bis zum Rhein; hier ist sie allerdings bedeutend 
sehwächer als in der Zone Nordsee— Schweden, wo sie gleichförmig mit 20 bis 
22 m/sec weht. 
Die vertikale Windverteilung über dem Gewitterherd ist demnach so, daß 
über schwachem südöstlichem Bodenwind in der Schicht um 1 km Höhe mäßiger 
Südwest weht, der von einer stürmischen Lu£ftströmung aus Westnordwest über- 
lagert ist. Östlich der Elbe und über der Ostsee herrscht die nordwestliche 
Strömung vom Boden an bis in größte Höhen und nimmt mit der Höhe ledig- 
lHeh an Stärke zu. 
2, Die Bahn des gewitterverbundenen Druckfallgebiets und. der Wärmewelle. 
Der Drucksturz war kennzeichnend für das Gewitter, und da er nur die 
Steigerung eines auch außerhalb des Gewitters vorhandenen Druckfalles war, so 
ist zunächst nach der Herkunft und Natur dieses Druckfallgebiets zu fragen, 
Die Karte der 6stündigen Luftdruckänderung‘ vom Morgen. des Gewitter- 
tages bis zum Gewittereinfritt in der Deutschen Bucht (Tafel 19, Abb, 4) zeigt 
ein Druckfallgebiet, das langgestreckt von Ostengland nach Nordwestdeutschland 
herüberreicht und dessen Zentrum über der südwestlichen Nordsee liegt, Bis 
19 Uhr — der Zeit, wo die Gewitterstörung Östlich. Rügen erlischt —- ist auch 
das Druckfallgebiet kräftig bis Mecklenburg vorgedrungen (Tafel 19, Abb. 5), 
und die Druckänderungen während der folgenden Nacht — mit den Gewittern 
yon. Südnorwegen bis Hinterpommern — ergeben, daß sich das Zentrum des 
vertieften Druckwellentales nach der Zone Kattegat—Bornholm bewegt hat 
{Tafel 19, Abb. 6}. 
Die Gewitter treten also am vorderen Rande des Druckfallgebiets auf, Das 
Druckfallgebiet aber zieht nicht mit der oberen Nordwestströmung, sondern 
wandert von Westsüdwest nach Ostnordost, Schon hieraus ergibt sich, daß 
die primäre Ursache des Gewitters nicht in. der oberen Nordwestströmung liegt, 
etwa gekoppelt mit einem Druckfall erzeugenden Kaltluftvorstoß in hohen Atmo- 
sphärenschichten, Vielmehr scheint es sich um das präfrontale Druckfall- 
gebiet vor der vorstoßenden westeuropäischen Heißluft zu handeln, deren 
Lage und frontmäßige Begrenzung in der ersten Mitteilung geschildert wurde, Es 
fällt anderseits etwa zusammen mit dem erwähnten Nordkeil des Höhenhochs,
	        
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