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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 44 (1916)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie. Januar 1916. 
2. Von der Reibung bzw. Dämpfung des Systems, also vom Verhältnis 
g:n = h, Die Seichesbewegungen in Seen und Meeresbuchten sind gegenüber 
der Seetiefe lange Wellen; in bezug auf die Wellenbewegung stellt der See bloß 
eine ganz dünne Wasserschicht dar. Die Bewegung des Wassers in den Schwingungen, 
die gleichsam als ein Rollen hin und her als Ganzes in dem Seebecken aufgefaßt 
werden kann, erlischt nicht so sehr durch innere Reibung als durch die Reibung 
des Wassers am Boden, Hierauf hat zuerst Emden!) aufmerksam gemacht, 
Er sagt: »Die verschiedenen Formeln, die die Schwingungsdauer einer Seiche 
bestimmen, können den Erfahrungen befriedigend angepaßt werden; sie sind 
abgeleitet unter der Voraussetzung langer Wellen (Tiefe des Sees klein gegen 
dessen Länge, die für die Grundschwingung gleich der halben Wellenlänge ist). 
In den Seiches bewegt sich die Wassermasse als Ganzes; Differentialgeschwindig- 
keiten im Wasser treten kaum auf, Die Geschwindigkeit des Erlöschens ist nicht 
mehr geregelt durch die innere Reibung des Wassers, sondern ist lediglich bedingt 
durch die Beschaffenheit des Seebeckens. Die Geschwindigkeit, mit welcher eine 
Seiche erlischt, muß für verschieden gestaltete Seebecken verschieden ausfallen, 
wobei lokale Unregelmäßigkeiten des Seebodens, wie Klippen, Bänke u. a., von 
größtem Einfluß sein können. Dieses individuelle Verhalten eines Seebeckens 
kann in Gestalt eines sogenannten logarithmischen Dekrementes numerisch zum 
Ausdruck gebracht werden«. Das Schwingungssystem ist vollständig ungedämpft, 
wenn h = 0 ist; die Schwingungen erfolgen aperiodisch, wenn h = 1 wird. 
Über die Dämpfung der schwingenden Bewegung der Wassermassen in 
Seen wissen wir sehr wenig. In der Seichesliteratur wird fast nie davon gesprochen. 
Emden erwähnt, daß sich aus den Seicheskurven des Starnberger Sees das 
logarithmische Dekrement zu ungefähr 0.03 ergibt, Für den Gardasee läßt sich 
aus den Limnographenaufzeichnungen des Jahres 1903 in Riva?) die Größe 2 
bestimmen; aus 10 Bestimmungen erhielt ich im allgemeinen Mittel 4 = 0.0238; 
die Werte schwanken zwischen 0.0348 und 0.0083, Zwei Werte von der Größen- 
ordnung 0.055 wurden ausgeschaltet; im Schwingungsbilde dieser Fälle traten außer 
der Grundschwingung auch Oberschwingungen auf, die eine Ermittlung von 2 
unsicher machen; vielleicht ist 2 bei Vorhandensein mehrerer Schwingungs- 
formen größer! 
Außerdem fand ich in der Abhandlung von A. Endrös »Die Vibrationen 
der Seen«3) Bemerkungen über das Abklingen von Schwingungen, die in einem 
kleineren Fischweiher (80 m lang, 45 m breit, h bei Mittelwasser 0.5 m) nach 
einer bestimmten Methode erzeugt wurden; man findet 4 = 0.0677 bei der 
Grundschwingung. Das ist alles, was ich an Ermittlungen von / finden konnte. 
Die allgemeine Größenordnung scheint bei 0.05 zu liegen; zum Vergleich 
führe ich die Bestimmung des logarithmischen Dekrements aus den Schwingungen 
von Wichert-Pendeln in vollkommen ungedämpftem Zustande (also bloß Reibung!) an. 
Horizontalpendel. 
Bei der N—S-Komponente ergab sich 4 = 0.155] Eichungen vom 
x W—O- « « « 2 = 0.073f 22. Januar 1915. 
Vertikalpendel. 
4 = 0.052 Eichung vom 12. Juli 1915. 
Dies weist auf die äußerst geringe Dämpfung der Schwingungsbewegung 
der Wassermassen in Seen hin, die durch Reibung am Boden hervorgerufen wird. 
Das logarithmische Dekrement 4, das von dem Flächeninhalte der Wandungen 
des Seebeckens und von deren Oberflächenbeschaffenheit abhängt, ist eine charak- 
teristische Konstante eines Sees, die der Ermittlung wert ist. 
3. Die Schwingungsbewegung u hängt noch von der Größe A ab. In dieser 
spiegelt sich die Empfindlichkeit des Sees bzw. der Meeresbucht gegenüber Kraft- 
1) R. Emden, Der Energiegebalt der »Seiches«. Jahrbuch der St. Gallischen Naturwiss. 
Gesellschaft. 1905. 
2) A. Defant, Uber die stehenden ‘Seespiegelschwankungen (Seiches) in Riva am Gardasee, 
Sitzungsbericht der Wiener Akademie 117. Mai 1908, Abt. IIa. 
3) Programm des Königl. hum., Gymnasiums Freising 1910/11.
	        
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