Heinze, H.: Über schnelle Ladungsänderungen in Gewitterwolken, 131
mit Hilfe des Klingelknopfes zweimal geschlossen, so daß zwei Löcher im Registrier-
streifen den Blitz kennzeichneten. Gleichzeitig wurden im Protokollbuch die
besonderen Daten des Blitzes (Erde, Wolke, verzweigt, kurz oder lang‘dauernd
usw.) eingetragen, Der folgende Donner fand seine Kennzeichnung durch nur
gine Marke. Von Zeit zu Zeit wurden außerdem besondere Kontrollmarken
gemächt. So bestand die Möglichkeit, alle beobachteten Daten genau in Über-
einstimmung zu bringen mit den Aufzeichnungen des Registrierinstruments,
Die Registrierapparatur erwies sich als sehr empfindlich gegen periodische
Störungen. Erst durch die Ausschaltung des im Gebäude befindlichen Licht-
und Kraftstromnetzes war; eine einwandfreie Registrierung zu erreichen. Als
Erde wurde ein 7 m langes, dickes Kupferband benutzt. Dieses Band lag in
einem am Hause vorbeifließenden Graben. So war eine gute Erde gewährleistet,
Die Registrierapparatur wurde, nachdem sie einwandfrei arbeitete, qualitativ
geeicht, Zu diesem Zweck wurden von der in Abb. 1 gezeigten Schaltung die
Wilsonplatte P und die Erde E abgeschaltet (s. Abb. 2, a u. b, Tafel 17), Von
einem Akkumulator wurde dann mit Hilfe einer Potentiometerschaltung (Abb. 2a)
eine bestimmte Potentialdifferenz (Größenordnung 0.04 bis 0.2 Volt) abgegriffen
und mit dem einen Pol an den Punkt (P), mit dem anderen an den Punkt (E)
gelegt. Lag bei dieser Anordnung der negative Pol der Spannungsdifferenz
an (P), so zeigte das Registrierinstrument R einen Ausschlag, wie ihn die ersten
Ausschläge der Registrierungen A, C, E in der Abb. 2 zeigen. Es sollen im
folgenden derart gerichtete Ausschläge immer mit „nach oben“ bezeichnet werden.
{Sämtliche Registrierungen sind in der vorliegenden Arbeit so abgebildet, daß
zeitlich später registrierte Punkte vom Beschauer aus gesehen rechts von zeitlich
früher registrierten liegen.) — Sofort nach dem Ausschlag nach oben fällt die
Registrierung wieder ab. Das ist folgendermaßen zu erklären: Durch obige
Anordnung wird die Spannungsdifferenz Zwischen Gitter Gy, und Kathode K, der
ersten Röhre geändert. Der dadurch bedingte geänderte Anodenstrom verändert
nach dem Ohmschen Gesetz den Spannungsabfall am Widerstand Wa. Parallel
zu diesem Widerstand liegt der Kondensator C, der damit!auch ein anderes
Potential erhält, d,h. seine Ladung ändert sich nach der Gleichung q==V-C,
wo q die Ladung, V die Spannung, C die Kapazität des Kondensators ist. Der
Ausgleichsstrom, der die Kapazität umlädt und auf das neue Potential bringt,
fließt durch den Widerstand Wg, und erzeugt hier wieder zwischen den Enden
eine Spannungsdifferenz, Der eine Pol dieser Spannungsdifferenz liegt am Gitter
Gau der andere am negativen Pol der Gittervorspannungsbatterie Vo. Es wird
also durch diese zusätzliche Spannungsdifferenz die Gesamtspannung zwischen
GG, und Kathode K, geändert. Dadurch wird der Strom im Anodenkreis der
Röhre L4150D auch ein anderer und bewirkt den Ausschlag des Registrier-
geräts R., Nach diesem durch die veränderte Gitterspannung an GC, bewirkten
Ausschlag bleiben. die Verhältnisse im Anodenkreis der ersten Röhre so wie
geschildert. Der Strom ist jetzt dort konstant. Die Spannungsdifferenz an den
Enden von W,, bleibt also auch konstant, und damit nimmt der Aufladungsstrom
zum. Kondensator C langsam ab, Die Spannung an GC, geht so wieder auf den
Ausgangswert zurück and, als Folge davon, auch der Anodenstrom in der letzten
Röhre. Der Ausschlag des Registriergeräts bewegt sich also, wie aus Abb, 2, A,
Cund E zu ersehen ist, langsam zurück. — Wird jetzt die zusätzliche negative
Spannung an (P) wieder entfernt, so haben wir denselben Vorgang wie vorher,
nur in entgegengesetzter Kichtung, da ja die oben gegebene Erklärung sich
in allen Punkten umkehrt. Das zeigt Abb, 2, A, C, E, in der zweiten Zacke
nach unten, — Legt man umgekehrt zuerst eine zusätzliche positire Spannung
von der gleichen Größenordnung wie öben angegeben an (P), so hat das die
gleiche Wirkung wie die Entfernung der zusätzlichen negativen Spannung bei
dem obigen Versuch: Der Ausschlag geht nach unten, während der Ausschlag
nach oben erfolgt beim Ablegen der positiven Spannung. Abb. 2, B, D, F, zeigt
das deutlich. — Solche plötzlichen Änderungen der Gitterspannungen der ersten
Röhre wurden mit Spannungen von 0.04 bis 0.2 Volt gemacht und dabei natürlich
immer ein anderer Ausschlag in der Registrierung erzielt, Die Amplitude des