Kleinere Mitteilungen.
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5. Wissenschaftliche Ergebnisse der Deutschen Grönland - Expedition
Alfred Wegener 1929 uud 1930/31. Herausgegeben im Auftrage der Not-
gemeinschaft der Deutschen Wissenschaft von Kurt Wegener, Band IV: Meteo-
rologie, 1. Halbband: Das Beobachtungsmaterial von Johannes Geörgi,
Rupert Holzapfel und Walter Kopp. Anhang. Gezeitenbeobachtungen
von Heinrich Rauschelbach. Mit 625 Abbildungen, Tabellen und Karten.
Verlag von F, A. Brockhaus, Leipzig 1935,
Ein Halbband von 559 Seiten: Hierin deutet sich schon rein äußerlich der
Umfang der meteorologischen Beobachtungen an, die auf Alfred Wegeners
letzter und größter Grönland-Expedition gewonnen wurden, Das Buch enthält,
abgesehen von dem Anhang, der vom Wasserstande und von den Gezeiten des
Kamarujuk-Fjordes handelt, nur meteorologische Beobachtungen, wobei Kopp
den Beitrag von der Osistation am Scoresby-Sund, Georgi den von der Haupt-
station Eismitte, Holzapfel den von der westlichen Basisstation am Inlandeis-
rande und von der Station. Umanak lieferte. Hiermit ist das meteorologische
Beobachtungsmaterial aber noch nicht erschöpft: Ein Teil von „EBismitte“ steht
aoch im 2. Halbband „Meteorologie“, der im übrigen die Diskussion der Be-
obachtungsergebnisse bringen wird, zu erwarten; auch auf die Sonderbeiträge
in Band I des Werkes (Geschichte der Expedition von K. Wegener) muß
hier verwiesen werden, die z. B. Messungen der Ultrastrahlung (K, Wölcken),
die barometrische Höhenkurve (K, Wegener), die Schneepegelbeobachtungen
({F. Loewe und K. Wegener), das Schneefegen (K. Wegener und R. Holz-
apfel) behandeln. |
Die Ergebnisse einer Polarexpedition können nur gewürdigt werden unter
Berücksichtigung der Schwierigkeiten, mit denen sie hat kämpfen müssen,
Auch wenn, wie bei dieser Deutschen Grönland-Expedition, die Umsicht, Tatkraft
und Erfahrung eines großen Forschers in dem Unternehmen steht, bleibt zudem
vieles vom der Gunst oder Ungunst des Schicksals abhängig. Daß die Haupt-
expedition im Anfang Mai 1930 bei Umanak auf so widrige Eisverbältnisse
traf und mehr als fünf kostbare Wochen mit Warten verlor, die man für die
späteren Transporte und Arbeiten auf dem Inlandeise, vor Beginn des frühen
Grönlandwinters, so dringend benötigt hätte, war von ungünstig enischeidender
Bedeutung‘ — nicht nur für die Ausrüstung der Eismittestation.
Der Band I der Ergebnisse „Geschichte der Expedition“ von Kurt Wegener
und das ebenfalls im Verlage Brockhaus erschienene, von Else Wegener
herausgegebene vrolkstümliche Expeditionswerk „Alfred Wegeners letzte
Grönlandfiahrt“ geben dem Benutzer dieses Materialbandes ein eindringliches
Bild von dem mühevollen Unterbau der Becobachtungsgewinnung, Mit wieviel
Erfindergeist und technischem Können die einzelnen Stationsbesatzungen dann
ihre Instrumente und Methoden den extremen klimatischen Verhältnissen an-
zupassen versucht und angepaßt haben, das wird aus zahlreichen Kapiteln dieses
[V. Bandes selbst deutlich, |
Es ist aber auch bei einer solchen Materialsammlung zu fragen, welche
wissenschaftliche Aufgabe gestellt war und wie weit das dadurch gesteckte
Programm seinen Niederschlag in den Beobachtungen. gefunden hat.
Alfred Wegeners Plan findet sich abgedruckt in Bd.I der „Wissenschaftl.
Ergebnisse“, S.31f. und — ausführlicher — als „Denkschrift über Inlandeis-
Expedition nach Grönland“ in „Deutsche Forschung“ der Denkschriften-
sammlung der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, Heft 2, 5. 181—205,
Hier gliedert Wegener den Abschnitt Meteorologie der Expedition im drei
Hauptaufgaben:
1. Eine klimatologische Winterstation im zentralen Firngebiet
des Inlandeises in 2500 bis 3000 m Seehöhe.
2, Ein aerologischer Querschnitt durch die glaziale Antizyklone,
3, Kleinere Meteorologie-Arbeiten,
Die zentrale Firnstation sollte insbesondere Material zur Lösung‘ jener Pro-
bleme Hefern, die Wegener auf Grund seiner früheren Grönlandforschungen,
zumal seiner Inlandeis-Überquerung mit J. P. Koch 19138, bewegten. Die