[00 Annalen. der Hydrographie and Maritimen Meteorologie, März 1936,
Westwinddrift im Jahrzehnt 1921 bis 1930 noch ein weit größeres Ausmaß
erreicht, daß sich sowohl das Island- wie das Al&utentiel im Winter um fast 5 mb
vertieft haben und daß der Luftdruck im gesamten Roßbreitengürtel erheblich
zugenommen hat. |
Mit dieser Zunahme der Zirkulation hängt zweifellos auch das Zurück-
weichen der Eisgrenze zusammen, und daraus erklärt sich die Tatsache, daß die
Temperaturanomalie gerade an der Eiskante ihren größten Betrag erreicht.
Wie weit hierbei eine Zunahme des Golfstroms eine Rolle spielt, müßten weitere
Untersuchungen von 6zeanographischer Seite klären,
Zum Schluß sei noch auf das gänzlich abweichende Verhalten des Teizten
Winters hingewiesen, der zum erstenmal seit längerer Zeit eine völlige Er-
lahmung der Zyklonentätigkeit im isländischen Raum gebracht hat, so daß die
Temperaturen in Mygg Bukta und Jan Mayen sowie in Angmagsalik im Januar
erheblich unter dem Regelwert lagen und z. Bin Jan Mayen mit — 15° die
erößte negative Abweichung eines Wintermönats seit Beginn der dortigen Beob-
achtungen im Jahre 1922 brachte, Daß zur gleichen Zeit in Spitzbergen aber
trotz häufiger Ostwinde noch die enorme positive Abweichung von. + 9.1°, auf
der Bäreninsel von 4 6.1° und zu Godharn an der grönländischen Westküste
gar von -+ 10.4° erreicht wurde, zeigt wohl am besten, wie gewaltig die Eis-
bedeckung abgenommen haben muß und daß wiele Jahre geringer Zirkulation
nötig sein werden, um die Eisgrenze des Polargebiets wieder milileren Ver-
hältnissen. zuzuführen.
Zur Kenntnis der Quellgebiete atmosphärischer Unruhe.
Von Dr, Ferdinand TravmaiGek, Graz,
Der mit jedem Jahr zunehmende, immer weitere Gebiete unseres Planeten
umfassende Flugverkehr läßt es in höherem Grade als je zuvor wünschenswert
erscheinen, das statistische Problem der atmosphärischen Unruhe neu auf-
zunehmen und. objektiv zu bearbeiten. Obwohl auf diesem Gebiete z.B. am
Elemente des Luftdruckes schon zahlreiche Arbeiten vorliegen — an ihrer Spitze
stehen unzweifelhaft jene von W, Köppen, z. B. M.Z. 1942, 8.97 —, hielt man
es bis heute noch nicht für nötig, den allgemeinen. Unruhebegriff näher zu
präzisieren. Man hatte ihn noch nicht folgerecht in. alle seine Teile, die prin-
zipiell verschiedenen Maße der Veränderlichkeit zerlegt und sich bemüht, dieselben
sinzeln in ihrer geographischen Verteilung aufzunehmen und zusammenhängend
zu verstehen, .
Nachfolgender Aufsatz bemüht sich nun, dies in den Grundzügen zu leisten
ünd sein wesentlichstes Ergebnis, die Einsicht in Lage und Ursache der großen
Entstehungs- oder Quellgebiete atmosphärischer Unruhe, in zwei über-
sichtlichen. Darstellungen zu veranschaulichen,
Als Anzeiger atmosphärischer Unruhe kämen in erster Linie direkte Mes-
sungen der Windgeschwindigkeit und Windrichtung sowie Angaben über beider
Veränderlichkeit für alle Höhenlagen in Betracht, Naturgemäß sind solche aber
nicht vorliegend, Es gibt heute weder dauernd einwandfrei registrierende Meß-
geräte der Windgeschwindigkeit (siehe M. Z. 1983, S. 3) noch auch die yenügende
Anzahl von Stationen, welche die entsprechenden Daten aus allen Erdteilen und
Niveauflächen uns zu Hefern vermöchten. Das Ziel einer vollständigen und
eichtigen Statistik der Windverhältnisse und ihrer Änderungen. mit der Zeit
müßte daher wohl noch für sehr lange Zeit als praktisch unerreichbar bezeichnet
werden, An die Stelle von Windangaben kann aber ein anderes, exakter Mes-
sung‘ zugängliches Element mit seiner Unruhe?) treten, das als ‚Anzeiger mitt-
4 Die totale barometrische Unruhe wäre auzügeben durch die Summe sämtlicher nicht
manometrisch bedingten Schwankungen des Barometermeniskas innerhalb längerer oder kürzerer
Zeitinterralle, Der beschränkten En wegen it sie aber bei nieht. vorhandenen
Barogrammen. “mittelbar nur angenühert, als interdinzne oder bestenfalls intertermine Laftdmek-
veränderlichkeit zu bestimmen. Nur für das Mittel aus längeren Jahrreihen kann, wie in der
M.Z, 1029, 8.71. gezeigt worden ist, xueh ihr roller Wert graphisch extrapolatorisch erschlossen werden.