76 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1934.
hier aber hervorragend deutlich, ausgebildet. Er begann um 4.30h früh und
erreichte um 5b sein Maximum mit -}- 0.48 m, worauf das Wasser binnen wenigen
Minuten auf — 0.274 m sank. Der Wind sprang nach den Beobachtungen des
dortigen Pegelwärters von 20h des 19. August bis 8b des 20. August von WNW 3
nach SO 2 um. (Also wie in ähnlichen Fällen keine besonders hohe Windstärke.)
Die anderen Stationen zeigen um diese Zeit nichts Bemerkenswertes außer
Wismar, wo zu gleicher Zeit ein Fallen des Wassers um 14 cm stattfand, und
Pillau, wo fast gleichzeitig Seiches von 1 bis 1!/, Stunden Dauer und 20 cm
Amplitude einsetzten, die bis weit über das Ende des Tages hinaus anhielten,
Die Wetterlage war in dieser Zeit die folgende: Das in 2 erwähnte flache
Teiltief hatte sich in östlicher Richtung ausgedehnt, während weiter östlich ein
Hochdruckausläufer lag. Im allgemeinen erstreckte sich am Morgen des 21. August
ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet vom Atlantischen Ozean über England und
Schleswig-Holstein bis zum Baltikum. Hier traf es zusammen mit den Süd-
ausläufern eines anderen Tiefdruckgebietes, dessen Kern nördlich vom Nordkap
Jag, während sich die Isobaren keil- oder zungenförmig nach Süden hin aus-
breiteten. Am Mittag des 21. August lag — soweit die infolge Gewittererschei:
nungen sehr spärlichen Meldungen erkennen lassen —. ein flaches Tief über
Mecklenburg, das bis zum Abend in ostnordöstlicher Richtung zog und sich mit
ainem in Polen entstandenen Teiltief vereinigte. Alle diese Tiefs besaßen als
„Randstörungen“ nur geringe Intensität. Der Vorübergang des letztgenannten
aber dürfte Anlaß gegeben haben zu dem
4. Seebären vom 21. August in Stolpmünde. Das Wasser stieg hier von 21h
ab in kurzer Zeit auf + 0.450 m, um dann bis 22b auf — 0.020 m zu fallen.
Nach den Beobachtungen des Pegelwärters war mittags WNW 4, abends 20%,
kurz vor Ausbruch des Seebären, NO2. Also auch hier wieder ziemlich geringe
Windstärken, nur daß der Windumsprung in der Luft sich diesmal eher be-
merkbar machte als im Wasser. Es folgte dann noch eine Reihe seichesähnlicher
Schwankungen von 3 bis 5 Stunden Dauer?), die bis Ende des 23. August anhielten.
Dieser zweite Seebär hat sich durch starke Wasserstandsschwankungen auch
an den anderen Stationen bemerkbar gemacht (vgl. die Tafel 9): so stieg auch
gleichzeitig in Wismar das Wasser um 24 em, in Pillau um 28 em. In Pillau
würde man von einem echten Seebären reden können, wenn der steile Anstieg
nicht zwei- bis dreimal unterbrochen wäre. Vielleicht ist hierbei das Wasser
des Haffs im Spiel gewesen. Hier in Pillau haben die Querseiches des Haffs?)
aber seit dem ersten Seebären ununterbrochen angehalten, —
Soviel über die Seebären vom 20. und 21. August und ihre mutmaßliche
Entstehung.
Il. Die Seebären in der Ostsee vom 10. und 11. September 1932.
Il. Wie schon in der Einleitung bemerkt, trat bereits drei Wochen nach dem
ersten ein zweiter Seebär in Erscheinung und wieder stellenweise doppelt. Wieder
war auch in Stolpmünde das Phänomen am deutlichsten ausgebildet. (Vgl. die
Tafel 9.) Diesmal ist aber ein Zusammenhang mit „geknickten Isobaren“ unver-
kennbar, vgl. das folgende.
2. Wetterlage. Am 10. September 1932 um 14h lag ein Teilminimum über
der Odermündung. Sein Kern mit 1005 mb war schmal-elliptisch, die lange Achse
verlief nordsüdlich. Um 19% erschien es über Danzig nur noch als Ausbuchtung
einer 1005 mb-Isobare, die ein sehr umfangreiches, dreikerniges Tiefdruckgebiet
über dem europäischen Nordmeer umschloß. Bei seinem Vorüberzug längs der
Südküste der Ostsee hat es höchstwahrscheinlich die Seebären von Stolpmünde
und Pillau verursacht). .
3. Beschreibung der Seebären. In Stolpmünde begann der Seebär um
17.40b, das Wasser stieg rasch von + 0.050 m auf + 0.436 m, um dann langsamer
ıy Auch dies scheint auf ein unterirdisches Becken nördlich Stolpmünde hinzuweisen, Die Sache
verdient wohl näher geprüft zu werden. — ?%) Zu den Seiches unserer beiden ostpreußischen Haffs
vgl. man jetzt verschiedene Aufsätze von Lettau, siehe Jahr. Ber. des Preuß. Geodät. Inst, für April
1932— März 1933, 8. 20. [Zusatz bei der Korr.] — %) Ganz ähulich war die Wetterlage bei dem See-
bären von Stolpmünde in dem eingaugs aufgeführten Aufsatz von O. Meißner,