Kalle, K.: Meereskundl. chemische Untersuch. mit Hilfe des Zeißschen Pulfrich-Photometers, 69
Wie sich aus Tabelle 1 und der dazugehörigen Fig, 1 ergibt, ist der Verlauf
Jer Absorptionskurven in destilliertem Wasser und an künstlichem Meerwasser
in großen Zügen der gleiche, Am violetten Ende des Spektrums ist die Absorption
am geringsten, steigt dann langsam an und erreicht bei S 72 ein Maximum, um
dann bei S 70 wieder ein wenig zu fallen. Filter S 72 dürfte demnach für
die vorliegende Phosphatbestimmung am geeignetsten sein,
Auffällig bei näherer Betrachtung der Kurven ist die Erscheinung, daß im
rioletten und blauen Teil des Spektrums die Absorption an Meerwasser merklich
höher ist als an destilliertem Wasser. Dies ist gleichbedeutend mit einem Gelb-
stich der blauen Molybdänfarbe bei Untersuchungen an Meerwasser gegenüber
der Blaufärbung bei Versuchen an destilliertem Wasser (siehe auch K. Buch) (8).
Dieser Unterschied im Farbton ist für Untersuchungen, die nach dem spektro-
photometrischen Prinzip arbeiten, belanglos, da man die Messungen in einem
spektral eng begrenzten Bereich ausführt. Sobald man jedoch nach dem ge-
wöhnlichen kolorimetrischen Verfahren die Gesamtfärbungen zweier Lösungen gegen-
einander vergleicht, kann sich dieser Unterschied im Farbton störend bemerkbar
machen (siehe W. R. G, Atkins) (9).
Die Annahme, daß sich dieser Gelbstich auf eine Verunreinigung des künst-
lichen Meerwassers mit Kieselsäure zurückführen ließe, erwies sich als falsch
(Tabelle 1, Versuch 3). Es ergab sich vielmehr, daß an seinem Zustandekommen
Molybdat, Chlorid und zweiwertige Zinnionen beteiligt sind*). Eine Erhöhung
des Zinnchlorür-Reagenzzusatzes führt daher bereits von sich aus zum Auftreten
des Gelbstiches, wie aus Tabelle 1, Versuch 4, hervorgeht. Auch hier ist die
Absorptionskurve bevorzugt im violetten Teil des Spektrums gegenüber der
Grundversuchskurve erhöht. Da das Auftreten des Gelbtones bei Meerwasser-
roben demnach mit ihrem Chloridgehalt eng verknüpft ist, dürfte sich diese
bei der gewöhnlichen Kolorimetrie störende Erscheinung wohl nur dadurch um-
zehen lassen, daß man entweder Vergleichslösungen von annähernd gleichem Chlor-
zehalt benutzt oder sich Standardiösungen mittels geeigneter Farbstoffe herstellt
(siehe H, Wattenberg) (6).
Il. Veränderliche: Molybdänschwefelsäurereagenz,
Zwecks getrennter Prüfung des Einflusses von Säure- und Molybdatmenge
wurden sechs verschiedene Molybdänschwefelsäure-Mischungen hergestellt. Dabei
wurde so vorgegangen, daß jede vorhergehende Lösung bei gleicher Schwefel-
säuremenge } 2mal so viel Ammoniummolybdat enthielt als die folgende Lösung.
Dıe Lösungen enthielten auf 100 cem: .
[Lösung
Konzentrierte Schwefel-
sÄäunre
10% Amm.molybdat-
Lösung
ı com Lösung =
ccm 3 NaOH
{Methyliroti
3 com 56,6 com
30) > 40 ”
AV 28.3
30 20
30 41
30 0»
Vergleichsweise folgen die entsprechenden Werte für „Osloer Reagenz“:
Osloer Reagenz | (etwa 40.5 ccm) **) . 25.26 com | 13.85 cem,
. Berechnet auf den Säuretiter von 1050, der dem Osloer Reagenz gemäß
der obigen Tabelle auf Grund seines Verhältnisses von Schwefelsäure/Molybdat
etwa zukommt, entspricht demnach 1 ccm Osloer Reagenz 1.32 ccm (5) der
obigen Lösungen. Oder um in der Größenordnung der obigen Tabelle zu bleiben:
10,70 ccm
10.66
10.60
1051
10.49
10.49
*) Sehr schön läßt sich das Auftreten des gelben Farbtones zeigen, wenn man an phosphatfreiem
destilliertem Wasser den Grundversuch ausführt und einen Teil der Lösung in einem Reagenzglas
mit NaCl-Kristallen sättigt,
**, Für das Osloer Reagenz wurde eine andere Ausgangsschwefelsäure benutzt.