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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1934,
In Bodennähe ergibt sich im Mittel eine ganz schwache Zunahme der spezi-
fischen Feuchtigkeit. Doch sind positive und negative Anderungen fast gleich
häufig, ausgesprochener ist das Ergebnis für die höheren Schichten über dem
Nebel und Stratus bei 500 bis 2000 m, wo die Feuchtigkeit stark abnimmt. Die
Umwandlung der Wetterlage ist also derart, daß die Luft in der Höhe nicht
allein relativ, sondern auch absolut trockener wird, ein Umstand, der für die
Nebel- und Stratusbildung insofern von besonderer Bedeutung ist, als er die
effektive Wärmeausstrahlung der unteren Luftschichten und damit die Nebel-
bildung begünstigt. Es ergibt sich daraus, daß die Feuchtigkeitsverhält-
nisse und ihre Änderungen in den höheren Schichten von ausschlag-
gebender Wichtigkeit für die Bildung von tiefen Schichtwolken sind,
da durch sie die Strahlungsbilanz bestimmt wird,
8. Der Herkunft der Luftmassen bei der Entstehung des Nebels, Die Beant-
wortung dieser nach den modernen Anschauungen‘ der Meteorologie wichtigen
Frage ist bei den Nebel- und Stratusschichten des Bodenseegebietes naturgemäß
schwierig. Die Unterscheidung nach Strahlungs-, Luftmassen- und Mischungs-
nebeln, die in den letzten Jahren von verschiedenen Seiten in sehr detaillierter
Weise versucht worden ist, und bis zu einem gewissen Grade in den Küsten-
gebieten auch mit Erfolg durchführbar ist, stößt in dem Alpenvorland auf die
größten Schwierigkeiten. Einmal ist es schon an sich schwierig, die Herkunft
der Luftmassen, in der die Nebelbildung erfolgt, mit Sicherheit zu bestimmen,
da auf dem langen Wege über dem Kontinent die charakteristischen Merkmale
der maritimen und polaren Luftmassen besonders durch den Austausch mit der
Erdoberfläche, aber auch mit den höheren Luftschichten verwischt werden,
andererseits werden die Luftmassen durch die. lokalen Einflüsse der Stauung,
Föhnwirkung und der großen Wasserfläche des Bodensees in mannigfacher und
sehr verwickelter. Weise verändert,
Durch sorgfältiges Studium der der Nebel- und Stratusbildung in den hier
behandelten Fällen vorangehenden Wetterlagen wurde versucht, über die Her-
kunft der Luftmassen etwas zu erfahren. Das Ergebnis liefert Tabelle 6. Es
sind 7 Typen unterschieden,
Tabelle 6, Herkunft der Luftmasse über dem Bodenseegebiet bei der Nebelbildung,
Kontinentale Maritime —Kontinentale Abgekühlte sub-
Kaltluft Westluft Polarluft tropische Warmluft
Zahl der Fälle... 22 9 6 5
Maritime Kaltluft Maritime Polarluft Herkunft unbestimmt
Zahl der Fälle... 2 2 15
1. Der häufigste Fall ist der mit kontinentaler Kaltluft, deren Ursprung
über Ost- oder Südosteuropa liegt; im letzteren Falle ist die Luft entlang dem
nördlichen Alpenrande hergeholt. In diesen Fällen wirken, besonders bei Hoch-
nebel Stauungsvorgänge am Alpenrande mit, teilweise ist der Nebel auch eine
jokale Erscheinung des Bodensees.
2, In diesem Falle, in dem es unentschieden gelassen werden mußte, ob die
als maritime Westluft bezeichnete Luft in weiterer Entfernung über dem atlan-
tischen Ozean aus niederen oder höheren Breiten stammt, also ursprünglich als
Warm- oder Kaltluft anzusprechen ist, spielt die Veränderung der charakte-
ristischen Merkmale durch thermische und turbulente Vorgänge über dem Fest-
land die größte Rolle. In den meisten Fällen (kalte Jahreszeit) ist die Luft in
Bodennähe unterwegs stark abgekühlt und langt bereits mit hoher relativer
Feuchtigkeit im Alpenvorland an, so daß sich häufig ausgedehnte Nebel- und
Hochnebeldecken unter dem Einfluß der Wärmeausstrahlung und der Stauung
bilden können. Eine ausschlaggebende Rolle spielen aber auch in diesem Falle
die höheren Luftschichten, besonders ihr Wasserdampfgehalt.
3. In einigen Fällen ist einwandfrei festzustellen, daß die Nebelbildung in
kontinentaler Kaltluft erfolgt, deren Ursprung über NE-Europa liegt. Stauung
and Ausstrahlung über dem Alpenvorland sind auch hierbei von größter Wich-
tigkeit für die Bildung der tiefen Schichtwolken,