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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 62 (1934)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1934. 
physikalischem Wege einen Anhalt über das Maß der Reversibilität meteoro- 
logischer Vorgänge erlangen. 
Durch Falckenberg und Stoecker!) wurde überdies klargestellt, daß 
Strahlungsvorgänge allein, ohne jede Mitwirkung von ungeordneten Massen- 
transporten oder Molekülbewegungen eine Wärmescheinleitung von beachtlicher 
Größenordnung in der Atmosphäre erzeugen Der Anteil derselben darf jedoch 
nicht aus dem Verhältnis der für Temperatur und Bewegungsgröße ermittelten 
Mischungswege errechnet werden; es bleibt nämlich noch eine weitere Möglichkeit 
zur Erklärung der Tatsache, daß Wärme stärker als Geschwindigkeit aus- 
getauscht wird. Dasselbe Verhalten stellte man eindeutig bei hydrodynamischen 
Untersuchungen (Ausbreitungsvorgänge im Freistrahl) fest, und P. Ruden?) führt 
diese Erscheinung ausschließlich auf die sogenannte „Drehkonvektion“ zurück. 
Anschaulich läßt sich leicht klar machen, daß bei Drehung um ein nicht ganz- 
zahliges Vielfaches von 360° ein Luftballen, welcher stets in gleicher Höhe 
bleibt, Temperatur austauscht, ohne daß nach dem Schwerpunktsatz Bewegungs- 
größe ausgetauscht wird. Voraussetzung dabei ist, daß die Temperaturverteilung 
in einem solchen Luftballen nicht homogen ist, Dies kann als erfüllt angesehen 
werden, und solche Drehbewegungen führen die einzelnen Teile strömender Luft 
höchstwahrscheinlich aus, wobei jedoch weniger an echte Wirbel als an Pende- 
lungen zu denken ist. N 
Nach den vorstehenden Überlegungen wird es verständlich, daß die aus 
mittleren Schwankungen und mittleren Gradienten errechneten Mischungswege 
für Temperatur größer ausfallen als für Windgeschwindigkeit. Von der wahren 
Erkenntnis des tatsächlichen, äußerst verwickelten Vorganges und über die 
zahlenmäßige Bedeutung der verschiedenen Anteile wissen wir vorläufig noch 
recht wenig; hier bleibt noch viel Arbeit, experimentelle wie theoretische, zu 
leisten, — Ein von H, Ertel®) abgeleiteter Satz, daß die Schwankungen zweier 
meteorologischer Elemente sich verhalten wie ihre vertikalen Gradienten, muß 
also durch die weitere Voraussetzung eingeschränkt werden, daß sowohl Grad 
der Reversibilität als auch Mechanismus beim vertikalen Durchmischungsvorgang 
[ür beide Elemente der gleiche ist. 
H. Ertel gibt an gleicher Stelle noch die Grundlagen zur Berechnung des 
Austauschkoeffizienten selbst mit Hilfe der aus unserer Zusammenstellung ent- 
nehmbaren Größen. Es gilt allgemein, wenn E eine Eigenschaft der Luft bedeutet: 
SE ($) 
A => Om DE © 
(52)m 
Wir erhalten somit als Austauschkoeffizienten für Windgeschwindigkeit 
Aw==2.8 cm—-1gsec71l, für Temperatur dagegen Ar= 20.0 em7!g sec-71, also um 
nahezu eine Zehnerpotenz voneinander abweichende Werte. Die meteorologischen 
Verhältnisse waren dabei ungeändert gewesen, was Wind- und Temperatur- 
registrierungen vor und nach den hier eingehender bearbeiteten Reihen er- 
wiesen. Die Gründe zu der großen Verschiedenheit von Aw und Ar wurden oben 
dargelegt, der mittlere Mischungsweg geht nämlich quadratisch ein, Eine von 
Prandtl%4) angegebene Formel für den Austauschkoeffizienten, die auf Grund 
von Vorstellungen über Verteilung von Scherkräften abgeleitet wurde, enthält 
unmittelbar das Quadrat des Mischungsweges (l) und lautet: 
dw 
A= 00 (57): 
Setzen wir /=71 cm, so ergibt sich A= 4.7 cm-!gsec-l, Als mittlere Schub- 
spannung s gilt 7a (dw\? 
eu 
dz m 
s weist die Größe von 3.7 dyn pro Quadratzentimeter auf. 
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1) Beitr, z. Phys, d. fr, Atm. XIIT, S, 246 —269. Vgl. auch: Met, Zechr, 1931, S. 341—346, — 
2) Naturwissenschafıen, 1933, S. 375; es sei b>merkt, daß die Ergebnisse Rudens auch durch „Strahlungs- 
austausch‘ erklärt werden könnten, — 3) Gerlands Beitr, z. Geophysik, 25, 1930, S. 279—289. — 
‘t) Beitr. z. Phys. d. fr. Atmosph. 19, S. 188—202,
	        
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