Peters, H.: Theorie der eintägigen Gezeiten im Südchinesischen Mecre und im Golf von Mexiko. 5
und im Juni, Juli ist der höchste Stand erreicht, Besser aber als bei den
einzelnen Reihen zeigt uns auch hier der Durchschnitt (wagerechte Reihe
summiert, geteilt durch 12) die Wirkung der Deklination der Sonne.
Das Hochwasser nimmt ab von Januar bis März und erreicht im März
(Sonne im Äquator) den niedrigsten Stand. Von März bis Juli steigt es und
nimmt wieder ab bis September. Soweit also decken sich‘ Beobachtung und
Theorie. Nun aber müßte nach der letzteren wieder eine Zunahme bis Dezember
einsetzen, und doch finden wir hier statt dessen eine wenn auch nur geringe
Abnahme, nur von Oktober bis November ist eine geringe Zunahme zu ver-
zeichnen. Hier ist also die Wirkung der Monsune stärker als die Wirkung der
Deklination der Sonne, die trotzdem sehr deutlich hervortritt. Der Verlauf der
Kurven von September bis März zeigt eine schnelle Abnahme an, wenn Sonnen-
deklination und Monsunwinde in derselben Richtung wirken, Dezember bis März;
die Abnahme ist dagegen nur. gering, wenn die Wirkung der Sonnendeklination
den anderen Einflüssen entgegengesetzt ist, September bis Dezember.
Die Hoffmannsche Tabelle IV gibt eine Beobachtungsreihe der Wasser-
stände zu Pakhoi vom Juli bis Dezember 1877. Auch hier läßt das Mittel aus
dieser Reihe das gesetzmäßige, der Theorie entsprechende Verhalten der Er-
scheinung deutlich genug hervortreten, Das niedrigste Hochwasser fällt auch
hier auf den zweiten und dritten Tag nach dem Monddurchgang durch den
Äquator, nur einmal, im Oktober, auf den vierten. Die höchsten Hochwasser
liegen etwa sieben Tage später. Nr. 4 auf Tafel 1 zeigt die graphische Dar-
stellung des Mittelwertes.
Besonders interessant und die Richtigkeit der Theorie beweisend ist die
Tabelle VI, da dieselbe auch die Niedrigwasser angibt. Die Beobachtung stimmt
mit der Theorie aufs beste überein. Die höchsten Hochwasser finden wir bei
Nord-Deklination und oberer Kulmination oder bei Süd-Deklination und unterer
Kulmination, die niedrigsten Hochwasser bei größter Nord-Deklination und unterer
Kulmination bzw. bei Süd-Deklination und oberer Kulmination, das tiefste Niedrig-
wasser bei größter Nord-Deklination und oberer Kulmination und bei Süd-
Deklination und unterer Kulmination, also zur Zeit der höchsten Hochwasser,
das höchste Niedrigwasser bei Nord-Deklination und unterer Kulmination bzw.
bei Süd-Deklination und oberer Kulmination. _
Nr. 5 auf Tafel 1 gibt eine graphis£che Übersicht der Verhältnisse. Die
Erscheinungen bei Nord-Deklination und oberer Kulmination sind dieselben wie
bei Süd-Deklination und unterer Kulmination, und bei Nord-Deklination und
unterer Kulmination finden wir dieselben Verhältnisse wie bei Süd-Deklination
und oberer Kulmination.
Hoffmann hat mit Hilfe der Angaben in Tabelle VI eine übersichtliche
Darstellung der Verhältnisse im Golf von Tongkin im Laufe eines Monats gegeben
und erwähnt dabei: „Diese Tabelle 1äßt den Verlauf der Wellenbewegung nach
Höhe und Zeit deutlich erkennen und ermöglicht eine graphische Darstellung
nach verschiedenen Richtungen. Auf der beiliegenden Kurventafel sind danach
die Profile der täglichen Wellen schematisch dargestellt. Man erkennt auf der-
selben das stetige Wachsen der einen und Abnehmen der anderen Welle, bis die
eine die andere vollständig in sich aufgenommen hat. Man sieht darauf wieder
eine kleine Welle an der entgegengesetzten Seite heraustreten, welche stetig
wächst und bald die vor einigen Tagen noch allein erscheinende Welle an Be-
deutung übertrifft.“
Sieht man von der Verzögerung ab, die ja bei der Gleichgewichtstheorie
unberücksichtigt bleibt, so könnte man fast glauben, die Kurven seien nach der
Theorie und nicht nach der Beobachtung angefertigt, so genau decken beide
einander.
Nicht nur in bezug auf die Höhe der Hoch- und Niedrigwasser, sondern
auch in bezug auf die Zeit ihres Auftretens bestätigt die Beobachtung die
Theorie,
Nach der Gleichgewichtstheorie kann das Mondflutintervall (Hafenzeit)
infolge der Superposition der Mond- und Sonnenfluten bei den halbtägigen Ge-
zeiten in der Zeit um zwei Stunden schwanken, da die Hochwasser beim ersten
Ann. d. Hydr. usw. 1928, Heft I.