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Full text: 62, 1934

Michler, H.: Zur Kenntnis der Luftbewegung‘ in Schiffsräumen, 461 
Es ist durchaus denkbar, daß selbst bei der Fahrt aus einer warmen Zone 
in kältere unter besonderen Bedingungen ein Unterbinden der Lüftung sich 
günstiger auswirken kann, als eine in ihrem Erfolge zweifelhafte Lüftung, Dies 
könnte z. B. dann der Fall sein, wenn bei niedriger relativer Luftfeuchte geladen 
wurde und ferner der zu erwartende Temperaturunterschied gering und die 
Reisedauer kurz ist sowie wenn die Fahrt nicht in oder durch Zonen kalter 
Meeresströmungen führt. 
Wie schon oben kurz erwähnt ist eine unter den gegebenen Verhältnissen 
gründliche Umwälzung der Raumluft nur durch zweckentsprechendes Öffnen der 
Luken usw. zu erreichen, da die schiffbaulich vorgesehenen Lüftungseinrichtungen 
hierzu nicht ausreichen. Wie vollzieht sich nun die Umwälzung der Luft bei 
offenen Luken? Angenommen, die Außenluft ist kälter als die Raumluft, so 
steigt die warme Luft aus dem Raum, während die kältere Außenluft einbricht 
und nach unten absinkt. Diese — man könnte sagen — thermische Lüftung 
kann noch durch entsprechendes Brassen der Lüfter unterstützt werden, Im aill- 
gemeinen dürfte es zweckmäßig sein, die sämtlichen Lüfter des betr, Raumes auf 
Druck zu brassen, ‚wodurch im Raum Überdruck erzeugt und somit die Sog- 
wirkung der offenen Luke unterstützt wird, Diese Sogwirkung — also Luft aus 
dem Raum — wird bei fahrendem Schiff meist vorhanden sein, denn der Fahrt- 
wind bzw. Außenwind wird durch den Widerstand des Schiffskörpers nach oben 
abgelenkt, so daß bei normaler Bauart des Schiffes auf Deck bzw. über den 
Luken ein gewisser Unterdruck vorherrschend sein dürfte, wie zuvor bereits er- 
örtert. In welchem Umfange durch die thermische Lüftung eine Umwälzung der 
Raumluft erfolgt, wird im wesentlichen von der Bauart der Räume (Anzahl der 
Zwischendeecks, Lukengröße usw. usw.), der Menge, Stauung und Art der Ladungs- 
güter abhängen. Aber auch die thermische Lüftung muß sinnvoll durchgeführt 
werden, da sie sonst, insbesondere bei größerem Temperaturunterschied zwischen 
Außen- und Raumluft und hoher relativer Feuchte der letzteren zu u. U. um- 
fangreicher Kondensation führen kann, dies ist besonders bei plötzlichen Kalt- 
lufteinbrüchen zu beachten, 
Auf die Belüftungserfordernisse verschiedener Güterarten hier einzugehen, 
dürfte über den Rahmen dieser Arbeit, die ja lediglich richtungweisend sein 
soll, weit hinausführen, Die Eigenschaften der verschiedenen Güter und somit 
die Anforderungen, die sie an die Beschaffenheit der Luft im Laderaum, in dem 
sie nun auf kürzere oder längere Zeit und unter verschiedenen klimatischen 
Verhältnissen gelagert sind, sind in der Praxis hinreichend bekannt (in diesem 
Zusammenhang sei auch auf die Lüftung leerer Tanks und die Entlüftung der 
Räume nach Ausgasungen hingewiesen). Wichtig ist es nun, all diese Anforde- 
rungen durch zweckentsprechende Lüftung soweit wie möglich zu erfüllen, um 
die Minderung bzw. Vernichtung von Werten zu verhindern, 
Bei dem Umfang der Materie öffnet sich hier dem Praktiker, der nicht nur 
nach Schema F lüftet, ein weites Neuland, Aber auch der Konstrukteur wird 
vor neue Fragen gestellt, Wenn man die Fortschritte der stromliniengerechten 
Ausbildung von Unterwasserschiff, Ruder und Propeller usw. sowie die Entwick- 
lung vieler Nebenanlagen auf Schiffen berücksichtigt, so scheint es doch, als ob 
dabei die Lüftung — besser gesagt — die Klimatisierung des Laderaumes etwas 
zu kurz gekommen ist (abgesehen von schon vorhandenen Einrichtungen auf 
einigen wenigen Spezialschiffen). Neben der auf bessere Ergebnisse hinzielenden 
Durchbildung der Lüftungsanlagen dürfte in Zukunft auch die weitere Klimatisi- 
rung der Laderaumluft von wesentlicher Bedeutung werden, Insbesondere wird 
es sich um die Entfeuchtung der Raumluft handeln, die entweder durch Kühlung 
oder Adsorption der Flüssigkeit aus der Luft erfolgen kann. Beide Verfahren sind 
aber ebenso wie die ausreichende künstliche Lüftung in Anbetracht der z. Zt. 
damit verbundenen hohen Kosten für die Frachtschiffahrt noch nicht anwendbar. 
Zum Schluß sei noch bemerkt, daß bei der Vielseitigkeit des Lüftungs- 
problemes, das ja selbst auch wieder nur ein Teil der Frage „Laderaum- und 
Ladungsklima“ ist, lediglich einige wenige wesentliche Punkte herausgegriffen 
werden konnten mit dem Ziele, zur weiteren Forschung anzuregen.
	        
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