Thiel, G.: Strombeobachtungen des Vermessungsschi£fes „Meteor“ unter Island. 451
40 em Höhe und 50cm Breite und zwei Blechplatten von 40cm Höhe und
25 em Breite, die beide senkrecht so auf der großen Platte angeordnet sind,
daß sie mit ihr zusammen ein Kreuz bilden. Dieses Schwimmerkreuz läßt man
an einer mit einem Vorläufer von etwa 20 bis 25 m versehenen dünnen Manila-
leine von etwa 100 m Länge vom ankernden Schiff, am passendsten vom Heck
aus, auslaufen, stellt, nachdem der Vorläufer ausgelaufen ist, mit einer Beob-
achtungs- und Stoppuhr fest, wie viele Meter der Leine in mindestens einer Minute
ausgelaufen sind und peilt gleichzeitig am Schiffskompaß die Richtung, wohin
das Schwimmerkreuz treibt, Der Vorläufer hat den Zweck, das Schwimmerkreuz
aus dem Bereich der durch das Schiff gestörten Strömung zu bringen, Da die
Höhe des Schwimmerkreuzes von der Oberkante des Schwimmers bis zur Unter-
kante des Kreuzes etwa 1m beträgt, so ergeben die Messungen die Strömungen
in dieser Tiefe und können als Oberflächenbeobachtungen gewertet werden. Die
Messungen wurden von Offizieren, Deckoffizieren und dem Signalpersonal des
‚Meteor“ mit der den deutschen Seemann stets auszeichnenden Zuverlässigkeit
and Sorgfalt durchgeführt und können somit praktisch als frei von den störenden
Wirkungen der Bewegungen eines vor einem Anker liegenden Schiffes betrachtet
werden. Sie umfaßten an den einzelnen Orten mindestens eine halbtägige Ge-
zeitenperiode — 12} bis 13 Stunden — und wurden von 10 zu 10 Minuten vor-
genommen, Die ausgelaufenen Meter der Leine, die Anzahl der Sekunden und
die rechtweisende Richtung wurden nebst der geographischen Lage des Beob-
achtungsortes und den stündlich ausgeführten Beobachtungen über Windrichtung
und -stärke, Seegang, Dünung und besondere Vorkommnisse in ein von der
Deutschen Seewarte zu diesem Zwecke entworfenes Beobachtungsbuch eingetragen.
Nach der Rückkehr des Schiffes in die Heimat wurde das Beobachtungsbuch der
Deutschen Seewarte zur Auswertung zugesandt,
Die Tiefenbeobachtungen wurden mit dem Böhnecke-Strommesser aus-
geführt und von Dr. Böhnecke selbst überwacht. Dieser Apparat wird vom
Schiff aus in bifilarer Aufhängung ausgebracht, in eine bestimmte Tiefe versenkt
und registriert mechanisch, sowohl magnetisch als auch in fester Beziehung der
Nullrichtung des Strommessers zum anliegenden Kurs des Schiffes die Richtung
und Geschwindigkeit des Stromes!). Auf „Meteor“ wurden die Registrierungen
von 5 zu 5 Minuten vorgenommen, Die Reobachtungslisten, in denen die Zeit
der Beobachtung, die Stromgeschwindigkeit, ausgedrückt in cm/sec, und die
rechtweisende Stromrichtung eingetragen sind, wurden nebst einer Liste der zu
gleicher Zeit abgelesenen rechtweisenden Schiffskurse von Dr. Böhnecke, um
eine einheitliche Bearbeitung der Oberflächen- und Tiefenbeobachtungen zu ge-
währleisten, ebenfalls der Deutschen Seewarte zur Verfügung gestellt.
Die folgende Tabelle 1 gibt eine Übersicht über die Beobachtungsorte und
die Beobachtungen,
Die Bearbeitung.
Die im Februar-März-April 1933 unter Island ausgeführten Strombeob-
achtungen des „Meteor“ wurden nach den bei der Bearbeitung der Strom-
beobachtungen deutscher Fischdampfer in den Jahren 1930—1932 unter Island
angewandten Grundsätzen durchgeführt?)
Der Zweck der Bearbeitung war, für jeden in der Tabelle 1 näher bezeichneten
Ort aus den vorhandenen Beobachtungen den Gesamtstrom, Gezeitenstrom und
den beständigen Strom zu berechnen und Stromtabellen zusammenzustellen, die
für bestimmte Zeitunterschiede die Richtungen und Geschwindigkeiten des Stromes
während einer halbtägigen Gezeitenperiode gegen das Hochwasser in Queenstown
3) Hermann Thorade: „Methoden zum Studium der Meeresströmungen“, Abderhalden, Hand-
buch der biologischen Arbeitsmethoden, Lieferung 418, 1933.
2) G. Thiel: „Strombeobachtungen deutscher Fıschdampfer unter Island.“ Ann, d, Hydr. usw,
1933, 8. 324—3389 nebst Tabellentafeln 41 und 42 und Tafeln 43—45,
Anmerkung: Hierbei sei auf folgende Verwechselung in der Arbeit hingewiesen. Auf S. 329
sind in den Stromtabellen unter „Gezeitenstrom*“ in den Spalten „Zeitunterschiede gegen das
Hochwasser in Queenstown“ die Orte Hvalsbakur-Süd und Hrvalsbakur-Südost miteinander ver-
wechselt worden; somit gehören die Werte der Zeile Hvalsbakur—süd in die Zeile Hvalsbakur-
Südost und umrekehrt.