Wörner, H.: Beziehungen zwischen Wassertemperatur und Luftdruckverteilung usw. 445
Beziehungen zwischen Wassertemperatur und Luftdruckverteilung auf
dem Nordatlantischen Ozean in den Jahren 1932 und 1933.
Von H, Wörner, Königsberg 1. Pr.
{Hierzu Tafel 55 und Tabelientafel 55 a.}
Zur Erklärung der Ursachen des sehr strengen Winters 1928/29 und des
nachfolgenden ungewöhnlich milden Winters hat J. W.S andström(1)* die Wasser-
temperaturen im Nordatlantik und speziell im Gebiete des Golfstromes heran-
zezogen, die in dieser Zeit starke Abweichungen von den Normalwerten zeigten.
Er setzte dabei voraus, daß sich über relativ warmen Meeresgebieten ein ver-
hältnismäßig niedriger Luftdruck einstellt, und umgekehrt. Da die Warmwasser-
gebiete mit ziemlich konstanter Geschwindigkeit im Zuge des Golfstroms von
Südwest nach Nordost wandern, müssen sich dann auch die durch sie bedingten
Luftdruckgebilde in ähnlicher Weise verlagern. Da weiter diese Luftdruck-
gebilde in großen Zügen die Luftströmung bestimmen, konnte Sandström die
abnormen Temperaturverhältnisse in Europa in den Jahren 1929 bis 1931 recht
gut auf die Anomalien der Wassertemperaturen zurückführen,
Der Verfasser hat in einem früheren Aufsatz (2) nachgewiesen, daß es mit
Hilfe der in den Seeobstelegrammen enthaltenen Angaben über die Wasser-
temperatur möglich ist, ein ziemlich gutes Bild der Temperaturverteilung des
Nordatiantischen Oberflächenwassers zu erhalten. Es wurden dabei für eine
Reihe von Monaten sowohl die ermittelten Wassertemperaturen als auch ihre
Abweichungen vom langjährigen Mittelwert in einer Tabelle mitgeteilt, Besonders
während des Polarjahres waren die Schiffsmeldungen sehr zahlreich; die Be-
rechnung der Wassertemperaturen konnte daher inzwischen auf weitere fünf
Monate ausgedehnt werden,
Seit dem Sommer 1932 erscheinen wieder regelmäßig Karten der mittleren
monatlichen Luftdruckverteilung auf der europäisch-amerikanischen Hälfte der
Nordhalbkugel (s). Diese Karten enthalten außer den Linien gleichen Luftdrucks
auch die Linien gleicher Abweichung vom langjährigen Monatsmittel, Es lag
nahe, an Hand des ziemlich umfangreichen Beobachtungsmaterials zu unter-
suchen, wie weit Beziehungen zwischen dem Luftdruck und der Wassertemperatur
in dieser Zeit bestanden haben,
Die Berechnung der Wassertemperaturen in den neu hinzugekommenen
Monaten Mai, Juni (nur einige Felder), August, September und November 1933
geschah in gleicher Weise wie früher; doch konnte das Gebiet durch Hinzu-
nahme einiger Felder nördlich von 577° Breite noch erweitert werden. Die
Beobachtungen erreichten hier allerdings nur für wenige Felder die erforder-
liche Mindestzahl 5**), Die Abweichungen wurden wieder auf Grund der hollän-
dischen (4) bzw. dänischen Angaben ermittelt, so daß eine Berechnung dieser
Werte für die Felder nördlich von 50° n. Br. in den Monaten Juni und Sep-
tember mangels unmittelbarer Vergleichswerte eigentlich nicht möglich gewesen
wäre, Da aber zur Feststellung der Verlagerung gewisser Kalt- und Warm-
wassergebiete auch für diese nördlichen Gegenden die Kenntnis der Abweichungen
wünschenswert war, wurde zu ihrer Ermittlung in den genannten beiden Monaten
ler Weg der Interpolation eingeschlagen,
Der Normalwert kann einmal durch Einschalten zwischen die bekannten
Werte in den Monaten Mai, August und November gewonnen werden. Unter
Berücksichtigung des südlich von 50° von Monat zu Monat bekannten Temperatur-
verlaufs ergeben sich für die Abweichung vom Normalwert in den nördlich des
50. Breitengrades gelegenen Feldern die Formeln:
für Juni: Ay=Ty_ (Nu -+'/s [Ns — Nu)
für September: Ag Ts _ (Na + N — Na
Dabei bedeuten: A die Abweichung der Temperatur eines 2!/,°. Feldes vom
Normalwert, T die Temperatur des Feldes, N die Normaltemperatur dieses Feldes,
Die Indizes bezeichnen die entsprechenden Monate.
*) Diese und die folgenden Zahlen beziehen sich auf das Schrifttum am Schluß dieses Artikels,
**) Bei diesen und den folgenden Angaben sei auf die frühere Arbeit a. a. O0. S. 105 ff. verwiesen.
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