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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 62 (1934)

440 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1934. 
gefundenen a-Wertes dient eine Fluchtlinientafel (Tafel 53), in der die liniare 
Verbindung der Zielentfernung auf der linken Fluchtlinie mit dem a-Wert auf 
der Diagonal-Fluchtlinie durch Schneiden mit der dritten Fluchtlinie das ge- 
suchte S, gibt. Einrücken in gleicher Höhe liefert auf den beiden parallelen 
Skalen 8, und Sa. 
Ill, Sichtmessungen auf See an der Kimm. 
8. Verwendung des Kontrastes an der Kimm zu Sichtmessungen auf See. 
Da die Sichtbeobachtung an Ziele gebunden ist, wird ihre Verwendung für 
die Seefahrt eigentlich nur in den Küstengebieten möglich, wo sie teilweise sehr 
gut durchgebildet ist, weil sie mit eine der Grundlagen des Wetter- und Nebel- 
dienstes ist, während der Beobachter auf den in den Wetterdienst einbezogenen 
Fahrzeugen und den wichtigen Dienststellen, wie Lotsendampfer, Feuerschiffe, 
Marinenachrichtenstellen, Fischereischutzboote usw., sich wieder auf seine 
Schätzung verlassen muß. Diese wird meistens wegen des Fehlens geeigneter 
Ziele, die doch noch einen gewissen Anhaltspunkt bieten können, rein gefühls- 
mäßig gemacht, Es sei zwar nicht verkannt, daß die Schätzung des See- 
fahrers nach seinem Gefühl und seiner Erfahrung zum Teil sehr gute und ver. 
Jäßliche Ergebnisse liefert; aber es hat sich doch immer wieder gezeigt, daß 
gerade diese individuell sehr verschiedenen Angaben irreführend sein können. 
Der einzige auf See sich bietende Anhaltspunkt, auf dessen Benutzung auch von 
seiten des Kopenhagener Wetterschlüssels hingewiesen worden ist und dessen 
Sichtschätzungen den Seeleuten schon seit Urzeiten zur Wettervorhersage dient, 
ist die Kimm, 
Um das Verfahren der Sichtmessungen auch auf See verwendbar zu gestalten, 
wurde von Herrn Prof, Dr, A. Wigand versucht, den gut definierten Kontrast 
zwischen Wasseroberfläche und Horizonthimmel an der Kimm als Ziel für die 
praktischen Sichtmessungen auszunutzen, Diese Möglichkeit hatte F. Dann- 
meyer (7) schon gezeigt, der selbst zu seinen relativen Sichtschätzungen die 
Kimm herangezogen hatte, Da an dem gedanklichen Aufbau der Sichtbestim- 
mung und der Formeln nichts geändert und als Zielentfernung die aus der 
Augenhöhe bekannte Kimmentfernung eingeseizt werden sollte, waren lediglich 
Änderungen innerhalb der Zielkorrektion und der g-Konstante zu erwarten; 
denn die Kimm in ihrer Eigenart als Ziel weicht erheblich von den gewöhn- 
lichen Zielen ab, und der zum Beobachter kommende Lichtstrahl durchsetzt 
Schichten mit kontinuierlich und auch diskontinujerlich sich ändernder Dichte, 
Die Messungen wurden an einwandfreien Tagen und nach Möglichkeit bei allen 
herrschenden Sichtverhältnissen durchgeführt, Um festzustellen, ob mit Ver- 
größerung der Augenhöhe d. h. mit zunehmender Kimmentfernung der Kontrast 
an der Kimm bzw. die beobachteten a-Werte eine stetige Abnahme aufwiesen, 
wurden Beobachtungen bei konstanter Sicht mit wechselnder Augenhöhe über 
dem Meeresspiegel aufgestellt, Die jeweilige Sicht ließ sich an einem Hilfsziel, 
das in geeigneter Entfernung in demselben Azimut wie die Kimm lag, bestimmen. 
Die geodätische Kimmentfernung ist 
S=VW 7 P—r* oder einfacher 
8=)2rk , 
da das quadratische Glied in % bei den geringen Höhen vernachlässigt werden 
kann. Hierin bedeutet } die Augenhöhe über dem Meeresspiegel und rs = 6377 km 
den Erdradius, S umgerechnet in km nimmt dann in verkürzter Schreibweise 
folgende Form an: 
8—= 5357) %. 
Der von der Kimm ausgehende Lichtstrahl pflanzt sich zum höher stehenden 
Beobachter durch Atmosphärenschichten von wechselnder Dichte fort. Er er- 
leidet infolgedessen eine Ablenkung von der gradlinigen Bahn, die durch den 
Dichteunterschied der durchsetzten Schichten bedingt ist. Da die Lufttemperatur 
immerhin im allgemeinen stetig mit der Höhe abnimmt und somit auch die 
Dichte, ist die Lichtkurve zur Erde konkav, und der Horizont scheint erweitert.
	        
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