Boljahn, @.: Weiterentwicklung des Wigandschen Sichtmeßverfahrens, im besonderen auf See. 435
nierten Ziele wird die Entfernung vergrößert, bis dieses noch sehr gut auszu-
machen ist. Bei weiterer Entfernungsvergrößerung gelangt man an einen Punkt,
an dem das Ziel gerade noch und schließlich nicht mehr auszumachen ist. Auch
hier können wieder mehrere hintereinander liegende Ziele benutzt werden, wobei
der Beobachter seinen Standpunkt nicht in so erheblichem Maße zu ändern
braucht. Für die Verwendung eines Zieles gilt das gleiche, was oben verlangt
wurde, Konstanz des Azimuts in der Blickrichtung und schneller Wechsel des
Beobachtungsplatzes. Das Einsetzen der bekannten Entfernungen in die Sicht-
lormel liefert die gesuchten charakteristischen a-Werte. Diese müssen aber noch
durch die bekannten Zielgrößenkorrektionen verbessert werden, die jetzt mit
dem umgekehrten Vorzeichen einzusetzen sind, da ja das aus der Formel
gefundene 4 das normale ist und den wirklichen Verhältnissen nicht entspricht,
Bei den Messungen auf Neuwerk war es nun so gedacht, daß für beide
genannten Aufgaben die passierenden Fahrzeuge als Ziele dienen sollten. Sie
wurden zu diesem Zwecke vom dortigen Leuchtturm gepeilt und ihre Entfernung
mit einem Entfernungsmesser festgestellt. Es zeigte sich, daß dies Verfahren
nur bei äußerst günstigem Wetter anzuwenden war; denn die Ziele bewegten
sich in einem kleinen Bereich und führten dem Fahrwasser folgend eine zu
große Azimutänderung aus, Die Ziele selbst boten für die Zielgrößenkorrektion
noch erhebliche Schwierigkeiten; der Anstrich der Fahrzeuge war nicht einheit-
ich genug, und Teile von ihnen erschienen auch mit der Wasseroberfläche als
Hintergrund. Ferner mußte dauernd mit einer nicht zu vernachlässigenden
Schwaden- und Schlierenbildung durch die Schiffe selbst gerechnet werden, Als
weiteres kam noch hinzu, daß an der Grenze der Erkennbarkeit die sehr wichtige
Entfernungsbestimmung höchst ungenau wurde,
Da auf Neuwerk nicht dauernd auf die wenigen günstigen Tage gewartet
werden konnte, es aber im Sinne der Arbeit war, möglichst alle zu erfassen,
wurde der Beobachtungsplatz nach Cuxhaven verlegt. ‚Jetzt erfuhr das Beob-
achtungsverfahren dahingehend eine Änderung, daß nun nicht mehr das Ziel
die Stellung wechselte, sondern der Beobachter die Entfernung zu variieren
suchte. Ein Blick auf die beiliegende Karte (Tafel 52) überzeugt davon, daß das
Küstengebiet um Cuxhaven genügend brauchbare Ziele aufweist. Die Messungen
bei den größeren Sichtweiten wurden von See in Richtung auf die Ziele gemacht
and erfolgten von Bord der in Cuxhaven stationierten Reichs- und Staatsdampfer
and von verschiedenen Jachten, Bei den geringeren Sichtweiten befand sich
der Meßbereich im Cuxhavener Ufergebiet, die nötigen Entfernungen konnten
einem Meßtischblatt von Cuxhaven entnommen werden. Diese Methode der
Änderung der Sichtdistanzen wurde übrigens mit Erfolg von F. Dannmeyer
bei den Vorversuchen zur Einrichtung einer neuen Öptik des Feuerschiffes
„Elbe I“, das 1912 auf Station gelegt wurde, angewandt. Die Position auf See
ließ sich durch Kreuzpeilung dreier markanter Objekte, deren Lage genau fest-
lag, mittels des Sextanten bestimmen; die Entfernung von dem jeweiligen Ziel
ergab dann wieder die Karte. An Bord der Behördendampfer fanden die Beob-
achtungen während der Tiefenpeilungen statt, so daß die Positionsbestimmung
dem Beobachter erspart blieb, an Bord der Jachten dagegen mußten diese von
ihm selber ausgeführt werden; dies machte wegen der Einfachheit des Verfahrens
and der genauen Koordinaten der Betonnung und der Landobjekte weiter keine
Schwierigkeiten. Lag das Arbeitsgebiet der Fahrzeuge genügend weit draußen,
so sind zu den Messungen auch die Ziele auf Neuwerk herangezogen worden.
Es wurde darauf geachtet, daß keine Verunreinigungen durch die Fahrzeuge
selbst innerhalb des Meßbereiches hervorgerufen wurden; in solchen Fällen sind
die Messungen sofort ausgeschaltet worden,
Da an der Grenze der Erkennbarkeit die individuellen Einflüsse und die
Ermüdungserscheinungen des beobachtenden Auges sehr groß sind und die Ziele
daher leicht aus dem Gesichtsfeld verlorengehen konnten, sind die Beobachtungs-
reihen der charakteristischen a-Werte in schnellem Wechsel folgend und kritisch
ausgeführt worden, damit auch möglichst jeder Irrtum in der Schätzung nach
dem Augenschein vermieden wurde.