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Full text: 62, 1934

Boljahn, G.: Weiterentwicklung des Wigandschen Sichtmeßverfahrens, im besonderen auf See, 433 
Größen an. Sie sollen weiterhin als die für die Praxis „charakteristischen a-Werte 
beziehungsweise k-Werte“ bezeichnet werden, 
Da diese Sichtweitenformel bei Nebel, Dunst und klarer Luft aus einer 
Messung mit dem Sichtmesser an einem beliebigen, frei gegen den Horizont er- 
scheinenden Ziel eine normale und auf einheitlichen Verhältnissen fußende Sicht- 
weite zu berechnen gestattet, kann man diese in einfacher Weise Sichtskalen 
und Verschlüsselungstabellen angliedern oder zugrunde legen und den Praktikern 
Sichtangaben verschaffen, die frei von individuellen und örtlichen Einflüssen 
sind. Ferner ließen sich aus der bei Tage einwandfrei bestimmten Sicht durch 
Berechnung des Absorptions- und Zerstreuungskoeffizienten unter der Vor- 
Aussetzung, daß die Sicht bis zur Nacht im wesentlichen konstant bleibt, den 
Luft- und Seefahrern dienliche Aussagen über die Feuersichtigkeit bei Nacht 
machen (15, 20). 
Zu erwähnen ist noch, daß auf alle Fälle, wie schon oben gesagt, die Ziele 
frei gegen den Horizont und frei von jeglichen größeren Inhomogenitätsquellen, 
wie Fabrik- und Schiffsschornsteine usw., erscheinen, da im ersteren Falle wegen 
der dunkleren Oberfläche der Erde als Umfeld die berechneten Sichtweiten zu 
klein ausfallen würden, im zweiten aber die nicht zu kontrollierenden Einflüsse 
zu groben Irrtümern führen würden, 
Weiter ist bei den Messungen darauf zu achten, daß die trübenden Filter 
der Instrumente nicht von direktem Sonnenlicht getroffen werden, da hierdurch 
ihre Trübung (Eigenhelligkeit) vergrößert, die Sichtweite aber verkleinert wird, 
4. Die Sichtweite in der Praxis (Luftfahrt, Seefahrt, Meteorologie). 
Das Wesentliche bei der Definition der Sichtweite ist nun, wie sie durch 
Festsetzung von a;, beziehungsweise von k; den einzelnen Zweigen der Praxis 
gerecht zu werden hat. Die Luftfahrt, die Seefahrt und die Meteorologie haben 
eine grundverschiedene Auffassung von der Sichtweite und sich eigene Definitionen 
geschaffen, die sich den verschiedenen Bedürfnissen anpassen. 
In der Luftfahrt, die eine gute Sicht als ihren größten Sicherheitsfaktor 
hezeichnet, versteht unter der Sichtweite die Entfernung, in der ein Ziel noch 
sehr gut zu erkennen ist, Bei den großen Geschwindigkeiten und den relativ 
kleinen Entfernungen im Flugverkehr ist die Forderung nach verläßlichen Sicht- 
angaben, die den Flugzeugführer über eine einwandfreie Ansteuerung seiner 
Objekte verständigen, wohl erklärlich, da dieser während des Fluges seine Auf- 
merksamkeit hauptsächlich auf die Maschine verwendet und zu langem Suchen 
und Sichten nicht viel Zeit findet. Da er ferner seine Ziele oft nicht gegen den 
Horizonthimmel, sondern gegen einen Hintergrund sieht, der das Erkennen noch 
weit schwieriger gestaltet, müssen die tatsächlichen Sichtweiten auf ein für die 
Luftfahrt brauchbares Maß verkleinert werden. 
Bei den sehr viel geringeren Geschwindigkeiten auf See und den sehr 
genauen Positionen gibt man sich dort mit der tatsächlichen Sichtweite zufrieden. 
Für den Seemann bedeutet die Sichtweite die Distanz, in der ein Ziel gerade 
noch auszumachen ist. Für Peilungen und Ansteuerungen reicht das Geradeeben- 
Erkennen völlig aus, da die Kennungen und Lagen der fraglichen Objekte von 
vornherein bekannt und so vorzüglich gezeichnet sind, daß sich diese Definition 
bei genauer Kenntnis der vorhandenen Sicht zu rohen Distanzbestimmungen 
schr gut eignet, worauf schon aus Seefahrtskreisen und von verschiedenen 
anderen Seiten wiederholt hingewiesen ist, 
In den synoptischen Angaben nach dem Kopenhagener Wetterschlüssel wird 
die Sichtweite in einzelnen Spannen durch die Ziffern 0 bis 9 wiedergegeben, 
Die Grenzen der Sichtziffern wurden nach den Entfernungen festgelegt, in denen 
ein Ziel nicht mehr auszumachen ist. Warum dieser letzte Unterschied eigentlich 
noch gemacht worden ist, bleibt unverständlich, zumal es doch dem Sinne des 
Wortes „Sichtweite“ und der allgemeinen Auffassung nach nahelag, als Sicht- 
weite die Entfernung zu bezeichnen, in der das Objekt gerade noch zu erkennen 
ist. Ferner ist diese Festlegung der Sichtweite bestimmt nicht geeignet, die Sicht- 
beobachtungen im Rahmen des Wetterdienstes einheitlich zu gestalten: denn der 
Ann. d, Hydr. ausw. 1924. Heft XL
	        
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