416 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1934.
fläche und der Bruch rechts das Mischungsverhältnis, wobei m, der Anteil an
Salz ist. Nun wissen wir von festen Salzen, daß sie unter bestimmten Bedin-
gungen Wasser aufnehmen aus der Luft und Wasser abgeben in derselben Weise,
wie dies bei den Lösungen der Fall ist.
Die übliche Methode, die maximale Dampfspannung des Wasserdampfes über
Salzlösungen zu bestimmen, läßt sich offenbar auf trockene oder feste Salze
nicht anwenden. Andererseits hat es allgemeines Interesse zu wissen, unter
welchen Bedingungen sich Salzlager bilden; wieweit das Salz, das wir im täg-
lichen Leben brauchen, von dem Wasserdampfgehalt der umgebenden Luft ab-
hängt und wann die Salzkerne der Wolken- (Nebel-) Elemente Wasser aufnehmen.
Wir haben hierüber keine Literatur finden können, Wir untersuchten die Frage
in folgender Weise:
Erst sollte untersucht werden, mit welcher Geschwindigkeit die einzelnen
Salze: Natriumchlorid (NaCl), Magnesiumsulfat (MgSO«) und Magnesiumchlorid
(MgCl,), in einen mit Wasserdampf gesättigten Raum gebracht, das Wasser auf.
nehmen; sodann sollte die Frage geklärt werden, bei welchem Dampfdruck die
Wasseraufnahme beginnt. In Ermangelung eines Thermostaten diente für sämtliche
Versuche ein gut abdichtbarer, kleiner Messingkasten, der in Räumen mit ge-
nügend kleiner täglicher Temperaturschwankung (etwa 1°C) aufgestellt wurde,
In diesem Kasten wurde ein mit reinem Wasser gefülltes Gefäß mit großer,
freier Oberfläche untergebracht, das später mit Phosphorsäure bestimmter Kon-
zentration gefüllt wurde. Von der Phosphorsäure bzw. deren Anhydrid ist be-
kannt, daß sie in besonderem Maße die Fähigkeit besitzt, Wasser an sich zu
ziehen. Einer bestimmten Säurekonzentration entspricht ein bestimmter Gleich-
gewichtsdampfdruck in der umgebenden Atmosphäre, Es war also möglich, die
Feuchtigkeitsverhältnisse in dem kleinen Versuchsraum beliebig und in sehr
weiten Grenzen zu variieren. Die Bestimmung des jeweiligen Wasserdampf-
druckes (und damit der Konzentration der Phosphorsäure) erfolgte aus Temperatur
und relativer Feuchtigkeit, deren dauernde Registrierung ein gut geeichter
Thermo- und Hygrograph besorgte,
Die in dünnen Schichten (etwa 1 bis 2 mm) in kleine flache Wägegläschen
von 26.5 cm? Fläche gefüllten Salze wurden nun in diesen Raum gebracht und
ihre Gewichtsänderungen von Zeit zu Zeit durch Wägung bestimmt. Die
Wägungen wurden durch Niederdorfer ausgeführt.
Der Wasserdampf diffundiert in der Luft nur sehr langsam, Infolgedessen
nahmen die Untersuchungen ziemlich lange Zeit in Anspruch; eine Vorrichtung
zur Durchmischung der Luft hätte den Vorgang. beschleunigt, wurde aber nicht
angebracht, um eventuell später die Diffusionsgeschwindigkeit unter einfachen
Bedingungen (Windstille) untersuchen zu können.
Bei den Untersuchungen im wasserdampfgesättigten Raum stand der Hygro-
graph in etwa derselben Entfernung von der freien Wasserfläche wie die Salz-
gefäße und zeigte etwa 90% relativer Feuchtigkeit. Von der Wasserfläche
gegen die Salzflächen hin ist ein Dampfdruckgefälle vorhanden, wenn Kondensation
am Salz stattfindet. Die Messung der relativen Feuchtigkeit hätte an verschie-
denen Stellen des Raumes daher verschiedene Werte ergeben. Da die Diffusions-
geschwindigkeit nun von der Entfernung der Salzfläche von der Wasserfläche
ebenfalls abhängig ist, kann dieser Teil der Ergebnisse also nur orientierenden
Charakter tragen. Die im folgenden mitgeteilten Zahlenwerte gelten für je 1 g
Ausgangssubstanz oder mit hinreichender Genauigkeit für 1 g Trockensubstanz,
wenn man den Kristallwassergehalt bei MgSO, und MgCl, einbezieht, sowie für
die freie (makroskopisch betrachtet) Salzoberfläche von 26.5 ecm%
Bei NaCl war die Geschwindigkeit der Wasseraufnahme durch längere Zeit
hindurch ziemlich konstant; sie beirug bei einer mittleren Temperatur von
18.5° C etwa 0.0088 g pro Stunde und Gramm Trockensubstanz, Nach 140 Stunden
wurde sie allmählich geringer und sank nach weiteren 100 Stunden nach und
nach auf 0.0069 g pro Stunde. Während dieser 100 Stunden fiel leider auch die
Temperatur auf 17.7° C und mit ihr sank der im Raume herrschende Sättigungs-
Aruck, wodurch offenbar das Dampfdruckgefälle ebenfalls etwas vermindert