Meereskunde
ten Beobachtungsreihen stammten aus dem
jüngsten Zeitraum, ein Teil jedoch auch aus ver
gangenen Jahren. Ebenso wurden aus den aus
führlichen Vorausberechnungen der Hoch- und
Niedrigwasser für einige ausländische Bezugsor
te Gezeitengrundwerte neu bestimmt. Diese Ar
beiten dienten zum Laufendhalten der Gezeiten
tafeln.
Die Vorausberechnungen für die 13 deut
schen Bezugsorte für die Gezeitentafeln 1994 be
ruhen auf Analysen des jüngsten 19jährigen Be
obachtungszeitraums 1973 bis 1991.
Für die Seevermessung wurden 10 Wasser
standserrechnungskarten zum Beschicken der
Lotungen entworfen.
Zahlreiche Auskünfte über Gezeiten und
Wasserstände erteilte das BSH an Schiffahrts
kreise, Seeämter, Gerichte und Privatpersonen.
Für Untersuchungen zur säkularen Ände
rung der Wasserstände wurden 8 Jahresreihen
von Pegelkurven digitalisiert.
Vom 2. Juni bis 17. September waren in der
Deutschen Bucht zwei Hochseepegel und vom
4. August bis 17. September weitere vier ausge
legt. Mit den Ergebnissen dieser Messungen wer
den die Wasserstandserrechnungskarten für die
Seevermessung verbessert.
Für die beiden Pegel mit längerer Meßdauer
sollen mittlere Tidenkurven abgeleitet werden, mit
deren Hilfe geeignete Bezugspegel für bestimmte
Seevermessungsgebiete gefunden werden kön
nen.
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Operationelle Modelle
In der Geophysik setzen sich zunehmend
numerische Modelle durch, die die dynamischen
Vorgänge in der Atmosphäre, in den Ozeanen
und im Erdkörper simulieren können. Diese Ver
fahren, die hohe Anforderungen an die wissen
schaftliche Forschung und an die Computertech
nologie stellen, sind auch für die meereskundli-
chen Dienste ein wichtiges und dabei kostengün
stiges Hilfsmittel. Das operationelle Modell der
Nord- und Ostsee ist ein derartiges System mit
dem Schwerpunkt Anwendungen in den Diensten
des BSH.
Das Modellsystem ist hauptsächlich für ak
tuelle, zeitkritische Fälle konzipiert. Zu diesen
zeitkritischen Anwendungen gehören Wasser
standsprognosen und Driftprognosen für Öl, Che
mikalien, verpacktes Gut und für „Mann über
Bord“.
Das Modell berechnet jede Nacht aus Ge
zeitenwerten und den Wind- und Druckprogno
sen des Deutschen Wetterdienstes dreidimensio
nale Strömungsfelder. Seit September werden
zusätzlich - bei Vorgabe eines klimatologischen
Nettowärmeflusses in die Wasseroberfläche und
mittlerer Süßwassereinträge über die Flüsse -
die Temperatur- und Salzgehaltsverteilung (und
damit auch die Dichteverteilung) berechnet. Die
se prognostischen Rechnungen dienen in erster
Linie dazu, den dichtebedingten Anteil an der
Strömung besser zu simulieren.
Die durch physikalische Gleichungen mit
einander verknüpften Größen werden auf drei in
einander verschachtelten Gitternetzen berech
net. Das feinste Gitternetz für die Gewässer der
deutschen Küste hat eine horizontale Auflösung