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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1934,
12. Die Wetterlage am 25. Juli.
a) Die Bodenwetterkarte (Abb. 5), Bis zum nächsten Morgen hat sich
das Sudetentief um fast 10 mb vertieft und ist langsam nach Pommern gezogen.
In seinem Bereich wird über der Ostsee allgemein Windstärke 7? überschritten,
Adlergrund meldet NE 8, Warnemünde NW 8.
b) Die Druckverteilung in der Höhe. Innerhalb von 24 Stunden hat
diese Depression wieder (Abb. 11) eine mächtige Vertikalentwicklung angenommen
und zeigt noch in 4000 m eine völlig geschlossene Zirkulation. Sie liegt dort,
wo am Vortage die Divergenz den größten Betrag erreichte,
13. Die weitere Wetterentwicklung.
a) Die Höhenwärme über Schweden verhindert die weitere Ver-
tiefung der Zyklone. Wir müssen die Frage, ob dieses Tief zu schwerem
Sturme in der Ostsee Anlaß geben wird, verneinen, denn am 25. (Abb. 11) zeigt
sich in der Höhe keine Divergenz mehr. Der um 8 Uhr noch starke Druckfall
ist daher schon um 11 Uhr völlig unterbunden worden. Vor allem ist die große
Höhenwärme über Südschweden auffallend, Skillingaryd (im SW von Stockholm)
weist bei‘ 600 mb Druck die höchste Temperatur aller vorliegenden Aufstiege
auf. Diese hohe Temperatur über Skandinavien ist für die ganze Wetterepoche
charakteristisch. Sie zerstört in beiden Fällen die Höhendivergenz, wenn die
Zyklonen die Ostsee erreichen, erzeugt vielmehr stürmische Ostwinde in der
Höhe über Schweden. Damit ist eine wesentliche Vorbedingung für die
Steigerung zum Orkan nicht gegeben, die am 8. Juli 1931 die Entwicklung
eines Sturmes tropischen Ausmaßes herbeiführte,
b) Konvergenz und Druckanstieg. Diese Vb-Depression zieht ostwärts
ab, liegt am nächsten Tag (Abb. 12) über Polen und weist auf ihrer Westseite
eine ausgesprochene Höhenkonvergenz auf, die?) von einem entsprechend starken
Steiggebiet über der Ostsee begleitet ist.
Der Zustand der freien Atmosphäre über Hamburg während des
Polarjahres 1932/33.
Von Dr. K. Keil, Berlin-Mariendorf.
(Hierzu Tabellentafel 45 mit Tabelle 11.)
Vor kurzem konnte ich über den Zustand der freien Atmosphäre über Königs-
berg an Hand der Temperatur- und Höhenwindmessungen aus der Zeit des
2, Internationalen Polarjahres berichten?). Heute möchte ich diese Angaben für
Hamburg ergänzen.
I. Das benutzte Material,
Zur Verfügung standen zunächst die Temperaturmessungen aus Flug-
zeugaufstiegen der Wetterflugstelle Hamburg, insgesamt 339 Aufstiege mit zu-
sammen 1925 Meßwerten. Die Verteilung der Beobachtungen auf die einzelnen
Monate und Höhenstufen ergibt sich aus der folgenden Tabelle 1.
Tabelle 1. Verteilung der Temperaturmessungen auf die einzelnen Monate und Höhenstufen,
August 1932 bis Septemher 1933.
aa
nulxix x
XII
1) n haudlıyk vl yı lan lYyn ix
L000M ...0000
4000 M..=0005
OO MmM 2...
27 21719 22 22118 | 21 123,231 26,29 21 | 30
27] 21 39, 2 |22|17 | 21 23 | 23 | 26 | 29 | 30 | 30
57 [91 | 19 22 | 22 |17 | 19 | 23 | 23 | 26 | 29 | 30 | 30
57 | 21 | 18 | 20 | 22 117 | 19 1231| 22 | 25 | 29 | 30 | 30
97 | 21 a7 | 29 | 18117 | a8 | 23 | 21 | 24 | 28 | 30 | 29 |
2% 21'111 3]1u | 8|14 123 | 20 | 23 | 25 | 28 | 26
ı Vgl. Tägl. Wetterb. d. D, Seewarte v. 25. Juli.
27
7
27
&7
26
O4
— %) Beitr. z. Phys, d. fr. Atm., Bd. 21, Heft 4