404 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktove. .
direkt nordwärts und liegt am Morgen des 19. mit 984 mb über Pommern (Abb. 2).
Die Druckgegensätze haben in seiner Umgebung jetzt sehr rasch zugenommen,
an der schwedischen SE-Küste frischt der E-Wind bis Stärke 7 auf und hat in
der westlichen Ostsee aus NW die gleiche Stärke erreicht.
Die schnelle Vertiefung dieser Depression mußte eintreten, da die Höhen-
divergenz nicht durch eine untere Konvergenz kompensiert wurde,?)
8. Die Verwandlung der „niedrigen“ Zyklone in eine „hohe“.
Im Niveau der 600 mb-Fläche liegt der Depressionskern am 19, fast an der
gleichen Stelle wie das Tiefdruckzentrum am Boden (Abb. 8). Vor allem ist es
auffallend, wie sich die am 18. nur 1500 m hoch reichende Depression innerhalb
von 24 Stunden zu einem hochreichenden troposphärischen Wirbel entwickelt
hat. Er liegt gerade an der Stelle, die am Vortage (Abb. 7) durch ihren geringen
Gradienten auffällt, hier senkte sich die 600 mb-Fläche um 150 m. Wie die
Karte der relativen Topographie der 600 mb-Fläche zeigt?), ist der Temperatur-
unterschied schon bis zum 19. zum größten Teil ausgeglichen, es erstreckt sich
aber noch eine typische Kaltluftzunge von Frankreich bis nach Böhmen, die auch
gut in der Isothermenkarte im Wetterb. d. D, Seewarte hervortritt.
Die Vertiefung des Wirbels ist mit einem Temperaturausgleich verbunden
und kann daher nicht durch eine Advektion warmer Luft veranlaßt worden
sein. Demgemäß umfaßt der dynamische Druckfall die ganze Troposphäre, und
die Zyklone nimmt im Entwicklungsstadium rasch an Höhe zu.
9. Die Entwicklung der Wetterlage vom 19. bis 23. Juli,
Diese Vb-Depression hat den Höhepunkt ihrer Entwicklung bereits am 19. erreicht, Sie ver-
lagert sich bis zum 20, nur 300 km nördlicher und wandert bis zum 23. nach NW-Rußland. Von
Südenropa aus breitet sich rasch wieder ein Hochdruckkeil nordwärts aus; ein neues Fallgebiet dringt
aber schon am 21. nach Mitteleuropa vor, von einem Tiefausläufer begleitet, während das zugehörige
Haupttief über der Nordsee liegen bleibt.
Auch hier zeigen die Höhenkarten?), daß am 21. vor dem Heranziehen des Tiefausläufers eine
Höhendivergenz eintritt, jedoch etwas nördlicher entsprechend dem polnäheren Zug des Ausläufers,
10. Die Wetterlage am 23. Juli.
a) Die Bodenwetterkarte (Abb. 3), . Auch am 23. liegt das Nordseetief
noch an der gleichen Stelle, während ein ausgedehntes Teilhoch über 1013 mb
von SE-Europa bis nach Mitteldeutschland reicht. Über dem westlichen Mittel-
meer hat sich ein Tief von 1005 mb entwickelt, der stärkste Druckfall trat über
Südfrankreich mit —10 mb in 24 Stunden ein. Wird das Teilhoch standhalten?
b) Die Isothermendivergenz. Im Isothermenverlauf®) macht sich über
Böhmen eine ausgeprägte Divergenz bemerkbar und läßt erwarten, daß der
Tabelle 5, Höhenwinde und Divergenz am 23, Juli 1930 im 4000 m-Niveau,
Westen
Ort
Zeit
v, (km/Std.)
Saarbrücken ...... | 17h 41
Friedrichshafen ... | ilb 72
München ........| 12h 47
Fürth. ..........0- 7h 68
Weimar ......... Rh 86
= 63
72— 39 400
E Westen-Osten = 400 km
Ta? _ _ 93
7 —
Osten
ÖDrt
Zeit ! y.(km/Std.)
2: AD
Dresden ..........
BerliD. vaısaun une
"indenberg .......
‚indenberg.......
Krakau ..........
Warschau .....
‚4h
7h
11h
ah
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58
| 81
b
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Va = 55
x 2_— 30.700
PS 2 = — 9000
bb vol3— vi?
5 As 14
1) Vgl. Satz 1 in Met. Zeitschr. 1934, S. 138. — 2) Von einem Abdruck muß hier abgesehen
werden. — %) Vgl. Tägl. Wetterb. d. D. Seewarte v. 23. Juli.