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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 62 (1934)

Scherhag, R.: Die Bedeutung der Divergenz für die Entstehung der Vb-Depressionen. 403 
Die gleiche Rechnung wurde auch für den durch die aerologischen Stationen 
Friedrichshafen, Lindenberg und Darmstadt begrenzten Raum und die innerhalb 
dieser Zone ausgeführten Höhenwindmessungen durchgeführt und führte gleich- 
falls (linker Teil der Tabelle 3b) zu einer merklich gegen den Gradienten 
gerichteten Windkomponente, so daß unser Ergebnis trotz der wenigen zugrunde 
liegenden Höhenwindmessungen an Wahrscheinlichkeit gewinnt. 
a) Gradientwind und Windgeschwindigkeit. Auch ein Vergleich 
zwischen den für gradlinige Bewegung berechneten Gradientwinden innerhalb 
der 3 untersuchten aerologischen Dreiecke (rechte Hälften der Tabellen 3a und 3b) 
mit den gemessenen mittleren Höhenwinden ergab im Durchschnitt eine geringe 
übergradientische Geschwindigkeit der Höhenwinde im Divergenzbereich, 
obwohl der Gradientwind auch in der freien Atmosphäre bei stationärer Strömung 
nie ganz erreicht werden kann und obwohl die Mehrzahl der Höhenwindmeß- 
stellen auf die Zone geringerer Gradienten innerhalb der einzelnen Dreiecke 
entfallen. Wenn daher auch der Geschwindigkeitsüberschuß gering ist, so scheint 
sein Vorhandensein doch die theoretische Folgerung eines Geschwindigkeits- 
überschusses innerhalb der Divergenzgebiete zu bestätigen. Eine eingehendere 
Untersuchung eines Einzelfalles, zu der vor allem die mittleren Luftver- 
setzungen der gesamten Höhenschichten zugrunde gelegt werden müßten, wird 
erst die Arbeit lohnen, wenn das deutsche aerologische Netz die beabsichtigte 
Erweiterung erfahren hat und alle Höhenwinde und Aufstiege möglichst vom 
gleichen Termin vorliegen. 
—_ _i) Divergenz und Druckfall. Wie aus Abb. 7 hervorgeht, war die Di- 
vergenz am 18. über Deutschland am größten und erstreckte sich mit ihrer 
Hauptachse in der Richtung NW—SE, 
Aus der im Tägl. Wetterb. d. D. Seewarte abgedruckten 3stündigen Tendenz- 
karte vom 18. geht hervor, daß das Zentrum des Druckfalls am Morgen des 18. 
über Oberbayern lag, gerade an der Stelle, wo wir es erwarten. Die 24stündige 
Druckänderung vom 18. bis 19. (Abb. 17) zeigt die stärkste Luftdruckabnahme 
über Ostpreußen, tatsächlich dort, wo der Isobarenabstand am 18, am größten 
wird, Die Hauptachse des Fallgebiets verläuft erwartungsgemäß von NW nach 
SE, der eingezeichnete Pfeil gibt die Zugrichtung an, die durch Berechnung der 
ı12stündigen Druckänderungen ermittelt wurde. Der stärkste Druckfall von 
—10 mb am 17. über der Biscaya nimmt auf —12 mb am 18. und —15 mb bis 
zum 19, zu. 
j} Die Isothermendivergenz am Abend. Charakteristisch ist die Ände- 
rung in der Bahnrichtung des Fallgebiets in der Nacht zum 19.,, wie sie der 
Pfeil in Abb. 17 zeigt. Erst in dieser Nacht folgt das Fallgebiet der Zugstraße Vb. 
Eine eindeutige Erklärung für diese Bahnschwenkung gibt uns der Isothermen- 
verlauf vom Abend des 19. (Abb. 15); die weiteren Beispiele werden beweisen, 
daß diese Temperaturverteilung typisch für den Vorabend von Vb-Depressionen ist. 
Wir sehen, daß der Temperaturgegensatz am Ostrande der Alpen eine außer- 
ordentliche Größe erreicht: Wien um 19 Uhr W 6 bei 4+13° Budapest SW 2 und 
+30°' Der Temperatursturz betrug in Wien von 14 bis 19 Uhr 17°. 
Von diesem Punkte größten Temperaturgegensatzes aus ist die Konvergenz 
nach Süden ebenso gut ausgebildet wie die Divergenz nach Norden; die Divergenz 
erreicht ihre größte Ausdehnung jetzt in west-Östlicher Richtung, und damit 
ändert sich plötzlich an der mährischen Senke die Zugrichtung des Fallgebiets. 
Hier beginnt die Vertiefung und Ausbildung zur Vb-Depression. Während 
der Nacht tritt der stärkste Druckfall über Ostpreußen ein (Abb. 18), und die 
Hauptachse der Fallzone hat eine Richtung von WNW nach ESE. Gileichzeitig 
mit der Verstärkung des Fallgebiets nimmt die Intensität des Tiefdruckwirbels zu. 
7. Die Änderung der Wetterlage bis zum 19. Juli. 
Das am Morgen des 18. Juli bei Friedrichshafen gelegene Teiltief von 995 mb 
hat sich abends bis auf 989 mb vertieft, wobei die Druckgradienten aber noch 
sehr gering sind: Auf der gesamten Ostsee wird Windstärke 3 nicht über- 
schritten. Der Tiefdruckkern folgt genau der Bahn des Fallgebiets, zieht nachts
	        
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